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Amok-Lauf

Begonnen von duffeldoffel, Mi, 11. Mär. ’09, 19:31

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MoRe99

Zitat von: stig49 am Do, 12. Mär. ’09, 11:47
Zitat von: duffeldoffel am Do, 12. Mär. ’09, 10:43
Zukünftige Amok-Läufer werden nicht mehr direkt auf ihre ehemalige Klasse zusteuern, sondern zuerst das Lehrerzimmer und/oder das Sekretariat aufsuchen, denn dank der Medien wissen sie nun, dass sie das Ausrufen des Codeworts "Frau Koma kommt" verhindern müssen.
Also nicht mehr drüber berichten?
Berichten ja, aber vielleicht bei solchen Informationen einfach mal nichts schreiben. Da sollte sich jeder seiner Verantwortung bewusst sein.
"Fear can hold you prisoner. Hope can set you free." (Stephen King)

Duke

Zitat von: stig49 am Do, 12. Mär. ’09, 11:45
Dass Amokläufe der Preis der Freiheit sind - dem widerspreche ich ganz massiv. Vandalismus und Exzesse gab es auch in der Sowjetunion. Vielleicht trauen sich manche in einem diktatorischen System  weniger, aber das ist dann wohl auch schon sein einziger Vorteil
Da wirfst Du jetzt aber zwei Dinge in einen Topf. Vandalismus hat es auch in der DDR gegeben, sogar Fanausschreitungen bei Fußballspielen. Aber das setze ich nicht gleich mit Amokläufen.
Solche gesellschaftlichen Auswüchse sind in der DDR damals wesentlich härter bestraft worden als hierzulande. Jugendwerkhof - mit diesem Wort hast Du auch die größten Kloppis fast immer zahm bekommen.
Rattay is the only quarterback in NFL history to throw 3 consecutive passes all going for touchdowns (2007)

stig49

Zitat von: Duke am Do, 12. Mär. ’09, 11:53
Zitat von: stig49 am Do, 12. Mär. ’09, 11:45
Dass Amokläufe der Preis der Freiheit sind - dem widerspreche ich ganz massiv. Vandalismus und Exzesse gab es auch in der Sowjetunion. Vielleicht trauen sich manche in einem diktatorischen System  weniger, aber das ist dann wohl auch schon sein einziger Vorteil
Da wirfst Du jetzt aber zwei Dinge in einen Topf. Vandalismus hat es auch in der DDR gegeben, sogar Fanausschreitungen bei Fußballspielen. Aber das setze ich nicht gleich mit Amokläufen.
Solche gesellschaftlichen Auswüchse sind in der DDR damals wesentlich härter bestraft worden als hierzulande. Jugendwerkhof - mit diesem Wort hast Du auch die größten Kloppis fast immer zahm bekommen.
Wie ich ja sagte, damals gab es noch nirgendwo solche Amokläufe. Und wenn es sie gegeben hätte, dann hätte es sie wohl gerade auch in der DDR gegeben, wo Unfreiheit das Tagesprinzip war und Frust und Perspektivlosigkeit allgegenwärtig.
Leute, die ihr Leben wegwerfen, für die Rache so elementar wird, dass ihnen alles andere egal ist - die schreckst Du doch nicht mit dem Jugendwerkhof ab!
P.S. Wenn Du jetzt fragt, kennt der die DDR überhaupt? Ich denke, ich kenne sie.

Duke

Zitat von: stig49 am Do, 12. Mär. ’09, 12:01wo Unfreiheit das Tagesprinzip war und Frust und Perspektivlosigkeit allgegenwärtig.
P.S. Wenn Du jetzt fragt, kennt der die DDR überhaupt? Ich denke, ich kenne sie.
Offenbar hast Du die DDR anders in Erinnerung als ich. ;) In meinem Umfeld hatte keiner Frust, von einer allgemeinen  Perspektivlosigkeit habe ich auch nichts gemerkt. Aber das sprengt jetzt hier den Rahmen und das Thema des Threads. 
Rattay is the only quarterback in NFL history to throw 3 consecutive passes all going for touchdowns (2007)

duffeldoffel

Zitat von: Duke am Do, 12. Mär. ’09, 11:37
Zitat von: duffeldoffel am Do, 12. Mär. ’09, 10:41
Zitat von: Duke am Mi, 11. Mär. ’09, 23:19aber auch wir hatten "Rangkämpfe" in der Jugend. Das ist denke ich normal, weil natürlich.
"Rangkämpfe", naja...

