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Commentary: igors Take: 49ers @ Raiders

Begonnen von igor, Mi, 10. Dez. ’14, 08:22

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igor

Beim Spiel am Sonntag hat man deutlich gesehen, daß es für eine Mannschaft um etwas geht – und das war leider nicht die unsere.  Die Raiders mögen zwar schon seit einiger Zeit aus dem Playoffrennen ausgeschieden sein, aber alleine das Duell um die Vorherrschaft in der San Francisco Bay Area war für sie Motivation genug.  Bei der trostlosen Vorstellung unserer Mannschaft wurden unweigerlich Erinnerungen an die Prä-Harbaugh-Ära geweckt.

Seit der zweiten Halbzeit gegen die Broncos ist bei Colin Kaepernick der Wurm drin, und der kommt offenbar so schnell nicht mehr heraus.  Die mangelnde Präzision bei seinen Würfen in den letzten beiden Spielen ist schon mehr als bemerkenswert.  Viele Pässe waren nicht nur ein klein wenig off-target, sondern verfehlten ganz gehörig ihr Ziel.  Dazu gesellt sich einmal mehr Coaching, dessen wiederholter Versuch, smarter zu sein als alle anderen, ordentlich in die Hose ging.  Erneut war unser Plan, ein Team mit einer schwachen Laufverteidigung primär durch die Luft zu bezwingen – obwohl unser Laufspiel ganz passabel funktioniert hat und unser Quarterback seiner Form hinterherläuft.

Ich werde das Gefühlt nicht los, daß unsere Coaches die Offense auf biegen und brechen zu einer Pass-First-Offense ummodeln wollen und dabei an ihrer eigenen Sturheit scheitern.  Klar kann und soll man immer wieder neue Wege ausprobieren, denn Stillstand bedeutet Rückschritt.  Man muß aber auch dazu in der Lage sein, sich eingestehen zu können, daß etwas mit dem vorhandenen Spielermaterial eben nicht so funktioniert wie man es sich ausgemalt hätte.  Etwas mehr Besinnung auf jene Werte, welche in den vergangenen drei Jahren für 49ers-Football standen, wäre nicht verkehrt.

Zudem, auch wenn ich mich wiederhole: man will Kaepernick scheinbar in ein Korsett zwängen, in das er einfach nicht paßt.  Auf mich macht es oft den Eindruck, daß Kaepernick alles »richtig« machen will, im Sinne von: so, wie die Coaches es ihm einbleuen wollen.  Das sorgt dann dafür, daß er (zu) viel im Kopf hat, zu viel nachdenkt und schließlich verkrampft – man beraubt ihn seiner Stärken.  Die Lockerheit ist ihm völlig abhanden gekommen, seinen Flow, den er in einem Spiel finden muß, sucht er vergeblich.  Es wäre gut, wenn Kaepernick wieder mehr einfach er selbst sein dürfte.

Die Probleme in der Offense fangen allerdings nicht erst bei Kaepernick an oder hören bei ihm auf.  Gerade in diesem Jahr sieht man wirklich, wie wertvoll es war, daß unsere O-Line in den vergangenen Saisonen quasi verletzungsfrei blieb und Woche für Woche unverändert auf dem Feld stand.  Nicht nur die weniger gewordene Zeit an sich, die Kaepernick für seine Würfe hat, spielt hier eine Rolle, sondern auch das daraus schwindende Vertrauen stellt einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar.  Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Russell Wilson, der oft als Gegenbeispiel genannt wird, in unserer Offense großartig besser aussehen würde.

Auch die Receiver-Statistiken spiegeln den schleichenden Niedergang wider.  Wurde zu Beginn der Saison der Ball noch munter verteilt, so gehen mittlerweile die meisten Würfe nur noch auf Crabtree und Boldin.  Ein Stevie Johnson, der meiner Meinung nach eine große Bereicherung für uns darstellt, wird kaum noch miteinbezogen.  Brandon Lloyd, der immer wieder einmal für einen schönen Catch gut war, war am Sonntag überhaupt inaktiv.  Auch die Backs sehen kaum noch Targets.  Wenn man das Laufspiel stark vernachlässigt und dann im Passing Game auch noch immer die selben Leute anspielt, dann kann das einfach nicht gutgehen.

Ich sehe allerdings keinen Grund, Kaepernick deswegen zu benchen.  Bei allen theoretischen Chancen, die wir vielleicht noch auf die Playoffs haben mögen: man sollte jetzt nur noch von Spiel zu Spiel schauen und versuchen, Kaepernick mit einem halbwegs guten Gefühl aus der Saison gehen zu lassen.  Ihn gezielt mit einfachen Basics wieder aufzubauen erachte ich für sinnvoller, als ihn mit Selbstzweifeln in die Offseason zu schicken.

