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In-Depth: Hinter geschlossenen Türen: Interviewprozess eines NFL Head Coaches

Begonnen von Diabolo, So, 31. Jan. ’16, 15:26

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Diabolo

Bevor ein Head Coach vorgestellt wird muss dieser erst ein nervenaufreibendes Vorstellungsgespräch hinter sich bringen. Dies ist ein Einblick hinter die Kulissen, den Jenny Vrentas am 19.01.2016 auf mmqb.com veröffentlicht hat.

Fünf Teamverantwortliche sitzen an einem Konferenztisch und stellen sich kurz vor. Wer sind sie, was sind ihre Aufgaben. Dann geht es direkt ans Eingemachte.

"Wie würden Sie die Mentalität unseres Team ändern." fragt einer der Verantwortlichen.

So begann das Interview bei einem der Teams, das in dieser Offseason auf der Suche nach einem neuen Head Coach war. Jedes Interview ist anders, selbst bei dem gleichen Team. Das Ziel ist aber immer das gleiche: NFL-Verantwortliche versuchen innerhalb einiger Stunden heraus zu finden, ob die Person vor ihnen das Zeug dazu hat, ihr Football Team zu führen.

Es steckt mehr dahinter als nur das eine Treffen: Telefongespräche, Referenzen einholen, der Lebenslauf des Kandidaten. Das Interview kann aber über die Karriereziele eines Coaches entscheiden. Der Monday Morning Quarterback hat mit Personen von beiden Seiten gesprochen, um einen kleinen Blick hinter die geschlossenen Türen zu gewähren.

Das Interview kann überall stattfinden: In der Geschäftsstelle des Teams, in den New Yorker Büroräumen des Dolphinsbesitzers Stephen Ross, ein Hotel in New York, als die 49ers Verantwortlichen für Ligameetings in der Stadt waren oder ein Konferenzraum im Paul Brown Stadium der Bengals einen Tag, nachdem Hue Jacksons Team in der Wild-Card-Runde der Playoffs ausgeschieden ist. Die Teams fliegen die Kandidaten Erster Klasse ein und lassen sie mit einer Limousine in das Fünf Sterne Hotel bringen, in dem sie untergebracht werden. Die Interviews sind meistens für drei Stunden angesetzt, dauern aber in der Regel länger - vier, fünf oder sogar sechs Stunden, wenn die Chemie stimmt. Ein kleiner Tipp, falls von euch einmal jemand zu einem NFL Head Coaching Interview eingeladen wird: vorher essen, fürs Mittagessen wird keine Pause eingelegt. In den letzten Jahren haben sich die Interviews geändert. Während die Coaches früher eine Präsentation hielten wollen die Teams heute die Kontrolle haben und führen durch das Interview.

Neben der Frage nach der Mentalität eröffnete ein Team das Interview auch mit der Frage "Warum glauben Sie, dass Sie der Head Coach der [Teamnamen einfügen] sein sollten?". Einem der Kandidaten hat man als erstes die Frage "Haben wir eine Chance, in [Stadt einfügen] zu gewinnen?" gestellt.

Die Teambesitzer müssen den neuen Head Coach den Spielern, den Medien und den Fans verkaufen, aber vorher muss der neue Head Coach sich selbst verkaufen: was ist seine Vision, um das Team in die Erfolgsspur zu bringen und wie will er diese Vision umsetzen? Die Agenten raten ihren Klienten hier nicht zu spekulieren; die Teams wollen Details wissen. Charley Casserly, ehemaliger General Manager der Washington Redskins und Houston Texans und aktuell im "Career Development Advisory Panel" der NFL tätig, bricht den Interview-Prozess auf eine Frage runter: "Wie werden Sie ein Spiel gewinnen?"

Hier ein Beispiel was gemeint ist: Ein Kandidat, der sagt, dass die Vision für seine Offense die ist, die der Offensive Coordinator hat, ist nicht bereit ein NFL Head Coach zu sein. Auf der anderen Seite ist ein Offensive Coordinator, der im Head Coaching Interview angibt, die Plays selbst erstellen zu wollen, ebenfalls noch nicht bereit, das gesamte Team zu führen.

