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In-Depth: Offensive Play of the Week: Die Ineffizienz nahe der Redzone

Begonnen von owl49er, Sa, 22. Nov. ’14, 00:21

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owl49er

Nach Möglichkeit wöchentlich präsentieren wir Euch in der Webradio-Sendung (Donnerstags um 21 Uhr) ausgesuchte Spielzüge und analysieren, was gut und weniger gut war. Es folgt ein Offensive Play aus der Sendung vom 20. November 2014.

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Am letzten Wochenende waren die Niners nahe und in der Redzone leider (wiederholt) nicht besonders effektiv. Daher hat sich Martin (frontmode) die jeweils drei vorangegangenen Downs vor den Field Goals von Phil Dawson angeschaut und uns vorgestellt. Es fiel auf, dass alle drei Serien mit einem Lauf begannen. Das sieht nicht nach ,,Zufall" aus – aber der Reihe nach...

Zunächst die letzten Downs vor dem Fieldgoal zum 3:7 aus Sicht der Niners.

Vorangegangen waren acht Spielzüge für 70 Yards von der eigenen 20-Yard-Linie; wobei die Heimmannschaft wegen Defensive Pass Interference auch eine Strafe für 35 Yards kassierte. Es beginnt mit einem ersten Versuch an der 10-Yard-Linie der Giants (Bild 1):

Bild 1
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Die Niners versuchen es hier mit einer Zone-Read-Option. Bei diesem Spielzug hat der Quarterback die Wahl (englisch ,,Option") entweder den Ball an seinen Running Back zu übergeben oder selbst zu laufen. Klassischerweise behält er dabei den Defensive End oder Outside Linebacker im Auge und läuft selbst, wenn sich dieser in die Mitte – und damit in Richtung Running Back bewegt. Es gibt viele Varianten der Option, diese erhielt den Namen vom Blocking der Offensive Line, die unabhängig vom Personal auf der Gegenseite in eine Zone blockt.

Hier hat Colin Kaepernick die Option nach links zu gehen. Den rechten Defensive End der Giants muss er dabei im Auge behalten. Dieser wird entweder nach Innen Richtung Carlos Hyde oder nach außen gehen (blaue Pfeile). Gelb habe ich den Linebacker markiert, der das sog. Containment im Raum halten wird. Er wird also dafür zuständig sein, dass Kaepernick nicht durchbricht.

Bild 2
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Die Niners versuchen die Defense mit drei Wide Receivern zu attackieren. Wobei Stevie Johnson von rechts hinter der Linie in Motion geht, um dann den Linebacker zu übernehmen und den Weg für Kaepernick frei zu blocken. Vielleicht nicht die einfachste Aufgabe für den recht hochgewachsenen Johnson. Diese Strategie ist in Bild 2 dargestellt.

Bild 3
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Bild 4
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Die Bilder 3 und 4 zeigen noch einmal das Containment des Right Ends, der sich in Bild 4 extrem nach außen orientiert. Dies haben die Giants das gesamte Spiel über sehr häufig praktiziert und dabei sich so positioniert, dass die betreffenden Spieler von der Linie der Niners nicht so leicht aus dem Weg zu blocken waren (offensichtlich hatte man hier aus der Vorwoche gelernt, als Russel Wilson mehr als 100 Yards gegen die G-Men erzielte).

Bild 5
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In Bild 5 ist Stevie Johnson mittlerweile aus der Motion links angekommen und der Spielzug beginnt. Meiner Meinung nach begeht Colin Kaepernick hier den Fehler, den Ball zu behalten. Wenn man auf den Defensive End achtet (Kreis) sieht man, dass er eben nicht nach Innen geht und auch von Left Tackle Joe Staley nach außen Weg geblockt wird. Eigentlich sollte jetzt der Running Back den Ball bekommen. Man sieht hier auch eine Lücke aufgehen – im Nachhinein kann man nicht sagen, wie weit Hyde gekommen wäre. Nur sieben Yards Raumverlust – wie am Ende dieses Spielzugs – hätte es nicht gegeben.

