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Commentary: Gwen Knapp: Singletary kennt seine Grenzen

Begonnen von stig49, Mo, 5. Jan. ’09, 13:05

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stig49

Die Kolumnistin des SF-Chronicle, Gwen Knapp, sieht einen neuen, hoffnungsvollen Charakterzug bei Mike Singletary:

Das Mutigste, Selbstsicherste, was Mike Singletary in dieser Saison gesagt hat, kam bei der Abschluss-Pressekonferenz letzte Woche und war ein uneingebildetes Eingeständnis. Es deutet darauf hin, dass er in seiner ersten Saison als Head Coach nicht vorhat, Dinge selbst zu tun, die er nicht kann.

Bei der 2007-Draft traf das Team eine der weisesten Entscheidungen des letzten Jahrzehnts, als es Patrick Willis in der ersten Runde draftete. Singeltary sprach damals im Media-Trailer über den jungen Mann, den er bei der Senior Bowl eine Woche lang beobachtet hatte. Singeltary, so dachten alle, war offenbar der Willis-Experte.

Als er diesen Mittwoch aber gefragt wurde, ob er irgendwann dafür gesorgt habe, dass das Team einen anderen Spieler draftet als ursprünglich geplant, war Singeltary ganz offen: ,,Nein, und ehrlich gesagt, ich war auch nicht für Patrick Willis", sagte er. ,,Ich sah ihn und überlegte, sollten wir den draften? Aber ich war ehrlich enttäuscht davon, was ich bei ihm sah". 

Scot McCloughan, so Singeltary, kämpfte von Anfang an für Willis und bat Singeltary, seine Meinung zu überdenken. ,,Ich sah ihn also noch mal an, und sagte: Magst Du den wirklich? Scot antwortete: Ich kenne Deine Meinung, aber der ist wirklich gut, und wird mal noch viel besser sein".

Bis zum Tag der Draft, so Singletary, hatte er dann mehr Informationen über Willis und unterstützte nun McCloughan's Position.

Dem General Manager zu schmeicheln ist nie schlecht für einen neuen Headcoach. Aber Singeltary hätte es auch nur kurz andeuten können. Stattdessen gab er den gesamten Dialog wieder, zeigte damit seine eigenen Grenzen auf und löschte so selbst ein gesamtes Kapitel seines Handbuchs als neuer Headcoach aus.

Wo war da Singletarys Eitelkeit geblieben? Wo war seine Neurose, die Unsicherheit, die ihn als Umkleidekabinen-Macho auftreten liess?

Anders als viele andere Headcoaches scheint Singletary zu verstehen, dass er nicht alles wissen kann und auch nicht können muss. Klar, er sagte am Mittwoch, er kontrolliere den Roster, obwohl McCloughan sein Vorgesetzter ist. Die beiden, so Singletary weiter, würden alles mit Kompromissen lösen – diese Aussage war ein Ausrufezeichen, weil NFL-Headcoaches sind normalerweise  von Natur aus kompromissfeindlich.

Aber Singletary hat gesehen, was geschehen ist, als Mike Nolan General Manager und Head Coach gleichzeitig sein wollte. Er versteht vermutlich auch, dass sowohl Mike Homgren als auch Mike Shanahan in Schwierigkeiten kamen, weil sie coachen und das Front Office kontrollieren wollten.

Beide haben einen genialen Football-Verstand, aber das merkte man nicht im Front Office. Als Holmgren nach vier Jahren in Seattle als General Manager abgelöst wurde, konzentrierte er sich auf das Coachen und führte die Seahawks in den Super Bowl. Shanahan, den alle als lebenslangen Coach in Denver sahen, verlor seinen Job vor allem deshalb, weil er als GM versagt hat. Jahrelang war die Draft unter ihm ein sinnloser Akt für die Broncos, weil Shanahan ständig Defensivspieler falsch einschätzte.

Andere Headcoaches haben die Zweifach-Arbeit hinbekommen, aber fast alle hatten exzellente Hilfe in Personalangelegenheiten. Bill Walsh hatte seinen Super-Scout Tony Razzano, der ihn angeblich überredete, Joe Montana anstatt von Steve Dils zu draften. Bill Belichick hat die absolute Kontrolle in New England, aber er stützt sich dabei auf Spieler-Direktor Scott Pioli, dem der General Manager-Job in Cleveland angeboten wurde.

Die Struktur eines Football-Teams ist wichtig, aber wichtiger sind die Menschen darin. Nolan scheiterte nicht, weil er drei Jahre auch der GM war. Er scheiterte aus demselben Grund, aus dem er zwei Titel gleichzeitig wollte: Ihm waren seine Titel wichtiger als eine Vision für die  Zukunft.