Außerdem darf man nicht vergessen: für einen Franchise-Quarterback ist Kaepernick immer noch jung und hat nach wie vor viel Entwicklung – hoffentlich – vor sich.  Daß »Franchise-Quarterbacks« sofort einschlagen und die Konstante im Team sind, wird zwar erwartet, ist aber nach wie vor eher die Ausnahme denn der Regelfall.  Wenn es so einfach wäre, dann hätten weit weniger Teams in der Liga Fragezeichen um ihre Quarterback-Position.  Kaepernicks Problem ist vor allem die hohe Erwartungshaltung aus den letzten Saisonen.  Wir haben uns auf ihn als unseren Quarterback festgelegt; jetzt gilt es, kontinuierlich weiterzuarbeiten.

Ebensowenig wie an Kaepernicks Position als Quarterback würde ich an unserem Head Coach Jim Harbaugh rütteln.  Auch hier waren die Erwartungshaltungen nach den letzten Jahren hoch.  Man darf aber nicht vergessen: Harbaugh war derjenige, der aus durchaus vorhandenem Spielermaterial, mit dem in den Jahren davor kein einziges Mal eine positive Bilanz geschafft wurde, eine schlagkräftige Mannschaft geformt und dorthin gebracht hat, wo sie die letzten Jahre stand.  Dreimal am Stück in das Championship Game einzuziehen ist eine grandiose Leistung, die eben nicht alltäglich ist.

Ständig ganz oben mitzuspielen ist eine Utopie.  Unsere momentane Situation zeigt nämlich auch: so erfahren unser Team ist, so unerfahren ist es, wenn es darum geht, um die Playoffs kämpfen zu müssen.  Das Thema Playoffs hat sich in der jüngeren Vergangenheit in der Regel frühzeitig erledigt; in den letzten drei Jahren jeweils im positiven Sinn, davor im negativen.  Es gibt ausreichend Teams in der Liga, die Playoff-Contender sind – das dafür Jahr für Jahr konstant –, es aber eben nicht immer schaffen.  Gerade die Packers hatten letzte Saison vor allem Glück, das ein 8–7–1 zum Divisionstitel reichte.  Viele der jüngsten Super-Bowl-Sieger verpaßten in der Folgesaison die Playoffs, ohne daß es für sie ein Beinbruch war.

Wir haben jetzt erst einmal ein nicht ganz so erfolgreiches Jahr.  Natürlich trägt auch der Head Coach seinen Teil dazu bei.  Nachdem Harbaugh derjenige war, der den Karren aus den Dreck gezogen hat, sollte ihm aber auch die Gelegenheit dazu gegeben werden, das Team aus dieser Situation wieder herauszumanövrieren.  Head Coaches gleich beim ersten Rückschlag zu wechseln hat noch selten nachhaltig geholfen.  Es kann nicht schaden, wenn auch einmal ein Stück Liga-Normalität bei uns einkehrt.  Weniger erfolgreiche Phasen gehören zum Geschäft dazu, ohne daß man dann gleich radikal alles ändern muß; Geduld ist eine Tugend.  Außerdem: ein besserer Head Coach muß erst einmal gefunden werden.

In unserer konkreten Situation bleibt natürlich noch der offene Punkt, ob bzw. wie gut Harbaugh noch mit General Manager Trent Baalke zusammenarbeiten kann.  Berichte gibt es viele, wirklich erbaulich sind aber die wenigsten.  Ich hoffe sehr, daß die beiden noch irgendwie miteinander können.  Sollte es jedoch wirklich keine Basis für eine professionelle Zusammenarbeit mehr geben – persönlich mögen müssen sie sich ja gar nicht zwingend – macht ein Weitermachen keinen Sinn.  Allerdings bleibt die Frage, von wem man sich dann trennen will.

In diesem Fall würde ich dazu tendieren, Baalke zu behalten und ohne Harbaugh weiterzumachen.  Würde man den General Manager wechseln, so würde dies die Probleme meiner Meinung nach nur aufschieben.  Ein neuer GM wäre gezwungen, mit einem Head Coach und einem Quarterback zu arbeiten, die beide nicht von ihm geholt bzw. aufgebaut wurden.  Ich glaube nicht, daß das auf Dauer gutgehen kann.  In der nächsten Schwächephase wäre Harbaugh ziemlich schnell Geschichte; der GM sitzt am Gameday neben Jed York und könnte ihm jeden Sonntag vorjammern, daß er mit HC und QB, die beide nicht auf seinen Mist gewachsen sind, einfach nicht arbeiten kann – unabhängig davon, wie fähig er selbst ist.  Dann lieber gleich die Reißleine.