Es kann natürlich auch sein, dass Kaepernick sich hier nicht verlesen hat, sondern die Ansage hatte, nach Möglichkeit selbst zu gehen. Ihm passiert das nicht oft, normalerweise liest er die Option sehr gut.

Bild 6
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Bild 6 zeigt dann, dass unser QB eigentlich keine Chance hat: er läuft gegen zwei Defender, den End und den Linebacker. Er hat quasi keine Chance – zumal Johnson auch am Linebacker vorbeigelaufen ist (wie Bild 7 und 8 zeigen).

Bild 7
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Bild 8
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Grundsätzlich erweckte das Playcalling am Sonntag den Eindruck, dass man versuchte, den Erfolg der Seahawks mit dem Laufspiel zu kopieren. Die 49ers agierten viel aus der Pistol- oder Shotgun-Formation, auf der anderen Seite aber wieder nicht konsequent genug, um solche Versuche vorzubereiten. Die Strategie der Giants sah sehr danach aus mit acht Mann in der Box sich weder von Frank Gore noch von Kaepernick im Lauf schlagen zu lassen. Vielleicht wären mehr Powerläufe durch Gore hilfreich gewesen.

Im nächsten Versuch sehen sich die Niners nun also mit einem 2. & 17 konfrontiert. In diesem und im folgenden Spielzug werden sie leider nicht die Endzone attackieren.

Bild 1
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Bild 1 zeigt die Aufstellung vor der Ballübergabe. Man versucht es hier mit einem Misdirection über Hyde. Dies bedeutet, dass der Running Back zuerst den Lauf in eine Richtung beginnt und dann nach einem schnellen Richtungswechsel den Erfolg über die andere Seite sucht. Hier startet Hyde nach links und versucht es letztlich über rechts. Die Giants schienen aber hierauf extrem gut vorbereitet zu sein. Wir sehen anhand der Aufstellung der Verteidigung, dass sich mit Ausnahme des Containments (blauer Pfeil) schon vor dem Spielzug alle anderen auf unsere rechte Seite konzentrieren. Damit wären die Giants auch dagegen gewappnet, wenn unsere rechts aufgestellten Receiver hinter der Linie kreuzen würden.

Bild 2
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Mit Beginn des Spielzugs (Bild 2) hält der Outside Linebacker seine Rolle und orientiert sich nicht in Richtung Hyde – den er sowieso nicht erreichen könnte. Sollte allerdings Kaepernick den Ball behalten, wäre er zur Stelle. Man sieht hier schon, dass die Giants eine Verteidigungsreihe gegen den Lauf aufgebaut haben, die man nicht aus dem Weg blocken kann: sechs bis sieben Spieler erwarten den Ballträger.

Bild 3
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In Bild 3 versucht Hyde alles, läuft aber in die Wand und kommt nur vier Yards weit. Später auf einem anderen Bild sieht man sehr gut, dass die Giants hierauf einfach gut vorbereitet waren: ein Spieler hält die Stellung (Containment), die anderen konzentrieren sich auf die Lücken.

Was man mit diesem Spielzug erreichen wollte, ist schleierhaft. Mit vier bis fünf Yards Raumgewinn hat man immer noch zehn Yards vor der Brust und der Raum bis in die Endzone wird auch nicht mehr – was die Sache nicht erleichtert. In meinen Augen ist es grundsätzlich kein Vorteil, ob man es mit einem 3. & 10 oder im zweiten und dritten Versuch für 15 Yards versucht.

Mit dem dritten Versuch ,,müssen" die 49ers nun passen – doch auch hier wird die Endzone nicht stringent attackiert.

Bild 1
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Bild 1 zeigt die Routen, wobei nur zwei der vier Routen direkt in die Endzone gehen. Die anderen beiden verlaufen sich in der Mitteldistanz. Da letztlich der etwas schleierhafte Pass auf Anquan Boldin gesucht wurde, vermute ich, dass hier eine Out-and-Up-Route geplant war – Boldin also nach der Bewegung Richtung Seitenlinie anschließend Richtung Endzone laufen sollte (rote Route).