Beurteilen kann ich natürlich nur meinen eigenen Fall von damals, aber das als "Rangkampf" abzutun, werde ich nicht akzeptieren.
Was soll es denn sonst gewesen sein? Bist Du der Meinung, dass sich Deine Klassenkameraden Dich ganz gezielt ausgeuscht, weil sie nur Dir und niemand anderem das Leben schwer machen wollten?
Du bist der Meinung, sie sahen in mir eine Konkurrenz in der Klassen-Hierarchie? Es mag solche Fälle geben, aber Du hast keine Ahnung, wie klein und schwach ich war. Du kennst mich, und ich gebe zu, wenn man mich heute sieht, ist das schwer vorstellbar.

Aber für eine hohe Position in einer Klassen-Hierarchie war ich sowas von kein Kandidat. Wäre es darum gegangen, hätte es überhaupt keinen Grund gegeben, mich zu piesaken.

Im Übrigen, wenn es "Rangkämpfe" waren, warum dann immer nur gegen mich?

Bin ich also gezielt ausgesucht worden? Ja und nein, würde ich sagen. Natürlich hätte es auch jemand anderes sein können. Aber es war nun mal ich, der klein und schwach und somit ein dankbares Opfer war.

Und dann noch auf Leute einzutreten, die bereits am Boden liegen - sorry, Duke, aber spätestens dann kannst Du mir das nicht mehr als "Rangkampf" verkaufen.

Und was meinst Du, wie verraten man sich fühlt, wenn sich zu diesen Rumschubsern auch Leute einreihen, mit denen man seit der Grundschule jahrelang gut befreundet war. Beistehen sollten die einem eigentlich, aber nein, cool sein ist ja wichtiger...

Oder aber man ist froh, selbst nicht derjenige zu sein, der leiden muss. Auch dazu kann ich was erzählen, und ich muss eingestehen, dass ich selber dabei keine berühmte Rolle gespielt habe.

In der achten Klasse habe ich eine von mir forcierte Ehrenrunde gedreht. Von mir forciert bedeutet, dass ich in der achten Klasse, erste Runde, die Arbeit komplett eingestellt habe, weil ich aus meiner Klasse raus wollte. Meine Eltern hätten einer freiwillige Ehrenrunde oder gar einem Schulwechsel niemals zugestimmt, also blieb ich absichtlich sitzen.

Auch andere aus meiner alten Klasse blieben sitzen, und die Schulleitung wollte mich allen Ernstes mit denen in dieselbe Klasse stecken. (Die hatten also gar nichts bemerkt.) Da begehrte ich zum ersten Mal auf und stellte klar, dass ich mich dann weigern würde, zur Schule zu gehen.

Also lenkte man ein und steckte mich in die andere Klasse. Dort befanden sich auch ein paar gute Freunde von mir, die ich vom Konfirmantenunterricht her kannte.

Meine "Feinde" aus der alten Klasse versuchten, in meiner neuen Klasse Stimmung gegen mich zu machen, indem sie einige meiner neuen Klassenkameraden beiseite nahmen und über mich sprachen. Na, immer noch Rangkämpfe?

Zu meinem Glück gab es in meiner neuen Klasse aber bereits einen Prügelknaben, der obwohl gleich alt, noch kleiner und schwächer war als ich und auch böse gepiesakt wurde.

Und mit Rangkämpfen hatte das nun wirklich nichts zu tun. Wären es Rangkämpfe gewesen, warum dann immer nur gegen ihn?

Natürlich hätte ich ihm beistehen müssen, weil ich ja wusste, wie das ist, der Prügelknabe zu sein. Ich habe mich am Piesaken nicht beteiligt, aber ich stand ihm auch nicht bei. Darauf bin ich nicht stolz. Ich war wohl einfach froh, dass ich es nicht mehr war, der gepiesakt wurde, denn auch nach meinem Sitzenbleiber gehörte ich, obwohl zwei Jahre älter als der Klassendurchschnitt (ich wurde erst mit sieben eingeschult), nicht zu den Großen und Starken.