Für mich geht es am Sonntag in Seattle nun vornehmlich darum, sich verbessert zu zeigen.  Wichtig ist, daß wir uns endlich wieder einmal ordentlich präsentieren, ohne ständig dahinzuwurschteln und von den Fehlern des Gegners zu leben.  Die Zeiten, wo nur das nackte Ergebnis gezählt hat, sind für diese Saison vorbei.  Vielleicht ist das für das Team auch eine gewisse Erleichterung.
Ask not what the community can do for you, ask what you can do for the community!
—Jurgen

zugschef

Zitat von: igor am Mi, 10. Dez. ’14, 08:22
In diesem Fall würde ich dazu tendieren, Baalke zu behalten und ohne Harbaugh weiterzumachen.  Würde man den General Manager wechseln, so würde dies die Probleme meiner Meinung nach nur aufschieben.
Ich sehe Baalke als größeres Problem als Harbaugh. Das Spielermaterial, mit dem Harbaugh gewann/gewinnt, war größtenteils aus Scott McCloughans Drafts. Baalke hat bisher nur in der Defense wirklich gute Picks vorzuweisen, und da behaupte ich einfach mal, dass Fangio, Donatell und Tomsula ein riesengroßer Faktor sind. In der Offense hat Baalke genau einen Spieler vorzuweisen, und das ist der Fullback. Ansonsten ist da kein einziger Lineman, der wirklich eine Bank wäre, kein Wide Receiver und auch kein Running Back. Der Quarterback war Harbaughs Idee und ist der schnellste Mann auf dem Feld. Die Strategie verletzte Spieler zu draften, hat sich außerdem heuer erstmals bemerkbar gemacht, indem dem Team schön langsam die Spieler ausgehen.

Nicht zuletzt weil Jed sich mit seinem Tweet als unreif präsentiert hat, ist bei den 49ers wieder einmal das Problem in der FO. Wir sprechen hier von dem Mann, der Nolan nicht nach 2007 sondern erst nach der Hälfte der Saison 2008 rauswarf, und ihn dann mit Mike Singletary ersetzte. Jetzt demontiert er eigenständig seinen Head Coach, der einen der erfolgreichsten Starts in der Geschichte der Liga hingelegt hat.

Dass dieser Offense die Identität fehlt, liegt nicht zuletzt daran, dass Baalke keine Spieler mit Talent und Speed draften kann; wie andernorts erwähnt, geht immer nur eines der beiden, wenn überhaupt. Die Draft 2012 ist das beste Beispiel dafür. Auch die Art und Weise mit Aldons, McDonalds und Cullivers off the Field Problemen umzugehen, war von seiten der FO höchst unprofessionell. Baalke und Jed nutzen Harbaugh sehr gerne als Schild, um sich selbst nicht schmutzig machen zu müssen, und hinterrücks lassen sie Gerüchte entstehen, dass Harbaugh getradet werden sollte, uswusf.

Harbaugh gehen zu lassen habe ich schonmal als grob fahrlässig bezeichnet, und mache das gerne wieder. Bevor man den Mann, der dem Team den Erfolg zurückgebracht hat, loszuwerden versucht, sollte man sich selbst in Frage stellen.

TheCatch49

Zitat von: zugschef am Mi, 10. Dez. ’14, 13:03
Zitat von: igor am Mi, 10. Dez. ’14, 08:22
In diesem Fall würde ich dazu tendieren, Baalke zu behalten und ohne Harbaugh weiterzumachen.  Würde man den General Manager wechseln, so würde dies die Probleme meiner Meinung nach nur aufschieben.
Ich sehe Baalke als größeres Problem als Harbaugh. Das Spielermaterial, mit dem Harbaugh gewann/gewinnt, war größtenteils aus Scott McCloughans Drafts. Baalke hat bisher nur in der Defense wirklich gute Picks vorzuweisen, und da behaupte ich einfach mal, dass Fangio, Donatell und Tomsula ein riesengroßer Faktor sind. In der Offense hat Baalke genau einen Spieler vorzuweisen, und das ist der Fullback. Ansonsten ist da kein einziger Lineman, der wirklich eine Bank wäre, kein Wide Receiver und auch kein Running Back. Der Quarterback war Harbaughs Idee und ist der schnellste Mann auf dem Feld. Die Strategie verletzte Spieler zu draften, hat sich außerdem heuer erstmals bemerkbar gemacht, indem dem Team schön langsam die Spieler ausgehen.