Singletary kann auch ganz schön stur sein. Wenn er das nicht wäre, wäre er kein Headcoach. Aber er legt Wert, darauf, dass sein Stil gespielt wird - nicht auf einen Spitzenposition im 49ers-Management.

Einmal sagte er bei der Pressekonferenz sechs Mal innerhalb von einer Minute das Wort ,,Kompromiss". Anfangs klang das falsch, aber dann gab Singletary offen zu, dass er bei Willis falsch lag. Plötzlich scheint alles möglich.


Quelle: Gwen Knapp, SF Chronicle, 3.1.

Dillinger


stig49

Zitat von: Dillinger am Mo,  5. Jan. ’09, 15:10
Komischer Artikel.
Ich fand, sie hat da gut beobachtet. Dass Singletary sich weiterentwickeln muss, ist ja klar.

Niner

Zitat von: stig49 am Mo,  5. Jan. ’09, 15:32
Zitat von: Dillinger am Mo,  5. Jan. ’09, 15:10
Komischer Artikel.
Ich fand, sie hat da gut beobachtet. Dass Singletary sich weiterentwickeln muss, ist ja klar.

gut beobachtet und psychologisch/emotional. Macht mir Sing etwas sympatischer. Skepsis bleibt aber, ob er das ausreichende Stehvermögen hat.
Win, Lose or Tie - I´m a Niner until I die

Dillinger

So was schreib ich hier ab und an, wenn ich nen EMotionalen kriege. Ist aber... ach, wahrscheinlich ist es wirklich ein gutes Zeichen. Ich bin nur ein bisschen satt, was gute Aussichten angeht. Würde am liebsten nen Zeitsprung machen zum Training Camp. Mir grauts schon jetzt vor der Flut an Einschäötzungen und Mutmaßungen der Journalisten. Und weil ne Frau was beobachtet hat - oje, das hört sich frauenfeindlich an - muss man keinen Artikel drüber schreiben. Ich weiß nicht, das ist vielleicht selbstbezogener Quatsch, den ich hier schreibe, aber vielleicht hab ich auch recht.

matsemm

ich find den Artikel auch irgendwie komisch, eher aber auch von der Art und Weise wie er geschrieben ist, vom Inhalt her ist der wenn man die Kernaussagen rausnimmt aber nicht schlecht. Aber wie Dillinger schon geschrieben hat, so langsam sollten wir nach den letzten Jahren vorsichtig sein mit dem Optimismus den ja auch solche Artikel auf die eine oder andere Art und Weise zeigen.
Ich glaub jetzt hab ich grad ein bißchen verwirrend geschrieben, poste es aber trotzdem, grins

stig49

Zitat von: Dillinger am Mo,  5. Jan. ’09, 20:56
So was schreib ich hier ab und an, wenn ich nen EMotionalen kriege. Ist aber... ach, wahrscheinlich ist es wirklich ein gutes Zeichen. Ich bin nur ein bisschen satt, was gute Aussichten angeht. Würde am liebsten nen Zeitsprung machen zum Training Camp. Mir grauts schon jetzt vor der Flut an Einschäötzungen und Mutmaßungen der Journalisten. Und weil ne Frau was beobachtet hat - oje, das hört sich frauenfeindlich an - muss man keinen Artikel drüber schreiben. Ich weiß nicht, das ist vielleicht selbstbezogener Quatsch, den ich hier schreibe, aber vielleicht hab ich auch recht.
Stimmt ja alles - andererseits ist das Kolumnenschreiben der Beruf dieser Frau, also kann sie das Artikelschreiben ja nicht einfach einstellen bis zum Trainingscamp.

Zacharry

die letzten erfolge der 49ers sind nicht allein auf sing zurückzuführen, wie man hier oftmals in euphorischen fan-texten zu lesen bekommt. der rauswurf von nolan war der entscheidende schritt. sing war dann nur zur richtigen zeit am richtigen ort. eine sache die ich schon immer vertreten habe: sing war in seiner bis jetzt kurzen HC karriere vom erstn bis zum letzten tag überbewertet.

wenn en HC kompromisse eingeht kann das 2 dinge bedeuten: entweder er holt sich gute ratschläge ein und ändert seine meinung weil er einsieht, dass sie nicht die beste war. oder er hat eben keinen wirklichen plan und die experten um ihn herum schaffen es, ihm seine ansichten auszureden.

