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In-Depth: Offensive Play of the Week: Der (beinahe) Touchdown auf Crabtree

Begonnen von owl49er, Fr, 7. Nov. ’14, 09:56

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owl49er

Nach Möglichkeit wöchentlich präsentieren wir Euch in der Webradio-Sendung (Donnerstags um 21 Uhr) ausgesuchte Spielzüge und analysieren, was gut und weniger gut war. Es folgt ein Offensive Play aus der Sendung vom 6. November 2014.

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Ich habe einen der der guten Spielzüge an diesem Tag herausgesucht: den meiner Meinung nach nicht gegebene Touchdown-Pass auf Michael Crabtree.  Die Niners haben hier versucht, den Druck von Colin Kaepernick zu nehmen und mit mehr Protection gearbeitet. Damit ist ein Stück weit die Philosophie aus der West-Coast-Offense übernommen, mit dem Unterschied, dass Kaepernick hier aus der Shotgun agiert.

Mit Joe Montana hätte man das Ding genauso spielen können, allerdings hätte der Quarterback da ,,under Center" agiert (also direkt hinter dem Center den Ball übergeben bekommen). Man könnte vielleicht auch generell darüber diskutieren, ob die Niners nicht weniger aus der Shotgun operieren sollten. Dies hätte eigentlich einen positiven Effekt auf das Laufspiel.

Bild 1


Wir sehen hier in Bild 1, eine ganz normale Aufstellung mit drei Wide Receivern und einem Running Back. Dieser ist Carlos Hyde, den wir zuletzt häufiger in Goal-Line-Situationen gesetzt haben, und der auch eine gute Pass-Protection spielt. Als Wide Receiver sehen wir die Top 3: Michael Crabtree, Anquan Boldin und Stevie Johnson. Dazu kommt Vernon Davis in der Offset Tight End Formation (er steht also nicht direkt als sechster Mann an der Linie).

Bild 2


Der Spielzug beginnt dann in Bild 2. Die 49ers agieren hier aus einer Tight-Formation auf der rechten Seite. Wenn zwei Wide Receiver beim Snap so dicht beieinander stehen, spricht man von einer Tight-Twins.  In letzter Zeit eigentlich oft ein Zeichen, dass hier ein Pick Play kommt: Boldin geht nach rechts und nimmt den Cornerback vor ihm mit und Crabtree kreuzt dann diagonal hinter ihm in den freien Raum mit einem Quick Slant. An der Verteidigungsformation erkennt man gleich ganz gut, dass damit auch die Rams gerechnet haben könnten. Auf der linken Seite steht Stevie Johnson in einer 1:1-Situation.

Bild 3


In Bild 3 sind die Routen zu sehen: Johnson macht einen ultrakurzen Quick Slant – er täuscht ganz kurz nach links außen an und zieht dann diagonal in die Mitte. Es findet kein Pick Play statt, sondern Boldin zieht seinen Cornerback nach hinten und drückt ihn dabei in Richtung des anderen Receivers und läuft dann eine kurze Hook-Route, bei der sich der Receiver nach wenigen Schritten schnell in Richtung Quarterback dreht. Crabtree läuft hingegen eine Quick-Out-Route, wobei er sich nach wenigen Schritten in Richtung Außenlinie orientieren wird.

Bild 4


Die Protection der 49ers ist in Bild 4 eingezeichnet: man sieht hier zwei Spieler, die den Quarterback schützen: Hyde nach links und Davis nach rechts. Die Wide Receiver werden eins zu eins gedeckt und der Safety sowie der linke Outside Linebacker spielen ein klares Contain: um einen möglichen Lauf von Kaepernick über rechts zu unterbinden und sie stehen gleichzeitig in der Route für den Quick Slant, falls das häufiger von den 49ers angewendete Pick Play kommen sollte.

Man könnte hier vermuten, dass sich beide den Film des anderen angeschaut haben. Die Rams wollten das Pick Play wegnehmen und die 49ers haben eine Verteidigungshaltung der Rams gesehen, die genau dieses wahrscheinlich nicht ermöglicht und sich daher für diese Out-Route entschieden [wenn die Rams die Mitte decken, sollte woanders Platz sein].