Nicht zuletzt weil Jed sich mit seinem Tweet als unreif präsentiert hat, ist bei den 49ers wieder einmal das Problem in der FO. Wir sprechen hier von dem Mann, der Nolan nicht nach 2007 sondern erst nach der Hälfte der Saison 2008 rauswarf, und ihn dann mit Mike Singletary ersetzte. Jetzt demontiert er eigenständig seinen Head Coach, der einen der erfolgreichsten Starts in der Geschichte der Liga hingelegt hat.

Dass dieser Offense die Identität fehlt, liegt nicht zuletzt daran, dass Baalke keine Spieler mit Talent und Speed draften kann; wie andernorts erwähnt, geht immer nur eines der beiden, wenn überhaupt. Die Draft 2012 ist das beste Beispiel dafür. Auch die Art und Weise mit Aldons, McDonalds und Cullivers off the Field Problemen umzugehen, war von seiten der FO höchst unprofessionell. Baalke und Jed nutzen Harbaugh sehr gerne als Schild, um sich selbst nicht schmutzig machen zu müssen, und hinterrücks lassen sie Gerüchte entstehen, dass Harbaugh getradet werden sollte, uswusf.

Harbaugh gehen zu lassen habe ich schonmal als grob fahrlässig bezeichnet, und mache das gerne wieder. Bevor man den Mann, der dem Team den Erfolg zurückgebracht hat, loszuwerden versucht, sollte man sich selbst in Frage stellen.
100% richtig!

igor

Zitat von: zugschef am Mi, 10. Dez. ’14, 13:03
Zitat von: igor am Mi, 10. Dez. ’14, 08:22
In diesem Fall würde ich dazu tendieren, Baalke zu behalten und ohne Harbaugh weiterzumachen.  Würde man den General Manager wechseln, so würde dies die Probleme meiner Meinung nach nur aufschieben.
Ich sehe Baalke als größeres Problem als Harbaugh.
Das mag durchaus sein.  Trotzdem: wird nur der GM getauscht, kann ein neuer im Zweifelsfall immer die Ausrede vorschieben, daß Coach und Quarterback nicht die »seinen« sind.  Daher sehe ich nicht, daß Harbaugh unter einem anderen/neuen GM noch eine großartige Zukunft haben wird.
Ask not what the community can do for you, ask what you can do for the community!
—Jurgen

49er-essen

Danke für den Bericht ich sehe es genauso.
Ich würde aber auch lieber Harbaugh behalten und einen neuen GM suchen.
San Francisco
Assindia Cardinals
1.FCN

snoopy

Der GM könnte ja schon enmal neue Offfense-Coaches installieren ::)
OwensOwensOwensOwensOwens!!!!CAUGHTIT!hecaughtithecaughtithecaughtit!!!

silentsound

Zitat von: igor am Mi, 10. Dez. ’14, 08:22
Beim Spiel am Sonntag hat man deutlich gesehen, daß es für eine Mannschaft um etwas geht – und das war leider nicht die unsere.  Die Raiders mögen zwar schon seit einiger Zeit aus dem Playoffrennen ausgeschieden sein, aber alleine das Duell um die Vorherrschaft in der San Francisco Bay Area war für sie Motivation genug.  Bei der trostlosen Vorstellung unserer Mannschaft wurden unweigerlich Erinnerungen an die Prä-Harbaugh-Ära geweckt.

Seit der zweiten Halbzeit gegen die Broncos ist bei Colin Kaepernick der Wurm drin, und der kommt offenbar so schnell nicht mehr heraus.  Die mangelnde Präzision bei seinen Würfen in den letzten beiden Spielen ist schon mehr als bemerkenswert.  Viele Pässe waren nicht nur ein klein wenig off-target, sondern verfehlten ganz gehörig ihr Ziel.  Dazu gesellt sich einmal mehr Coaching, dessen wiederholter Versuch, smarter zu sein als alle anderen, ordentlich in die Hose ging.  Erneut war unser Plan, ein Team mit einer schwachen Laufverteidigung primär durch die Luft zu bezwingen – obwohl unser Laufspiel ganz passabel funktioniert hat und unser Quarterback seiner Form hinterherläuft.