Nach anderthalb Jahren verließ Bernd, so hieß der arme Hund, die Schule. Bis dahin war ich inzwischen (um gute 20 Zentimeter) auf ca. 1,80 angewachsen. Ich war ein akzeptiertes Klassenmitglied, und meine ehemaligen Klassenkameraden hatten das Interesse an mir als Prügelknabe verloren.

Man kann nicht alles pauschal als Rangkämpfe abtun, Duke, glaub' mir das. Denn ich habe es erlebt und bin heute in der Lage, rational darüber zu denken.

Habe ich damals alles richtig gemacht? Nein, natürlich nicht. Wer tut das schon... Ich hätte mich irgendwie wehren müssen, aber ich wusste nicht wie.

Zu einem Lehrer meines Vertrauens gehen? Nun ja, es gab da einen. Aber wäre ich als Petze nicht erst recht dran gewesen? Wenn man in dieser Lage ist, funktioniert das rationale Denken nicht. Man hofft nur, den nächsten Tag irgendwie zu überstehen und nichts an sich ranzulassen. Und vielleicht schreibt man Schwarze Listen...

Rangkämpfe? Wie gesagt, in meinem Fall halte ich es für ausgeschlossen, dass es Rangkämpfe waren. Aber selbst wenn: Es kommt doch der Punkt, an dem ein Rangkampf entschieden ist. Und wenn man dann immer noch nicht ablässt, was ist es dann?

Niner

Zitat von: Duke am Do, 12. Mär. ’09, 12:29
Zitat von: stig49 am Do, 12. Mär. ’09, 12:01wo Unfreiheit das Tagesprinzip war und Frust und Perspektivlosigkeit allgegenwärtig.
P.S. Wenn Du jetzt fragt, kennt der die DDR überhaupt? Ich denke, ich kenne sie.
Offenbar hast Du die DDR anders in Erinnerung als ich. ;) In meinem Umfeld hatte keiner Frust, von einer allgemeinen  Perspektivlosigkeit habe ich auch nichts gemerkt. Aber das sprengt jetzt hier den Rahmen und das Thema des Threads. 

Absolute Zustimmung, Duke
Win, Lose or Tie - I´m a Niner until I die

TheBeast

Ich war selbst immer einer der Kleinsten, und auch ich hatte einiges unter einigen wenigen Klassenkameraden zu leiden - aber wenigstens weiß ich jetzt, dass man mit ein paar Tritten sogar 20 einhändige Liegestütze schafft, während man sonst Mühe hätte, das mit beiden Händen hinzukriegen. Allerdings scheine ich immer noch deutlich besser weggekommen zu sein, als duffel, wenn ich die Schilderungen so lese.

Wie auch immer: Auch bei mir sind viele von denen, die mich damals sarkastisch gefragt haben "na, wie groß willst denn einmal werden", und die bei meiner Antwort "einsfünfundsiebzig" in brüllendes Gelächter ausgebrochen sind, mittlerweile kleiner als meinereiner. Soweit nur, damit ihr zumindest annehmen könnt, ich wüsste, wovon ich rede.

Jedenfalls bin ich mir auch recht sicher, dass es sich nicht um die von Duke angesprochenen Rangkämpfe im herkömmlichen Sinn handelt. Wenn es nämlich Rangkämpfe wären, dann impliziert das ja, dass es tatsächlich um das Erringen eines bestimmten Ranges geht. Die stehen aber doch fest - niemals hätte ich eine Chance gehabt (hätte mich das interessiert), in der physischen Hackordnung auch nur einen Zentimeter aufzusteigen. Vielmehr geht es da nur um Machtausübung, das war mir auch damals so halbwegs klar. Dass man diese Macht nur daran messen kann, über wen man Macht ausübt, darauf wären die Dumpfbacken nie gekommen, erst recht nicht, wenn man es ihnen erklärt hätte (das wäre nur als Angstdemonstration und mithin als Erfolg ausgelegt worden).