Der größte Teil in den meisten Interviews wird damit zugebracht, über das Personal zu sprechen, das der Kandidat mitbringen will. Das Personalkarussell ist während der Interviews am rotieren, daher müssen die Kandidaten für jede Trainerposition, von Coordinator bis Positionscoach, eine Liste mit drei bis vier Coaches haben, die sie verpflichten wollen würden. Die Head Coaching Kandidaten müssen dabei darauf vorbereitet sein, ihre Auswahl zu verteidigen, wenn das Team nicht gleicher Meinung ist. Ein Owner lehnte zum Beispiel die Dritte Wahl für einen den Koordinatorenpätze im ersten Interview ab.

"Die Personalwahl ist der wichtigste Punkt im Interview, da sie Urteilsvermögen zeigt", sagt Casserly, der letztes Jahr die Jets bei ihrer Suche nach einem neuen General Manager und einem neuen Head Coach unterstützte. "Alles andere kann auswendig gelernt sein, aber wie das Coachingpersonal aussehen soll zeigt Urteilsvermögen. Wenn der Kandidat seine Assisten falsch auswählt wird er nicht verpflichtet".

Ebenfalls einen großen Teil der Zeit nimmt die Frage nach dem Spielerpersonal ein, wobei Entlassungen hierbei aussen vor sind - darüber entscheidet ohnehin der General Manager. Was dagegen im Raum steht ist, wie der Kandidat mit den Spielern, die er übernehmen muss, erfolgeich sein will. Adam Gase hat die Miami Dolphins mit seiner Philosophie überzeugt, dass das Coaching nicht bei jedem Quarterback gleich sein kann. Untermauert wurde dies durch seine Erfahrung damit, verschiedene Systeme und Stile so einzubinden, dass sie optimal zu seinen Quarterbacks - mit Tim Tebow, Peyton Manning und Jay Cutler deutlich verschiedene Spielertypen - passten.

Welche Puzzlestücke fehlen noch? Casserly erinnert sich, dass Joe Gibbs den Redskins sagte, dass er 1000 Yard Receiver bekommen kann, unbedingt aber einen starken Running Back und eine Offensive Line brauche. Andy Reid gab in Philadelphia an, dass er zwei Offensive Tackles, einen Quarterback, zwei Pass Rusher, zwei Cornerbacks brauche und den Rest dann zum laufen bringt.

Coaches, die Interviews führen, während ihr aktuelles Team noch in den Playoffs ist, haben einen Nachteil, da sie nicht die Zeit haben, um sich stundenlang Filmmaterial der Teams anzusehen, bei denen sie zum Interview eingeladen sind. Die Agenten helfen ihren Klienten hier, indem sie sie mit Informationen versorgen. Ein Agent verbrachte Stunden damit, Spieler der Teams anzurufen, bei denen sein Klient Interviewtermine hatte und informierte sich was falsch lief, wer die Problemfälle in der Kabine sind, wie oft der Besitzer vor Ort ist und so weiter.

Ein Teamverantwortlicher gab an, dass er bei Coaches, die noch in den Playoffs sind, prüft, wie gut diese Talent einschätzen können indem er Dinge abfragt, die der Coach wissen kann: Spieler des aktuellen Teams des Coaches, der Divisionsrivalen oder auch von College Spielern, die in der kommenden Draft verfügbar sein werden. Er erinnert sich, dass ein Kandidat in einem früheren Interview ausgeschieden ist, da seine Einschätzungen zu Spielern komplett daneben lagen. Der Kandidat gab bei einem Spieler, der zwar eine gute Zeit im 40-Yard-Dash hatte aber auf dem Feld langsam spielte an, dass dieser ein schneller Spieler sei. Er lobte bei einem anderen Spieler dessen Instinkte, während alle Experten vor allem das Fehlen der Instinkte als größte Schwäche ansahen. Das Auge für Talente kann man nicht lernen. Der Teamverantwortliche gab an, dass er nach sieben falschen Antworten aufgehört habe zu zählen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, die Fähigkeit des potentiellen Head Coaches zu beurteilen, einen Roster mit 53 Männern zu führen. Die Auswahl ist nie eine sichere Sache, denn die Kandidaten sind meistens ehemalige Head Coaches, die beim vorherigen Job nicht überzeugen konnten, ein College Head Coach, der noch nie ein NFL Team angeführt hat oder ein Assistenztrainer, der seinen größten Karrieresprung machen will.