Ich werde das Gefühlt nicht los, daß unsere Coaches die Offense auf biegen und brechen zu einer Pass-First-Offense ummodeln wollen und dabei an ihrer eigenen Sturheit scheitern.  Klar kann und soll man immer wieder neue Wege ausprobieren, denn Stillstand bedeutet Rückschritt.  Man muß aber auch dazu in der Lage sein, sich eingestehen zu können, daß etwas mit dem vorhandenen Spielermaterial eben nicht so funktioniert wie man es sich ausgemalt hätte.  Etwas mehr Besinnung auf jene Werte, welche in den vergangenen drei Jahren für 49ers-Football standen, wäre nicht verkehrt.

Zudem, auch wenn ich mich wiederhole: man will Kaepernick scheinbar in ein Korsett zwängen, in das er einfach nicht paßt.  Auf mich macht es oft den Eindruck, daß Kaepernick alles »richtig« machen will, im Sinne von: so, wie die Coaches es ihm einbleuen wollen.  Das sorgt dann dafür, daß er (zu) viel im Kopf hat, zu viel nachdenkt und schließlich verkrampft – man beraubt ihn seiner Stärken.  Die Lockerheit ist ihm völlig abhanden gekommen, seinen Flow, den er in einem Spiel finden muß, sucht er vergeblich.  Es wäre gut, wenn Kaepernick wieder mehr einfach er selbst sein dürfte.

Die Probleme in der Offense fangen allerdings nicht erst bei Kaepernick an oder hören bei ihm auf.  Gerade in diesem Jahr sieht man wirklich, wie wertvoll es war, daß unsere O-Line in den vergangenen Saisonen quasi verletzungsfrei blieb und Woche für Woche unverändert auf dem Feld stand.  Nicht nur die weniger gewordene Zeit an sich, die Kaepernick für seine Würfe hat, spielt hier eine Rolle, sondern auch das daraus schwindende Vertrauen stellt einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar.  Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Russell Wilson, der oft als Gegenbeispiel genannt wird, in unserer Offense großartig besser aussehen würde.

Auch die Receiver-Statistiken spiegeln den schleichenden Niedergang wider.  Wurde zu Beginn der Saison der Ball noch munter verteilt, so gehen mittlerweile die meisten Würfe nur noch auf Crabtree und Boldin.  Ein Stevie Johnson, der meiner Meinung nach eine große Bereicherung für uns darstellt, wird kaum noch miteinbezogen.  Brandon Lloyd, der immer wieder einmal für einen schönen Catch gut war, war am Sonntag überhaupt inaktiv.  Auch die Backs sehen kaum noch Targets.  Wenn man das Laufspiel stark vernachlässigt und dann im Passing Game auch noch immer die selben Leute anspielt, dann kann das einfach nicht gutgehen.

Ich sehe allerdings keinen Grund, Kaepernick deswegen zu benchen.  Bei allen theoretischen Chancen, die wir vielleicht noch auf die Playoffs haben mögen: man sollte jetzt nur noch von Spiel zu Spiel schauen und versuchen, Kaepernick mit einem halbwegs guten Gefühl aus der Saison gehen zu lassen.  Ihn gezielt mit einfachen Basics wieder aufzubauen erachte ich für sinnvoller, als ihn mit Selbstzweifeln in die Offseason zu schicken.

Außerdem darf man nicht vergessen: für einen Franchise-Quarterback ist Kaepernick immer noch jung und hat nach wie vor viel Entwicklung – hoffentlich – vor sich.  Daß »Franchise-Quarterbacks« sofort einschlagen und die Konstante im Team sind, wird zwar erwartet, ist aber nach wie vor eher die Ausnahme denn der Regelfall.  Wenn es so einfach wäre, dann hätten weit weniger Teams in der Liga Fragezeichen um ihre Quarterback-Position.  Kaepernicks Problem ist vor allem die hohe Erwartungshaltung aus den letzten Saisonen.  Wir haben uns auf ihn als unseren Quarterback festgelegt; jetzt gilt es, kontinuierlich weiterzuarbeiten.

Ebensowenig wie an Kaepernicks Position als Quarterback würde ich an unserem Head Coach Jim Harbaugh rütteln.  Auch hier waren die Erwartungshaltungen nach den letzten Jahren hoch.  Man darf aber nicht vergessen: Harbaugh war derjenige, der aus durchaus vorhandenem Spielermaterial, mit dem in den Jahren davor kein einziges Mal eine positive Bilanz geschafft wurde, eine schlagkräftige Mannschaft geformt und dorthin gebracht hat, wo sie die letzten Jahre stand.  Dreimal am Stück in das Championship Game einzuziehen ist eine grandiose Leistung, die eben nicht alltäglich ist.