Mir persönlich sagt dieser Spielzug nicht zu. Ich meine, dass dies maximal eine Decoy-Route sein kann (um die Defense vom eigentlichen Geschehen wegzulocken) – aber nicht die primäre Route. Doch dies war scheinbar hier der Fall:

Bild 2
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Man sieht nämlich in Bild 2, dass er sofort auf diese Situation schaut. Eigentlich hat er viel Zeit, die Passverteidigung hält und dennoch erfolgt der Pass auf Boldin. Dieser ist sieben Yards von der Endzone entfernt und hat nun die Aufgabe, erst den Catch zu machen, dann sich 90 Grad Richtung zu drehen, den Verteidiger abzuschütteln und den Touchdown zu machen.

Bild 3
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Wie die Route angedacht war, zeigt Bild 3. Hier habe ich in Rot eingezeichnet, wo der Ball hinkommt und wie Boldin sich dann hätte in die Endzone begeben müssen. So richtig auf einen Touchdown angelegt erscheint es mir aber nicht.

Bild 4
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Bild 4 zeigt, wo dann der Ball hinkommt.

Bild 5
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Im letzten Bild sieht man, wieviel Zeit Kaepernick hatte. Er nimmt sich aber nicht die Zeit, und beobachtet wie sich die tieferen Routen entwickeln. Michael Crabtree läuft rechts eine Post-Route. Dies ist eigentlich eine Schwachstelle der Giants Verteidigung, wurde hier aber nicht attackiert. Es gab mehrere Plays, wo diese Route völlig frei war – der Pass aber einfach nicht kam.

Das Playcalling war hier zum Ende sehr ärgerlich. Erst die Zone Read Option, wo man ein Timeout oder de Quarterback durch ein Audible den Spielzug hätte ändern können. Dann einen Lauf für drei bis fünf Yards – ein Touchdown schien bei der Aufstellung der Defense unwahrscheinlich. Letztlich im dritten Versuch nur zwei von vier Routen in die Endzone, wobei eine der kurzen Routen primär angespielt wurde.

Leider eine Kombination aus mehreren Faktoren: nicht aufeinander aufgebautes Playcalling, keine Reaktion auf die Verteidigungsstrategie der Giants, falsche Entscheidung bei der Option, schlechtes Routendesign und letztlich der Wurf auf den falschen Mann (man hatte auf beiden Seiten 1:1-Situationen). Die Green Bay Packers gehen in solchen Situationen ganz anders vor und man sieht, wie viele Punkte diese in den letzten Wochen geholt haben. Ich glaube nicht, dass Kaepernick nicht ebenso in der Lage wäre aus 15 Yards in die Endzone zu werfen.

Man weiß nicht, ob bei Kaepernick noch die Situation aus dem Championship Game bei den Seahawks im Kopf rumschwirrt. Allerdings ist hier nicht die Schuld beim Quarterback zu suchen, der nun selbst keine gravierenden Fehler macht. Aber es verfestigt sich der Eindruck, als wenn Offensive Coordinator Greg Roman kein Gefühl dafür hat, wie sich ein Spiel entwickelt. Er ,,skriptet" die ersten Spielzüge sehr gut und zeigt sich auch weiterhin kreativ (z.B. der Lauf von Vernon Davis), aber er scheint das Spiel nicht richtig lesen und auf die Situation reagieren zu können.

Zu Beginn des zweiten Viertels standen die 49ers dann an der 23 Yardlinie der Heimmannschaft. Diesmal waren sechs Spielzüge für 38 Yards vorausgegangen.
Als erstes versuchen es die Niners wieder mit einem Lauf.