Dass das einen Nährboden für Hass auf alle anderen und (vermutlich wichtiger) auf sich selbst, und in weiterer Konsequenz auch eine der Grundlagen für einen späteren Amoklauf legt ist mir schon klar. Ich selbst hatte das Glück, dass ich mich auf andere Bereiche zurückziehen konnte, wo ich eben besser war, und dass ich keine Probleme damit hatte, das auch selbst zu glauben - irgendwann sind dann die ganzen Vollhirnis von früher angetanzt gekommen und haben gefragt, ob ich ihnen nicht in Mathe helfen könnte (und ich habe das übrigens auch getan, war für mich viel mehr Genugtuung, als da dann einfach nein zu sagen).

duffeldoffel

Zitat von: TheBeast am Do, 12. Mär. ’09, 13:07
Jedenfalls bin ich mir auch recht sicher, dass es sich nicht um die von Duke angesprochenen Rangkämpfe im herkömmlichen Sinn handelt. Wenn es nämlich Rangkämpfe wären, dann impliziert das ja, dass es tatsächlich um das Erringen eines bestimmten Ranges geht. Die stehen aber doch fest - niemals hätte ich eine Chance gehabt (hätte mich das interessiert), in der physischen Hackordnung auch nur einen Zentimeter aufzusteigen. Vielmehr geht es da nur um Machtausübung, das war mir auch damals so halbwegs klar. Dass man diese Macht nur daran messen kann, über wen man Macht ausübt, darauf wären die Dumpfbacken nie gekommen, erst recht nicht, wenn man es ihnen erklärt hätte (das wäre nur als Angstdemonstration und mithin als Erfolg ausgelegt worden).
Das kann ich nur unterschreiben...

Was ich gar nicht erwähnt habe: Einer kam sogar mal zu mir und wollte, dass ich ihm Geld gebe, dann würde er aufhören, mich zu piesaken. Da habe ich mich nicht drauf eingelassen, obwohl ich jeden Tag 'ne Mark oder so für Brötchen und Kakao dabei hatte. Zumal ich unmöglich alle Rumschubser hätte bezahlen können...

Duke

Du warst das schwächste Glied in der Kette, und das wird immer ausgenutzt, egal ob man die Klasse wechselt oder nicht. Und auch die andere Klasse hatte ihr schwächstes Glied. Die gab es, denke ich, in allen Klassen. Die Auswüchse, die Du beschreibst, sind natürlich enorm, keine Frage. Dass die Schulleitung/Lehrer nichts mitbekommen haben, ist bedenklich.

Das es bei Dir aufhörte, als Du Dich körperlich verändert hast, zeigt ja, dass Du dann innerhalb der Gemeinschaft/Klasse akzeptiert wurdest.
Rattay is the only quarterback in NFL history to throw 3 consecutive passes all going for touchdowns (2007)

duffeldoffel

#49
Zitat von: Duke am Do, 12. Mär. ’09, 13:17
Du warst das schwächste Glied in der Kette, und das wird immer ausgenutzt, egal ob man die Klasse wechselt oder nicht. Und auch die andere Klasse hatte ihr schwächstes Glied. Die gab es, denke ich, in allen Klassen. Die Auswüchse, die Du beschreibst, sind natürlich enorm, keine Frage. Dass die Schulleitung/Lehrer nichts mitbekommen haben, ist bedenklich.
Und eben diese Auswüchse können katastrophale Folgen haben, wenn es nicht aufhört, bevor der allerletzte, dann vielleicht noch so kleine Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt...

Das rechtfertigt natürlich nichts, aber ich finde, es erklärt einiges. Und darum geht es mir, weil nach solchen Ereignissen immer wieder Passanten befragt werden, die dann fassungslos stammeln, sie könnten das alles nicht verstehen.

Ich aber kann es verstehen - natürlich nicht billigen, aber sehr wohl verstehen.

Und es müsste die "Machthaber" der Schulklassen eigentlich zum Nachdenken bringen.

Wird es aber nicht, da bin ich mir sicher, jedenfalls nicht von alleine. Weil diese "Machthaber" eben so unreif sind wie deren Opfer, die dann losschlagen.