Ständig ganz oben mitzuspielen ist eine Utopie.  Unsere momentane Situation zeigt nämlich auch: so erfahren unser Team ist, so unerfahren ist es, wenn es darum geht, um die Playoffs kämpfen zu müssen.  Das Thema Playoffs hat sich in der jüngeren Vergangenheit in der Regel frühzeitig erledigt; in den letzten drei Jahren jeweils im positiven Sinn, davor im negativen.  Es gibt ausreichend Teams in der Liga, die Playoff-Contender sind – das dafür Jahr für Jahr konstant –, es aber eben nicht immer schaffen.  Gerade die Packers hatten letzte Saison vor allem Glück, das ein 8–7–1 zum Divisionstitel reichte.  Viele der jüngsten Super-Bowl-Sieger verpaßten in der Folgesaison die Playoffs, ohne daß es für sie ein Beinbruch war.

Wir haben jetzt erst einmal ein nicht ganz so erfolgreiches Jahr.  Natürlich trägt auch der Head Coach seinen Teil dazu bei.  Nachdem Harbaugh derjenige war, der den Karren aus den Dreck gezogen hat, sollte ihm aber auch die Gelegenheit dazu gegeben werden, das Team aus dieser Situation wieder herauszumanövrieren.  Head Coaches gleich beim ersten Rückschlag zu wechseln hat noch selten nachhaltig geholfen.  Es kann nicht schaden, wenn auch einmal ein Stück Liga-Normalität bei uns einkehrt.  Weniger erfolgreiche Phasen gehören zum Geschäft dazu, ohne daß man dann gleich radikal alles ändern muß; Geduld ist eine Tugend.  Außerdem: ein besserer Head Coach muß erst einmal gefunden werden.

In unserer konkreten Situation bleibt natürlich noch der offene Punkt, ob bzw. wie gut Harbaugh noch mit General Manager Trent Baalke zusammenarbeiten kann.  Berichte gibt es viele, wirklich erbaulich sind aber die wenigsten.  Ich hoffe sehr, daß die beiden noch irgendwie miteinander können.  Sollte es jedoch wirklich keine Basis für eine professionelle Zusammenarbeit mehr geben – persönlich mögen müssen sie sich ja gar nicht zwingend – macht ein Weitermachen keinen Sinn.  Allerdings bleibt die Frage, von wem man sich dann trennen will.

In diesem Fall würde ich dazu tendieren, Baalke zu behalten und ohne Harbaugh weiterzumachen.  Würde man den General Manager wechseln, so würde dies die Probleme meiner Meinung nach nur aufschieben.  Ein neuer GM wäre gezwungen, mit einem Head Coach und einem Quarterback zu arbeiten, die beide nicht von ihm geholt bzw. aufgebaut wurden.  Ich glaube nicht, daß das auf Dauer gutgehen kann.  In der nächsten Schwächephase wäre Harbaugh ziemlich schnell Geschichte; der GM sitzt am Gameday neben Jed York und könnte ihm jeden Sonntag vorjammern, daß er mit HC und QB, die beide nicht auf seinen Mist gewachsen sind, einfach nicht arbeiten kann – unabhängig davon, wie fähig er selbst ist.  Dann lieber gleich die Reißleine.

Für mich geht es am Sonntag in Seattle nun vornehmlich darum, sich verbessert zu zeigen.  Wichtig ist, daß wir uns endlich wieder einmal ordentlich präsentieren, ohne ständig dahinzuwurschteln und von den Fehlern des Gegners zu leben.  Die Zeiten, wo nur das nackte Ergebnis gezählt hat, sind für diese Saison vorbei.  Vielleicht ist das für das Team auch eine gewisse Erleichterung.
also mal ganz ehrlich.....lieber gewinne ich den super bowl und verpasse dann die playoffs...anstatt dreimal ins championship game zu kommen und das war es dann...und ich stelle in keinster weise in abrede, dass es eine ganz tolle leistung ist...ins championship game zu kommen....aber wie überall im sport...ist der zweite ganz einfach schon...der erste verlierer...mir wäre es am liebsten gewesen, seinerzeit alles mögliche zu unternehmen um peyton manning zu bekommen...dann alles auf eine karte setzen um in diesem jahr champion zu werden...super bowl wohlgemerkt.....das dann im nachgang dazu ein salary cap problem entsteht und ich wahrscheinlich gute spieler entlassen muss....hätte ich in kauf genommen....aber...nur meine meinung...und die ist zum glück nicht die allein seligmachende  ;) :49ers:
if you follow every dream...you might get lost