Bild 5


Bild 6


In Bild 6 entwickelt sich dann der Spielzug: diesmal kein Missdirection (der Quarterback täuscht einen Spielzug auf einer Seite an und orientiert sich dann entgegengesetzt). Stattdessen läuft Kaepernick geplant sofort nach rechts – dies ist im Nachhinein schade, da Stevie Johnson seinen Verteidiger austrickst und somit für den Slant frei gewesen wäre.

Dies ist aber überhaupt keine Kritik an Kaepernick, da er bei dieser geplanten Aktion, dies nicht mehr sehen konnte (Johnson befand sich ja in seinem Rücken). Dieser Spielzug ist genau dafür designt, was hier passiert: die abwartende Verteidigung der Rams zu provozieren, um im Backfield nicht zu sehr unter Druck zu geraten und dann genug Ruhe für den Wurf auf Crabtree zu haben.

Bild 7


Das alle Receiver frei waren, zeigt Bild 7. Johnson ist links völlig frei, Boldin wäre auch frei (dort sind aber zwei Spieler Kapernick im Sichtfeld) und Crabtree selber ist jetzt schon an der Goalline frei. Kaepernick schaut ihn auch an, es spricht hier schon nichts gegen den Pass auf ihn.

Bild 8


Einen kurzen Moment später habe ich den Film noch einmal angehalten. In Bild 8 sieht man mehrere Dinge. Zum einen das Pass-Blocking auf der linken Seite, wo sich die beiden Interior Linemen um einen kümmern und Carlos Hyde außen gegen zwei steht. Dies war sicher nicht so beabsichtigt; man sieht es aber leider häufiger bei den 49ers. Die Abstimmung zwischen Linie und Running Back funktioniert nicht immer 100%ig. Rot eingezeichnet seht ihr den Zielbereich für den Pass von Kaepernick auf Crabtree. Diese Zone ist relativ groß.

Bild 9


Bild 9 zeigt noch mal deutlich, dass die Rams auf den verstärkten Pass Rush über links verzichten, sondern nur den Lauf von Kaepernick verhindern wollen. Dieser hätte daher auch keine Chance gehabt, selbst mit dem Ball zu laufen. Crabtree hat sich abgesetzt und ist sehr frei und Kaepernick befindet sich im Wurf. Jetzt sieht man, dass der Release bei ihm relativ langsam ist. Aaron Rodgers zum Beispiel wäre den Ball jetzt schon los geworden. Dies dauert bei unserem Quarterback länger – ich vermute es ist physisch bedingt durch seine recht langen Arme.

Bild 10


Bild 10 zeigt leider auch, dass er den Ball völlig deplatziert. Crabtree ist hier schon auf dem Weg nach unten, da er den Ball vor die Füße geworfen bekommt. Dies ist eigentlich ein Brot-und-Butter-Play der West Coast Offense, mit dem Joe Montana berühmt geworden ist. Dies sind Pässe, die er in der letzten Saison – vor allem auf Boldin sehr gut geworfen hat – in diesem Spiel aber leider mehrfach zu tief. Dies ist sehr ärgerlich, weil Crabtree völlig frei ist.

Nun müssen sich die Coaches fragen, ob es nach dem Spielverlauf das richtige Play war. Von der Strategie her zweifellos, aber Kaepernick hatte an diesem Tag diese Art Würfe nicht gut drauf. In neun von zehn anderen Spielen hätte es sicherlich funktioniert. Ich hatte beim Zuschauen, eigentlich die Arme schon hoch zum Touchdown. Normalerweise wird es auch von Kaepernick mit schlafwandlerischer Sicherheit veredelt.

Dies sind Pässe, die er so häufig gut geworfen hat – in diesem Spiel aber mehrfach völlig falsch.

Bild 11


Eigentlich hätte ich schon vor dem vierten Versuch mit einem Sneak gerechnet. Aber an einem Tag, in dem die Offensive Line nicht gut spielte, ist dies sicherlich eine bessere Spielauswahl gewesen.

Anschließend wurde noch die interessante Frage diskutiert, ob es für den Quarterback möglich sei, vor dem Spielzug zu sehen, dass Stevie Johnson 1:1 steht und dessen Chancen auszuloten bzw. ob man zu Beginn des Plays noch einen kurzen Blick nach links werfen könnte, um zu schauen was dort passiert und sich gegebenenfalls umzuorientieren?