Um die Spekulation zu minimieren haben mindestens zwei Teams in den letzten Jahren Psychologen mit an Bord geholt. Ein Team hat die Kandidaten einer dreistündigen Beurteilung durch einen Psychologen unterzogen - diese war zwar nicht verpflichtend, doch alle Kandidaten haben sie über sich ergehen lassen. Ein anderes Team hat ein psychologisches Profil erstellen lassen um herauszufinden, wie gut der Head Coach und der General Manager miteinander auskommen würden.

Das ist natürlich nur ein Anhaltspunkt. Ein wichtiger Punkt beim Interview ist, wie der potientielle Coach das Team bei guten oder schlechten Ergebnissen führen würde. Ein Verntwortlicher fasst es so zusammen: "Wie verhalten sich die Kandidaten am Montag nach ihrer dritten Niederlage in Folge?".

Hier sind einige Fragen, die den Kandidaten dieses Jahr gestellt wurden:

"Wie wird ihr erstes Treffen mit den Spielern aussehen?"

"Wie dringen sie zu jungen Spielern durch und halten ihre Herangehensweise frisch?"

"Denken Sie, dass Coaches oder Scouts das letzte Wort bei Spielerbewertungen haben sollten?"

"Wie reagieren Sie, wenn ein Starspieler nicht zum Offseason Workout erscheint und wie beeinflusst das das Team?"

"Wann waren Sie als Coach in einer schlechten Situation und wie haben Sie reagiert?"

Auf die Frage nach der schlechten Situation gab ein Kandidat an, dass sein Team einen Spieler ertradet hat, der so große Probleme mit dem Lernen hatte, dass es seine Leistung negativ beeinflusste. Der Coach gab an, dass er sich für $600 pro Stunde mit einem Sportpsychologen getroffen hat um zu lernen, langsamen Lernern etwas besser beizubringen. Der Spieler hatte mit dem neuen Coach die beste Saison seiner Karriere. Tage später hatten die Verantwortlichen des Teams diese Antwort noch im Kopf, obwohl sie zwischendurch bereits weitere Interviews geführt hatten.

Manmal können es die kleinsten Details sein, die das meiste sagen: Casserly erinnert sich, dass Todd Bowles dadurch beeindruckte, dass er bei seinem Interview mit den Jets den Ton angab und während des gesamten Interviews nicht ein einziges mal in seine Notizen schaute.

Interviews sind keine Einbahnstraßen. Kandidaten, die von den Browns interviewed wurden, mussten zum Beispiel Fragen stellen, wie die neue Machtstruktur mit Sashi Brown (Vizepräsident der Football Abteilung) und Paul DePodesta (Chefstratege) funktionieren wird. Von einem Veteranen wie Tom Coughlin wird erwartet, dass er mit den Eagles auch darüber redet, wieviel Einfluss ihm in der Organisation gewährt werden würde.

Bei der Frage, welche Interviews man annimmt, muss man auch die Situation beachten. Zwei Agenten gaben an, dass Sie gezögert hätten, einen Klienten zu einem Interview in Tampa zu schicken, da der Endruck da war, dass sich die Buccaneers bereits auf Dirk Koetter festgelegt hatten. Kandidaten die einer Minderheit angehören, müssen noch etwas weiteres bedenken: Sind sie ein ernsthafter Kandidat oder werden sie nur eingeladen, damit das Team die Rooney Rule erfüllt, nach der mindestens ein Kandidat interviewed werden muss, der einer Minderheit angehört? Weniger erfahrene Kandidaten sehen Interviews auch als Werbung für die Zunkunft oder als Möglichkeit sich für einen Job als Coordinator zu empfehlen, wenn es mit dem Hauptpreis nicht klappt.

Casserly rät Coaches dazu, jedes Interview gleich zu beenden: "Ich will den Job". Die meisten Kandidaten lassen den Teams noch ein Paket da, in dem sich Informationen zur Karriere der Coaches finden. In den "Broschüren" finden sich die Karrierestationen, andere Coaches, die sie beeinflusst haben, Statistiken und Spieler, die der Kandidat gecoached hat. Dazu noch der Plan, den der Kandidat für das Team hat inklusive spezifischen Trainingsabläufen, Zeitplänen für Auswärtsspiele und so weiter.