igor

Zitat von: silentsound am Mi, 10. Dez. ’14, 17:06
also mal ganz ehrlich.....lieber gewinne ich den super bowl und verpasse dann die playoffs...anstatt dreimal ins championship game zu kommen und das war es dann...und ich stelle in keinster weise in abrede, dass es eine ganz tolle leistung ist...ins championship game zu kommen....aber wie überall im sport...ist der zweite ganz einfach schon...der erste verlierer...mir wäre es am liebsten gewesen, seinerzeit alles mögliche zu unternehmen um peyton manning zu bekommen...dann alles auf eine karte setzen um in diesem jahr champion zu werden...super bowl wohlgemerkt.....das dann im nachgang dazu ein salary cap problem entsteht und ich wahrscheinlich gute spieler entlassen muss....hätte ich in kauf genommen....aber...nur meine meinung...und die ist zum glück nicht die allein seligmachende  ;) :49ers:
Der Herr Manning hat in Denver bislang genauso viel gewonnen wie wir in der selben Zeit.
Ask not what the community can do for you, ask what you can do for the community!
—Jurgen

silentsound

Zitat von: igor am Mi, 10. Dez. ’14, 17:27
Zitat von: silentsound am Mi, 10. Dez. ’14, 17:06
also mal ganz ehrlich.....lieber gewinne ich den super bowl und verpasse dann die playoffs...anstatt dreimal ins championship game zu kommen und das war es dann...und ich stelle in keinster weise in abrede, dass es eine ganz tolle leistung ist...ins championship game zu kommen....aber wie überall im sport...ist der zweite ganz einfach schon...der erste verlierer...mir wäre es am liebsten gewesen, seinerzeit alles mögliche zu unternehmen um peyton manning zu bekommen...dann alles auf eine karte setzen um in diesem jahr champion zu werden...super bowl wohlgemerkt.....das dann im nachgang dazu ein salary cap problem entsteht und ich wahrscheinlich gute spieler entlassen muss....hätte ich in kauf genommen....aber...nur meine meinung...und die ist zum glück nicht die allein seligmachende  ;) :49ers:
Der Herr Manning hat in Denver bislang genauso viel gewonnen wie wir in der selben Zeit.
ich meinte....mit dem team, mit welchem wir gegen die ravens verloren haben....manning als qb und nicht kaep...da glaube ich ganz einfach...wir hätten gewonnen ;) :cheers:
if you follow every dream...you might get lost

Greg_Skittles

Den kickoff TD return zum Beginn der 2ten HZ hätte auch er nicht verhindert. Die Ravens haben das Spiel bestimmt nicht gewonnen, weil Kaep unser QB war.
Wir standen schon vor der Toilette und haben uns dennoch in die Hose gemacht.

silentsound

Zitat von: Lars_wegas am Mi, 10. Dez. ’14, 18:32
Den kickoff TD return zum Beginn der 2ten HZ hätte auch er nicht verhindert. Die Ravens haben das Spiel bestimmt nicht gewonnen, weil Kaep unser QB war.
ich bin schon der meinung, dass manning.... einen von vier versuchen... am ende des spiels... zum td an den mann gebracht hätte... oder er hätte selbst einen spielzug ausgewählt, welcher zum erfolg führt, da er die defense mit sicherheit besser lesen kann als kaep...
if you follow every dream...you might get lost

frontmode


Zitat von: Lars_wegas am Mi, 10. Dez. ’14, 18:32
Den kickoff TD return zum Beginn der 2ten HZ hätte auch er nicht verhindert. Die Ravens haben das Spiel bestimmt nicht gewonnen, weil Kaep unser QB war.

Naja, er hat bis zum Stromausfall eher bescheiden gespielt - wie der Rest auch.
QuestFor32:
49ers, Cardinals, Rams, Seahawks, Buccaneers, Falcons, Panthers, Saints, Lions, Packers, Vikings, Cowboys, Giants, Broncos, Chargers, Chiefs, Raiders, Colts, Jaguars, Texans, Browns, Ravens, Dolphins, Jets, Patriots

IamNINER

Zitat von: silentsound am Mi, 10. Dez. ’14, 20:00
Zitat von: Lars_wegas am Mi, 10. Dez. ’14, 18:32
Den kickoff TD return zum Beginn der 2ten HZ hätte auch er nicht verhindert. Die Ravens haben das Spiel bestimmt nicht gewonnen, weil Kaep unser QB war.
ich bin schon der meinung, dass manning.... einen von vier versuchen... am ende des spiels... zum td an den mann gebracht hätte... oder er hätte selbst einen spielzug ausgewählt, welcher zum erfolg führt, da er die defense mit sicherheit besser lesen kann als kaep...