Martin (frontmode) beantwortete dies folgendermaßen: Wenn es ein durchgestyltes WCO-Play ist, kann ich mich im Spielzug nicht mehr umorientieren, weil alles aufeinander abgestimmt ist. Der Quarterback geht dann nach rechts und hat keine Zeit mehr, sich umzudrehen. Dies zeigt Bild 5: er geht sofort nach rechts, eigentlich hätte es ja auch geklappt und daher gibt es keinen Grund für eine andere Option.

Wenn man sich auf Bild 3 den Pre-Snap-Read anschaut, könnte man es sehen. Allerdings stellt sich die Frage, welche Entscheidung man fällt. Was ist für einen das bessere Play?

Es erscheint so, dass das Play über rechts sicherer ist, weil von der Aufstellung nichts dagegen spricht, dass der Spielzug über rechts erfolgsversprechend ist. Der Pass ist zwar schwieriger als der auf Johnson, aber über links wäre die Möglichkeit gewesen, dass Johnson von seinem Cornerback an der Route gehindert wird und dann wäre der Spielzug dahin gewesen. Rechts sieht Kaepernick hingegen alles, worauf sich die Niners eingestellt haben.

Ich finde es richtig. Eigentlich war alles korrekt, nur der Wurf...


[Anmerkung: Der Dank gebührt Martin (frontmode) für die fundierte Analyse. Wenn in dem Artikel die Rede von ,,ich" ist, dann bezieht sich das natürlich auf ihn und nicht den Schreiberling.]
INEOS... guess who's just scored one unbelievable goal again :(

Sanfranolli

Das 1 gegen 1 von Johnson war von Anfang an bei der Aufstellung der D zu bevorzugen,  da Johnson direkt frei in der Endzone gewesen wäre. Bei der Entfernung eigentlich eine sichere Sache. Der Ball muss nur über die Lines kommen.
Auch wenn die Welt zusammenbricht, verlier nie das Lächeln in deinem Gesicht!

London 2010 und 2013 - Ich war dabei!!!

MoRe99

Zitat von: Sanfranolli am Fr,  7. Nov. ’14, 10:32
Das 1 gegen 1 von Johnson war von Anfang an bei der Aufstellung der D zu bevorzugen,  da Johnson direkt frei in der Endzone gewesen wäre. Bei der Entfernung eigentlich eine sichere Sache. Der Ball muss nur über die Lines kommen.

Hmmm, ich weiß nicht. Wenn einer der Rams, die auf der linke Offenseseite aufgestellt sind, zurück geht in die Zone ist das Ding durch. Hatten wir gestern ja auch diskutiert. Martin meinte, dass das Play ganz schnell auch kaputt ist, wenn Johnson sich nicht schnell vom CB lösen kann. Ein Wechsel auf das Play nach außen wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Von daher hat eigentlich alles super geklappt. Nur ganz am Schluss der Pass, der hat das Play kaputt gemacht. Alles andere war perfekt designt und ausgeführt.

Sanfranolli

Ist halt ne Ansichtssache. Wenn ich ein Play designe kennt jeder die jeweilige Laufroute. Hier muss nur genug Luft unter den Ball, dass er in das Loch Richtung Johnson kommt. Der ist kräftig und unter dem Corner, der automatisch erstmal reagieren muss und in der Regel nicht sofort nach vorne geht, was zusätzlich Raum schafft.
Ich als QB hätte diese Konstellation vorgezogen.
Die andere Seite hätte mglw. auch mehr Erfolg gesprochen, wenn Boldin und Crabtree getauscht hätten. So nah davor nehm ich den kräftigen WR, der zur Not auch noch das Yard alleine macht bzw. schwerer zu tacklen ist.

PS:
Donnerstags haben wir Training, da wird das nie was mit Live dabei sein, daher hab ich eure Diskussion noch nicht mitbekommen.
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zugschef

In jedem play gibt's einen first/primary read und das war crabtree. Crabs war frei, nur der pass ungenau. Hier jetzt auch noch zu kritisieren, dass die entscheidung falsch war, ist nicht zulaessig in meinen augen. Es reicht, wenn man herausstreicht, dass kaepernick den pass zu weit nach vorne gelegt hat.

Sanfranolli

Es ging mir ja auch nicht darum irgendwen zu kritisieren. Nur darum das Play zu überdenken.
Ich habe auch nicht gesagt das die Entscheidung von Kaep falsch war, sondern das ich als QB eine andere, in meinen Augen bessere, Option gewählt hätte, denn ich als QB entscheide anhand der Coverage wer mein first Read ist!