Bild 1
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In Bild 1 wird wieder ein Misdirection-Spielzug versucht. Vorausgegangen war eine Motion von Bruce Miller, der von außen nach innen kommt (weiße Linie). Seine Linebacker (#58, blaue Linie) hat diese Bewegung mitgemacht und die Giants bringen insgesamt wieder acht Mann in die Box.

Bild 2
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Die Entwicklung des Spielzugs zeigt Bild 2. Man sieht das häufig angewendete Blocking-Schema der Niners bei diesem Lauf. Also in diesem Fall nach rechts, während Frank Gore über links laufen wird. Somit versucht man, die Defense in die falsche Richtung zu locken.

Bild 3
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Bild 4
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Bild 3 und Bild 4 zeigen, dass es damit nichts wird. Außen wird wieder das Containment gehalten und beide Linebacker (#53 u. #58) reagieren eben nicht wie erhofft, sondern bewegen sich sofort entgegengesetzt der Linie. Man sieht auch im dritten Bild, dass Joe Staley (#74) etwas spät dran ist. Dadurch macht sein Gegenspieler letztlich das Play kaputt, da der Fullback nun nicht als Vorblocker aktiv werden kann.

Bild 5
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Gore läuft dann in Bild 5 in zwei Mann – für einen Yard Raumverlust. Wieder die Verteidigung wie beim Drive zuvor – auch gut gespielt von den Giants.

Im nächsten Versuch hat man dann (endlich) versucht, in die Endzone zu kommen.

Bild 1
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Bild 1 zeigt die Routen, wobei hier versucht wurde, über links mit einer tiefen Post-Route zum Erfolg zu kommen. Vernon Davis läuft rechts zur Beschäftigung eine sog. Decoy-Route; er ist also als Passempfänger nicht wirklich angedacht. Anquan Boldin soll geradeaus nach vorne laufen – dies macht in meinen Augen den Pass etwas schwierig. Michael Crabtree soll links außen mit der schon angesprochenen tiefen Postroute zum Erfolg kommen. Eigentlich ein sehr dankbarer Pass – recht gut zu werfen und nicht besonders schwer zu laufen.

Bild 2
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Wo der Pass hinkommen soll, ist in Bild 2 eingekreist. Vom Routendesign her hätte ich mir gewünscht, dass Boldin in die Mitte (gelber Pfeil) auf den Safety (blau) zieht. Da er es nicht tut, muss sich der Safety nicht entscheiden und kann in der Mitte stehen bleiben und nachher das Play machen.

Mit dem zweiten gelben Pfeil bei Kaepernick will ich eine weitere Option andeuten: er hätte hier vielleicht Boldin anstarren können und damit dem Safety noch mehr Argumente gegeben, sich von Crabtree weg zu bewegen. Schließlich ist er dafür bekannt, dass er seine Receiver früh anvisiert. Stattdessen hat er schon recht früh auf Crabtree geschaut – was die Tarnroute von Boldin nicht begünstigt hat. Man hätte das Routendesign länger auf Boldin aufbauen können, da Kaepernick ja nur einen kleinen Schwenk nach links auf Crabtree hätte machen müssen.

Bild 3
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In Bild 3 orientiert sich der Safety Richtung CrabtreE. Er erkennt die Post-Route sehr früh und weiß, wo seine Hilfe benötigt wird.

Bild 4
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Crabtree bewegt sich in Richtung Mitte (Bild 4), doch auch der Safety ist schon auf dem Weg.

Bild 5
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Es wurde diskutiert, ob Crabtree hier sich nicht dem Ball hätte entgegenkommen können. Ich glaube aber, dass es aus der Bewegung heraus nur sehr schwer möglich ist. Diese Route ist nicht darauf angelegt, sondern die Bewegung schiebt einen in Richtung Endzone. Bild 5 zeigt, dass weder Crabtree noch Kaepernick ein Vorwurf zu machen ist – der Safety hat einfach gut reagiert und ist bereits bei Crabtree, obwohl der Ball noch anderthalb Yards entfernt ist.