Adam Gase, der in den letzten zwei Offseasons Interviews bei neun Teams hatte, bevor er nun den Job als Head Coach der Miami Dolphins bekam, sagt, dass es das wichtigste für die potentiellen Head Coaches ist, dass sie einfach sie selbst sind und sich nicht verstellen. "Letztes mal war ich etwas nervös während der Interviews und wenn du nervös bist kannst du nicht du selbst sein. Dieses mal fühlte ich mich wohler und konnte genau wieergeben, wie ich zu bestimmten Sitautionen stehe. Meine Leidenschaft und Energie kam heraus, ich denke dieses Jahr haben die Teams gesehen, wer ich wirklich bin."

Quelle: Jenny Vrentas, mmqb.com
BREAKING NEWS: In Schenefeld fällt gerade eine Schaufel um.

MoRe99

Auch hier nochmal ein riesen Dankeschön fürs Übersetzen dieses langen Artikels!  :thumbup:  Ist ein interessanter Einblick in eine Materie, von der man sonst keine Innenansichten mitbekommt.

Klaus

Sehr interessant und spannend mal zu lesen, wie diese Interviews verlaufen können. Großartig und vielen Dank Diabolo, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen doch sehr langen Bericht für uns zu übersetzen 👍👍👍👏👏👏!

karpfi


MaybeDavis

Jo, danke für den dicken Brocken...

Jetzt kann ich mir aber umso weniger einen Tomsula in so einem Interview vorstellen...
NFL Teams live: 49ers (2x London / 1x Indianapolis), Patriots, Buccaneers (2x), Dolphins, Giants, Jaguars, Broncos, Bears,  Colts,

"Can you SMEEEELLLL what the Niners are cookin'" George Kittle

Reiner

wow..Wahnsinn was da so hinter verschlossenen Türen abgeht

da ist dann aber die Frage: warum hat es dann in den letzten Jahre nicht geklappt
RW

Klaus

Zitat von: MaybeDavis am So, 31. Jan. ’16, 17:50
Jo, danke für den dicken Brocken...

Jetzt kann ich mir aber umso weniger einen Tomsula in so einem Interview vorstellen...

Ging mir beim Lesen auch so!!!!

jetto

Danke auch von mir fürs übersetzen. Hatte den artikel im original gelesen und finde ich sehr interessant....

wizard49er

Genialer Artikel
Da bekommt man wieder einmal einen Einblick über Geschehnisse die man sonst nur zum Teil aus eigenen Bewerbungsgesprächen kennt.
Danke für das Übersetzen.
1 x Dynasty League Champion - 3 x Vize Champion
2 x Keeper League Champion - 2 x Vize Champion - 1 x Bronze
4 x Casual Keeper League Champion - 1 x Bronze
1 x Fantasy League 1 Champion - 1 x Vize Champion
2 x Fantasy League 2 Champion
1 x Fantasy League 3 Champion

stig49

Zitat von: jetto am So, 31. Jan. ’16, 18:18
Danke auch von mir fürs übersetzen. Hatte den artikel im original gelesen und finde ich sehr interessant....
A
Ebenfalls danke!

sf49er

Baalkes erste Frage an Chip Kelly: "Wirst Du mich nach dieser Saison aus dem Amt drängen und die alleinige Kontrolle über Spielerverpflichtungen haben"? ;)

Danke für diesen interessanten Einblick!!

stevey


TheBeast

Finde auch. Sehr interessant. Danke für die viele Arbeit.

goldbüchi

Danke schön für diesen tollen Bericht. Sehr interessant. Kann man den nicht mit beim Football 1X1 mit reinstellen??

Moriarty

Zitat von: MaybeDavis am So, 31. Jan. ’16, 17:50
Jo, danke für den dicken Brocken...

Jetzt kann ich mir aber umso weniger einen Tomsula in so einem Interview vorstellen...

Dito ;)! Den wollte wohl nur York um jeden Preis.

Merci, solche internen Eindrücke sind spitze, könnte ich ganze Bücher darüber verschlingen und dann noch so wunderbar übersetzt  :)!

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