Wird mir das jetzt als Kaep-bashing ausgelegt? :-[
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zugschef

Nein, wird dir nicht. Ich behaupte aber, dass kaepernicks read offensichtlich nicht falsch war. Nur sein ungenauer pass hat den td verhindert. Wenn er den slant auf johnson gegen den lauf gefeuert haette, kaeme dann das argument, dass crabtree die bessere option gewesen waere? Crabtree war frei und der pass kein sonderlich schwieriger, so wie es ein fade in die ecke der endzone gewesen waere.

Sanfranolli

Zitat von: zugschef am Fr,  7. Nov. ’14, 12:32
Nein, wird dir nicht. Ich behaupte aber, dass kaepernicks read offensichtlich nicht falsch war. Nur sein ungenauer pass hat den td verhindert. Wenn er den slant auf johnson gegen den lauf gefeuert haette, kaeme dann das argument, dass crabtree die bessere option gewesen waere? Crabtree war frei und der pass kein sonderlich schwieriger, so wie es ein fade in die ecke der endzone gewesen waere.

Gut. :)

Wie du sagst der Wurf war absolut machbar.
Hätte er den Slant nicht vor Johnson gelegt, dann hätte man ihn steinigen müssen, denn wenn der Slant nach innen geht soll der Ball auch dahin kommen. Dann wären wir beim gleichen Ergebnis, richtige Entscheidung bei richtiger Ausführung.  ;)

Vielleicht fühlt sich Kaep halt mit dem Pass auf Crabtree wohler, weil er sich den eher zutraut. So wie ich den Pass auf Johnson bevorzugt hätte, weil ich mich persönlich stärker darin sehe dem WR den Ball in den Raum zu legen.

Es verdeutlicht aber vielleicht wirklich eins. Und zwar das Kaep weder falsche Entscheidungen trifft bzw. Roman das falsche Play called, sondern das man im Training nicht genug Routine in so ein Play bekommst.

Walsh hat immer wieder das gleiche trainieren lassen und genau deshalb war das Timing seiner WCO so gut.
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frontmode

Zitat von: Sanfranolli am Fr,  7. Nov. ’14, 10:32
Das 1 gegen 1 von Johnson war von Anfang an bei der Aufstellung der D zu bevorzugen,  da Johnson direkt frei in der Endzone gewesen wäre. Bei der Entfernung eigentlich eine sichere Sache. Der Ball muss nur über die Lines kommen.

Das würde ich so nicht unterschreiben. Zum einen muss sich Johnson sofort 1:1 gegen die Bump Coverage durchsetzen, weil ein zurück zur anderen Seite gibt es dann nicht, zum anderen ist der Slant in letzter Zeit keine gute Waffe für CK.

Ich bin mir recht sicher, dass die erste Option im Desing Crabtree ist und dies ist ein alter Bill Walsh WCO Pass. Er ist einfach und sicher und ein halbwegs anständiger Pass führt zum TD.
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Cordovan

Ich frag mir hier eher - warum sehe ich auf dem obigen GIF keinen Boldin??!
Erst wenn eine Mücke auf deinen Hoden landet, wirst du lernen Probleme ohne Gewalt zu lösen. - Konfuzius.

MoRe99

Zitat von: Cordovan am Fr,  7. Nov. ’14, 13:32
Ich frag mir hier eher - warum sehe ich auf dem obigen GIF keinen Boldin??!

Wenn das oben neben Crabtree nicht Boldin ist ... wer ist es dann?  ???

Cordovan

Zitat von: MoRe99 am Fr,  7. Nov. ’14, 13:34
Zitat von: Cordovan am Fr,  7. Nov. ’14, 13:32
Ich frag mir hier eher - warum sehe ich auf dem obigen GIF keinen Boldin??!

Wenn das oben neben Crabtree nicht Boldin ist ... wer ist es dann?  ???
ECHT! :o  Dann brauch ich eine neue Brille...muss mir dass am Game-Pass nochmals reinziehen das Ding..
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frontmode

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Cordovan

Okay, keine Ahnung wieso ich den bis jetzt nicht gesehen hab. Brrrrrr. Sollte mehr schlafen. :-X
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