Eigentlich ein gutes Playcalling, das man mit der Routenführung hätte optimieren können. Die Niners scheinen im Gegensatz zum kreativen Laufspiel es nicht zu schaffen, die Passempfänger mit den Routen freizulaufen (siehe z.B. Jordy Nelson bei den Packers). Man verlässt sich hier wohl entweder auf die individuelle Klasse im 1:1 oder den starken Arm von Kaepernick.

Der dritte Versuch ist wieder ähnlich wie beim Drive zuvor: zwei der Routen gehen in die Endzone. Daneben gibt es diesmal drei weitere: jeweils Hook-Routen in der Mitte.

Bild 1
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Bild 1 zeigt dann auch die an diesem Tag hiergegen häufig gewählte Formation: außen werden die Receiver 1:1 in Deckung genommen, ein Safety sichert tief ab und an der First-Down-Linie bilden zunächst zwei Akteure eine Zonenverteidigung. Hierzu werden sich später noch mehr Spieler gesellen. Dies zeigt auch viel Vertrauen in die Cornerbacks.

Bild 2
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Die Entwicklung der Routen zeigt Bild 2. Der Running Back sichert erst zum Blocken ab, da die Offensive Line aber die Sache im Griff hat und kein Bedarf besteht, begibt er sich ebenfalls auf eine Route. Die Cornerbacks lassen die Receiver kommen, sie attackieren diese nicht an der Line of Scrimmage (sog. Bump&Run). Sie warten sogar bis zur First-Down-Linie ab, sehe sie eingreifen. Dies hat den Vorteil, dass sie sich nicht so leicht überlaufen lassen und bis dort das Spielgeschehen vor sich haben.

Bild 3
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Die Markierung zum neuen First Down ist in Bild 3 eingezeichnet. Was man jetzt sieht: alle drei Hook-Routen sind 2-5 Yards kürzer. Das verstehe ich nicht, wenn nur zwei der fünf Leute auf Route ein First Down machen können. Bei einer Hook läuft der Receiver gerade aus und dreht sich dann in Richtung Quarterback um. Dies ermöglicht zwar einen recht sicheren Catch, aber weitere Yards danach sind eher unwahrscheinlich. Man hätte vielleicht zwei hinter diese Markierung schicken können.

Die Protection hält gut, wir sehen den Running Back nun frei – aber weit entfernt von einem neuen ersten Versuch. Dennoch wäre er im Notfall anspielbar gewesen. Diese Route hätte nicht verändert werden müssen, die anderen aber vielleicht schon. Zumal hier zum Teil Linbacker die Deckung übernehmen müssen...

Bild 4
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Bild 4 zeigt, dass eine der Hook Routen tatsächlich etwas länger gerät und hier der Wurf zum First Down möglich gewesen wäre. Dies kommt auch durch die Reaktion des Wide Receivers zu Stande, der zwei bis drei Yards in diese Richtung geht, nachdem er sich zuerst in Bild 3 noch auf der 15 Yard-Linie befindet und dann sieht, dass sich sein Bewacher von ihm wegdreht und auf den Running Back konzentriert.

Hier wäre der Pass möglich gewesen. Kaepernick entscheidet sich aber dennoch ohne besondere  Druck von der Defense für die kurze Route. Wie in Bild 5 zu sehen ist, bringt diese kein First-Down ein. Man sieht hier rechts auch, dass Stevie Johnson seinen Cornerback überlaufen hat. Vielleicht wäre er auch anspielbar gewesen – wobei dies schwierig zu sagen ist, da der Ball schon im vierten Bild die Hand von Kaepernick verlässt und sein Gegner daher vielleicht schon die Deckung gelockert hat.

Fazit: ich verstehe hier den Pass auf seine Sicherheitsanspielstation nicht. Wenn er Druck hat, würde ich es mir häufiger von ihm wünschen und hier hätte ich mir mehr Risiko gewünscht. Leider endet damit auch dieser Drive nur mit einem Fieldgoal. Wir vermissen hier auch die alten ,,Vernon Davis Routen", in denen er nach zehn Yards hinter der Linie kreuzt und sich quasi davonschleicht. Die scheinen aus dem Playbook verschwunden zu sein.