Pflicht-AGs zum Thema Mobbing und Gewalt an Schulen müssen kommen. Vielleicht mit Rollenspielen, in denen die Rollen vertauscht werden - keine Ahnung, bin kein Psychologe...

duffeldoffel

Zitat von: Niner am Do, 12. Mär. ’09, 13:04
Zitat von: Duke am Do, 12. Mär. ’09, 12:29
Zitat von: stig49 am Do, 12. Mär. ’09, 12:01wo Unfreiheit das Tagesprinzip war und Frust und Perspektivlosigkeit allgegenwärtig.
P.S. Wenn Du jetzt fragt, kennt der die DDR überhaupt? Ich denke, ich kenne sie.
Offenbar hast Du die DDR anders in Erinnerung als ich. ;) In meinem Umfeld hatte keiner Frust, von einer allgemeinen  Perspektivlosigkeit habe ich auch nichts gemerkt. Aber das sprengt jetzt hier den Rahmen und das Thema des Threads. 

Absolute Zustimmung, Duke
Ich war nicht in der DDR, kann also eigentlich nicht mitreden. Was ich weiß (oder zu wissen glaube), habe ich aus diversen Dokus, die ich in den letzten Wochen gesehen habe (Es gibt ein gutes Board, wo man viele Dokus saugen kann.)

Aber ist es nicht denkbar, dass diejenigen, die frustriert waren, dies lieber nicht offen zeigen wollten?

Aber damit weichen wir jetzt wahrscheinlich vom Thema ab...

Zacharry

ich bin nun auch in der DDR groß geworden und kann mich an aktionen von mitschülern, die über eine mehr oder weniger harmlose prügelei hinaus gegangen sind, nicht erinnern. man wurde einfach zu einem gerechten und verantwortungsbewußten mitbürger erzogen, oder besser von klein auf darauf zu manipuliert. gewalttaten gegen andere waren weder in meinem umfeld, noch im umfeld meiner freunde und bekannten erlebt worden. ich denke das war in der BRD nicht anders. ausnahmen bilden da erscheinungen wie die RAF, wo teilweise studierte menschen dem system und deren drahtzieher den krieg erklärt haben. interessant finde ich, das die heutige jugend über systemfragen und ihrem stand und ihrer zukunft in der gesellschaft oder irgendeine form von rebellion deutlich weniger nachdenken als das früher der fall war. hier werden in den jungen generationen "konsummonster" und "egomanen" herangezüchtet, welche fassettenreichtum und individualität als befremdlich und beängstigend empfingen, meist sogar als lächerlich oder provozierend. ich arbeite mit vielen jungen menschen zusammen, aus allen schichten und gruppen. und ich kann nur sagen, das es mir um die zukunft, schon die nächsten 20 jahre, angst und bange wird. da geht es nur noch darum, wer das beste und geilste hat, egal in welcher form. es gibt da sicherlich jede menge ausnahmen, aber im grunde sehe ich unsere jugend zu 70% als verloren an. da machen sich nur noch die allerwenigsten über die großen zusammenhänge gedanken. es wird alles so hingenommen, wie es eben ist, man muss nur das beste für sich draus machen, mit allen konsequenzen.

und genau hier setzt das grundsätzlich problem auch an. es geht nicht um waffen oder um computerspiele. es geht um eine generation von jungen menschen, die an nicht viel glauben, keinen weg in der gesellschaft suchen und finden und vor allem ohne viele zwänge und hilfen aufwächst. es sind die ersten anzeichen einer anarchie und jeder, der sich gruppen von jugendlichen auf der straße oder wo auch immer ansieht, kann diese zeichen deutlich erkennen. not und elend, ziele und pläne spielen keine rolle mehr. jeder steht für sich allein und der stärkere gewinnt, egal ob in körperlicher form oder nicht. am ende bleiben für einige eben nur noch radikale wege übrig, um aus diesen strukturen auszubrechen oder damit abzuschließen.

zach

bartman98

Das ist hier kein Problem von Ost-West, sondern ein Problem der Gesellschaft wie wir sie z.Zt. haben, das hat sich so erst nach der Wende, speziell in den letzten 10 Jahren entwickelt. Zacharry hat das schon gut zusammengefasst, jeder für sich, und alle halten sich für Superstars die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Grenzen werden nicht mehr von den Eltern gesetzt, die heutige "Jugendkultur" macht ihre eigenen Gesetze, basierend auf dem "Recht" des Stärkeren. Speziell in Großstädten wie Berlin sehr gut zu beobachten.

duffeldoffel


Duke

Rattay is the only quarterback in NFL history to throw 3 consecutive passes all going for touchdowns (2007)

The Leprechaun

Zitat von: duffeldoffel am Do, 12. Mär. ’09, 17:07
Wie BILD den Amok-Lauf in Szene setzt

Schweinebande...