Manning hätte eine INT geworfen am Ende...
2017 1st Rd get Myles Garrett, trade for Christian McCaffrey Sign Kyle and John and let them do their thing...

MyQuestFor32: 49ers, Lions, Patriots, Eagles, Seahawks, Rams, Jets, Raiders, Panthers, Cardinals, Broncos, Jaguars, Packers, Chargers, Titans

JOMONTANA

Ich denke unser massives Verletztenproblem,ist der Hauptgrund das es nicht so läuft.   Unter der Vorraussetzung ist es schwer das Niveau der letzten Jahre zu halten.Unseren HC und CK würde ich gerne nächstes Jahr wiedersehen. Da gibt es bestimmtem andere Stellschrauben wo man was ändern sollte. CK sollte man sein Korsett abnehmen. Laßt ihn spielen, gebt ihm mehr bzw. die Freiheiten wieder die er vor 2 Jahren noch hatte.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren

frontmode

Die Probleme liegen aber primär in der Offense und die ist eher stärker besetzt als letztes Jahr.
QuestFor32:
49ers, Cardinals, Rams, Seahawks, Buccaneers, Falcons, Panthers, Saints, Lions, Packers, Vikings, Cowboys, Giants, Broncos, Chargers, Chiefs, Raiders, Colts, Jaguars, Texans, Browns, Ravens, Dolphins, Jets, Patriots

Hyde 28

Zitat von: IamNINER am Mi, 10. Dez. ’14, 20:41
Zitat von: silentsound am Mi, 10. Dez. ’14, 20:00
Zitat von: Lars_wegas am Mi, 10. Dez. ’14, 18:32
Den kickoff TD return zum Beginn der 2ten HZ hätte auch er nicht verhindert. Die Ravens haben das Spiel bestimmt nicht gewonnen, weil Kaep unser QB war.
ich bin schon der meinung, dass manning.... einen von vier versuchen... am ende des spiels... zum td an den mann gebracht hätte... oder er hätte selbst einen spielzug ausgewählt, welcher zum erfolg führt, da er die defense mit sicherheit besser lesen kann als kaep...

Manning hätte eine INT geworfen am Ende...
Grundsätzlich halte ich Vergleiche zwischen den Beiden für Fehl am Platz. Das fängt schon damit an, das es unterschiedliche Typen von QB sind.  8)

Duke

hm, ich sehe zugschefs einschätzung zum thema fullback etwas kritischer. ;)

miller ist zweifelsohne ein guter vorblocker, guter receiver und als spieler/mensch eine bank. aber er ist kein besonders guter fullback, wenn es darum geht, selbst mit dem ball zu laufen (das macht er nämlich nie, was seine gründe haben dürfte), das eine yard bis zum first down zu machen, einfach mit dem ball in die wand reinzuknallen und eben jenes so schwierige letzte yard zu machen.

nicht umsonst haben die 49ers da in den vergangenen jahren mit verschiedenen defensive lineman experimentiert, um mehr durchschlagskraft in short-yardage-situationen zu erzielen. als vergleich (den ich schon einmal gebracht habe): bei den new york giants kommt hynoski rein, kriegt den ball, ballert durch - first down. die 49ers verschieben in solchen situationen manchmal dreimal blocker und receiver, um dann den ball doch an den halfback zu geben. in meinen augen zu kompliziert und nicht effektiv genug.

nur um zu verdeutlichen: ich mag miller als spielertyp, aber er ist kein fullback, eher ein  H-Back. und ehe ein aufschrei losgeht: ich hätte mir in NYC sein Trikot gekauft, wenn es denn angeboten worden wäre. :) 
Rattay is the only quarterback in NFL history to throw 3 consecutive passes all going for touchdowns (2007)

zugschef

Ich gebe dir auch recht. Aber dafuer wo er gedraftet wurde, und dafuer dass er eigentlich defensive end war, spielt er richtig gut.

Duke

Zitat von: zugschef am Do, 11. Dez. ’14, 07:43
Ich gebe dir auch recht. Aber dafuer wo er gedraftet wurde, und dafuer dass er eigentlich defensive end war, spielt er richtig gut.
für ein Konvertiten auf alle fälle gut dabei, grad was das timing der Blocks angeht
Rattay is the only quarterback in NFL history to throw 3 consecutive passes all going for touchdowns (2007)

the_hawk

gibt's eigentlich noch einen anderen Fullback in der NFL, der so viele Receptions und Receiving Yards hat?
Who could possibly have it better than us?

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