zach

MoRe99

Zitat von: Zacharry am Di,  6. Jan. ’09, 13:58
wenn en HC kompromisse eingeht kann das 2 dinge bedeuten: entweder er holt sich gute ratschläge ein und ändert seine meinung weil er einsieht, dass sie nicht die beste war. oder er hat eben keinen wirklichen plan und die experten um ihn herum schaffen es, ihm seine ansichten auszureden.
Wer hier auf dem Board wohl welcher der beiden Interpretationen anhängen mag? :noidea: ;)
"Fear can hold you prisoner. Hope can set you free." (Stephen King)

stig49

Zitat von: MoRe99 am Di,  6. Jan. ’09, 14:41
Zitat von: Zacharry am Di,  6. Jan. ’09, 13:58
wenn en HC kompromisse eingeht kann das 2 dinge bedeuten: entweder er holt sich gute ratschläge ein und ändert seine meinung weil er einsieht, dass sie nicht die beste war. oder er hat eben keinen wirklichen plan und die experten um ihn herum schaffen es, ihm seine ansichten auszureden.
Wer hier auf dem Board wohl welcher der beiden Interpretationen anhängen mag? :noidea: ;)
Das hiesse also logischerweise, nur der hat als Führungskraft wirklich was drauf, der die Meinung anderer grundsätzlich ignoriert?
Ich finde, es kann - muss nicht - auch noch eine dritte Sache bedeuten: Dass jemand zuhören kann, bevor er seine Entscheidung trifft.



Zacharry

Zitat von: stig49 am Di,  6. Jan. ’09, 15:04
Zitat von: MoRe99 am Di,  6. Jan. ’09, 14:41
Zitat von: Zacharry am Di,  6. Jan. ’09, 13:58
wenn en HC kompromisse eingeht kann das 2 dinge bedeuten: entweder er holt sich gute ratschläge ein und ändert seine meinung weil er einsieht, dass sie nicht die beste war. oder er hat eben keinen wirklichen plan und die experten um ihn herum schaffen es, ihm seine ansichten auszureden.
Wer hier auf dem Board wohl welcher der beiden Interpretationen anhängen mag? :noidea: ;)
Das hiesse also logischerweise, nur der hat als Führungskraft wirklich was drauf, der die Meinung anderer grundsätzlich ignoriert?
Ich finde, es kann - muss nicht - auch noch eine dritte Sache bedeuten: Dass jemand zuhören kann, bevor er seine Entscheidung trifft.




absolut richtig stig. nur ist hier die rede von kompromissen, und deren natur ist es nun mal, nichts halbes und nichts ganzes zu sein. hat man einen klaren plan und die macht, diesen durchzusetzen, gibt es keine kompromisse. das gefällt mir alles gar nicht.

zach

stig49

Zitat von: Zacharry am Di,  6. Jan. ’09, 19:09
Zitat von: stig49 am Di,  6. Jan. ’09, 15:04
Zitat von: MoRe99 am Di,  6. Jan. ’09, 14:41
Zitat von: Zacharry am Di,  6. Jan. ’09, 13:58
wenn en HC kompromisse eingeht kann das 2 dinge bedeuten: entweder er holt sich gute ratschläge ein und ändert seine meinung weil er einsieht, dass sie nicht die beste war. oder er hat eben keinen wirklichen plan und die experten um ihn herum schaffen es, ihm seine ansichten auszureden.
Wer hier auf dem Board wohl welcher der beiden Interpretationen anhängen mag? :noidea: ;)
Das hiesse also logischerweise, nur der hat als Führungskraft wirklich was drauf, der die Meinung anderer grundsätzlich ignoriert?
Ich finde, es kann - muss nicht - auch noch eine dritte Sache bedeuten: Dass jemand zuhören kann, bevor er seine Entscheidung trifft.




absolut richtig stig. nur ist hier die rede von kompromissen, und deren natur ist es nun mal, nichts halbes und nichts ganzes zu sein. hat man einen klaren plan und die macht, diesen durchzusetzen, gibt es keine kompromisse. das gefällt mir alles gar nicht.

zach
da hast Du natürlich auch recht! Ich glaube aber, wir legen hier Worte zu sehr auf die Goldwaage. Die Zeit wird zeigen, was er genau mit "Kompromissen" meint.  Wenn er sich wirklich nicht durchsetzen kann oder gar keinen Plan hat, dann hat er ein Problem. Ich glaube bislang aber, er hat einen genauen Plan - siehe Martz. Da war er nämlich überhaupt nicht kompromissbereit.

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