Was erwartest Du von einer "Vorschlaghammer Zeitung"?

Spätestens in zwei Wochen ist eh alles vergessen, bis in ein paar Monaten, ein paar Jahren der Nächste zuschlägt.
Geredet wurde/wird mal wieder viel, die Schuldigen wie zb. Actionspiele, Filme etc. sind auch schon ausgemacht. Also wird sich nichts ändern und es wird wieder zur Tagesordnung übergegangen.

Auf gut Deutsch: "Im Westen nichts Neues" :-\
NFL:       49ers
1.BL:      1. FC Köln
P. League: Everton FC 
College:   ND Fighting Irish
MLB:       Cleveland Indians
NHL:       Anaheim Ducks



NIL SATIS NISI OPTIMUM

Daddy

Zitat von: bartman98 am Do, 12. Mär. ’09, 16:02
Das ist hier kein Problem von Ost-West, sondern ein Problem der Gesellschaft wie wir sie z.Zt. haben, das hat sich so erst nach der Wende, speziell in den letzten 10 Jahren entwickelt. Zacharry hat das schon gut zusammengefasst, jeder für sich, und alle halten sich für Superstars die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Grenzen werden nicht mehr von den Eltern gesetzt, die heutige "Jugendkultur" macht ihre eigenen Gesetze, basierend auf dem "Recht" des Stärkeren. Speziell in Großstädten wie Berlin sehr gut zu beobachten.

Die Grenzen werden aber auch net von der Gesellschaft gesetzt. Explizit weder von der Politik noch von der ach so unabhängigen Justiz. Wenn man sieht das Kapitalverbrecher für Geld und auf Bewährung freigelassen werden aber Dein Nachbar wegen eines Strafzettel in den Knast geht,weiß man doch das hier gewaltig was stinkt.

Jurgen

Irgendwie hab ich doch den Eindruck das das Massacre von Columbine high school weitere Jugentliche (die sich das so voll reinziehen) total motiviert.

TheBeast

Ntürlich tut es das. Sag' mir die Namen der beiden Mörder von damals (ich bin zu faul um die jetzt nachzulesen), und ich kann Dir sagen, dass das die beiden Mörder von Littleton waren. Natürlich kennt man auch Ted Bundy, Charles Manson, Peter Kürten oder (zumindest als Österreicher) Elfriede Blauensteiner. Die eignen sich aber alle nicht als "Helden" für Jugendliche, ganz im Gegensatz zu Eric Harris und Dylan Klebold (hab' jetzt doch noch nachgelesen).

stig49

Zitat von: Boilermaker am Do, 12. Mär. ’09, 17:15
Zitat von: duffeldoffel am Do, 12. Mär. ’09, 17:07
Wie BILD den Amok-Lauf in Szene setzt

Schweinebande...

Was erwartest Du von einer "Vorschlaghammer Zeitung"?

Spätestens in zwei Wochen ist eh alles vergessen, bis in ein paar Monaten, ein paar Jahren der Nächste zuschlägt.
Geredet wurde/wird mal wieder viel, die Schuldigen wie zb. Actionspiele, Filme etc. sind auch schon ausgemacht. Also wird sich nichts ändern und es wird wieder zur Tagesordnung übergegangen.

Auf gut Deutsch: "Im Westen nichts Neues" :-\
Ich glaube aber auch, dass sich nicht wirklich was ändern lässt, jedenfalls nicht mit Vorschriften und Verboten. Das ist Augenwischerei, die machen Dinge schwerer, aber niemals unmöglich, wenns einer konsequent genug darauf anlegt. Da müssten die Menschen schon sprunghaft schlauer werden.
Wichtig ist, dass man den Menschen eine Perspektive gibt, das sie was zu gewinnen haben und was zu verlieren. Aber anfangen muss jeder bei sich selbst, finde ich.

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