Im dritten Drive hatten die Niners wenig Erfolg. Nach der ersten Interception von Chris Borland bekam man den Ball an der 29 Yardlinie. Die Ausbeute: drei Versuche, drei Yards und am Ende wieder nur drei Punkte durch Dawson.

Erster Spielzug war wieder ein Lauf, den die Giants sehr diszipliniert verteidigen. Kaepernick entscheidet sich diesmal richtig und übergibt den Ball. Leider wird das Blocking-Schema von vier Verteidigern aus dem Spiel genommen und der Middle Linebacker hat leichtes Spiel. [Anm. des Verfassers: Eigentlich ein kleines Wunder, das Gore hier in seiner typischen Art noch für drei Yards durchtaucht.]

Danach folgte der Versuch des tiefen Passes. Diesmal aus einer Laufformation heraus. Die Niners versuchen hier eine Playaction (angetäuschter Lauf), aber keiner der an diesem Tag so auf den Lauf fixierten Giants reagiert darauf. Dies erschwert die Sache für Kaepernick, der es auf Davis versucht. Leider überwirft er den Tight End. Bild 4 zeigt, dass die Crossing Route wohl ideal gewesen wäre, da hier niemand den freien Raum verteidigt. Wenn man sich den Film anschaut, war es fast durchgehend so, dass hier rechts die 1:1-Situation einen Pass ermöglicht hätte. Gutes Design eigentlich, aber leider die Ausführung nicht optimal.

Im dritten Versuch dann wieder der Pass, der fast immer in dieser Situation aus der Shotgun erfolgt. Leider kommt es hier zum Missverständnis zwischen Crabtree und Kaepernick: während Crabtree den freien Raum in der Mitte sucht (Deep-Post), wirft Kaepernick eine tiefe Outroute. Diese wäre auch ein First Down gewesen. Nach dem Play war Crabtree in der Großeinstellung zu sehen. Er schien über den Pass verwundert.
INEOS... guess who's just scored one unbelievable goal again :(

igor

Wow, ein Hammer-Artikel!  Vielen Dank für Deine Zeit und Mühen!
Ask not what the community can do for you, ask what you can do for the community!
—Jurgen

snoopy

OwensOwensOwensOwensOwens!!!!CAUGHTIT!hecaughtithecaughtithecaughtit!!!

MoRe99

Zitat von: igor am Sa, 22. Nov. ’14, 08:14
Wow, ein Hammer-Artikel!  Vielen Dank für Deine Zeit und Mühen!

:dito:  Großes Tennis!  :thumbup:
"Fear can hold you prisoner. Hope can set you free." (Stephen King)

Sanfranolli

#4
Zitat von: owl49er am Sa, 22. Nov. ’14, 00:21
....

Vorangegangen waren acht Spielzüge für 90 Yards von der eigenen 20-Yard-Linie.....


:-[ Wo war der TD?????? ;)
Auch wenn die Welt zusammenbricht, verlier nie das Lächeln in deinem Gesicht!

London 2010 und 2013 - Ich war dabei!!!

Obi4Niners

Vielen, vielen Dank für diese sehr informativen Analysen. So langsam werde ich wohl immer mehr von diesem Spiel begreifen, aber das nur wegen solchen Beiträgen. Danke und bitte weiter so!

Sanfranolli

Auch wenn die Welt zusammenbricht, verlier nie das Lächeln in deinem Gesicht!

London 2010 und 2013 - Ich war dabei!!!

9ers4ever

super artikel.

trifft den nagel auch noch auf den kopf !
Ahmad Brooks nach dem Spiel bei den Panthers.
"I mean it's the playoffs, that's what you got to expect in the playoffs. It's either go hard or go home. We go hard!"