nachdem der Kommentar vom zugschef noch auf sich warten lässt, einmal ein paar Eindrücke von meiner Seite:
Ich habe am Wochenende einen persönlichen Rekord aufgestellt, indem ich mir drei Spiele live angesehen habe, zum Start gab's gleich als Leckerbissen die Revanche zum Vorjahrsfinale auf der Hohen Warte, danach dann Vienna Knights gegen St. Pölten Invaders auf der Schmelz und schliesslich am Sonntag noch die Vikings II gegen die Bulls aus Salzburg. Der Reihe nach:
Graz Giants @ Vienna Vikings
Nachdem der Schreiber dieser Zeilen als Giants-Fan einige Jahre der Demütigung (und vor allem der mehr oder weniger süffisanten Kommentare der umgebenden Vikings-Fans) über sich ergehen lassen musste, war es diesen Samstag Zeit, sich dafür zu revanchieren. Sehr früh brachten die Grazer das Spiel unter ihre Kontrolle, gingen mit dem ersten TD schon nach knapp drei Minuten in Führung um diese nach dem kurzfristigen Ausgleich der Vikings nicht mehr aus der Hand zu geben.
Spielentscheidend waren wohl mehrere Faktoren:
1. Die Abgänge bei den Vikings
Trotz der vielgelobten Nachwuchsarbeit ist es den Vikings nicht gelungen, die teilweise prominenten Abgänge adäquat zu ersetzen. Bei den beiden 150 kg-Bröckerln Baumberger und Pötzelberger aus der O-Line ist das auch nicht weiter verwunderlich, aber auch das Fehlen von WR Joe Widner, WR Chris Rosier und LB Mike Latek, war teilweise deutlich zu sehen. Dass es im LB Corps der Vikings damit merklich dünner geworden ist wurde vor allem nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Roman Floredo offenbar.
2. Dumme Strafen gegen die Vikings
Man mag ja über die Schiedsrichterleistung geteilter Meinung sein, aber die zahlreichen Personal Fouls (darunter gleich - wenn mich meine Erinnerung nicht trügt - drei Late Hits der Offense(!)) machen es nicht unbedingt leichter. Bei den Spielen gegen die Giants gehen die Emotionen erfahrungsgemäß mehr als bei jedem anderen Gegner in die Höhe, aber ein wenig mehr Disziplin ist erforderlich, will man sich nicht selbst schaden.
3. Die Verstärkungen der Grazer
Mit dem neuen Quarterback Chris Gunn ist den Giants ein Goldgriff gelungen, an dem sie aller Voraussicht nach noch viel Freude haben werden. Der Mann vereint Pass und Lauf in einer Person, warf drei TDs und erlief einen selbst, wobei man natürlich noch sehen wird, wie das gegen eine weniger "ersatz"geschwächte Verteidigung aussieht.
Auch die Defense wurde durch den Zugang von DE Samuel Carter (laut bescheidener Meinung der Grazer "der beste Spieler, der je in Österreich gespielt hat") wesentlich verstärkt, was stark dazu beigetragen hat, dass sich der QB der Vikings, Luke Atwood, viermal hinter der Line of Scrimmage am Boden liegend wiederfand. Damit haben die Giants ihre Saison - Sackzahl aus dem vorigen Jahr gleich im ersten Spiel vervierfacht.
Endergebnis: 33:20 für die Giants, die wohl mit diesem Spiel bewiesen haben, dass man sich auch heuer trotz der oft kritisierten "alten" Mannschaft (Schnitt 27,3 Jahre) wieder zu den Titelfavoriten zählen darf. Die ganze Wahrheit wird man aber wohl frühestens nächste Woche erfahren, wenn die Vikings die Raiders aus Tirol empfangen. Dann wird auch feststehen, ob die von einigen Kommentatoren schon prognostizierte Wachablöse in der AFL, die seit Ende der 90er von den Vikings dominiert wurde, tatsächlich stattgefunden hat.
St. Pölten Invaders @ Vienna Knights
Gleich nach Spielende ging es dann weiter auf die Schmelz, wo das Division I Spiel (leider etwas knapp) drei Stunden nach Kickoff des AFL Schlagers von der Bühne ging. Der Favorit stand mit den St. Pölten Invaders, im Vorjahr Finalist in der Silver Bowl, schon fest, obwohl der einzige Sieg der Knights im Vorjahr ausgerechnet gegen die Invaders gelungen war. Trotzdem war 2007 für die Knights nur der letzte Platz in der Tabelle zu holen gewesen, und auf diesem erwartet man sich wohl auch dieses Jahr wiederzufinden.
So war es wenig überraschend, dass der Spielstand beim Eintreffen meiner Person schon recht deutlich 33:0 für die Invaders war, kurz darauf auch noch auf 40:0 erhöht wurde. Eine herausragende Leistung bot an diesem Abend eigentlich nur die Platzsprecherin der Knights, die mit Kommentaren wie "First Down für die Knights, falls das hier noch irgendjemanden interessiert" glänzte. Jedenfalls haben wir uns königlich amüsiert, wenn auch die zweite Halbzeit wegen der durch den hohen Rückstand in Kraft gesetzten Mercy Rule (die Uhr wird nicht mehr angehalten, somit dauert die zweite Halbzeit brutto 24 Minuten) etwas kurz ausfiel, dafür aber noch mit den Anstandsscore der Knights, Endergebnis 14:40.
Dass das aber die letzte Niederlage dieses Ausmaßes für die Knights sein wird, wurde dem Chronisten dann aus gewöhnlich gut informierter Quelle zugespielt, hinderlich könnte daran höchtstens noch sein, dass die Coaches der Quelle beschließen selbige wie schon am letzten Samstag nicht aufs Feld zu schicken...
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass es bei den Knights so richtig schön familiär zuging und man mich sicherlich im Laufe der Saison noch das ein oder andere Mal im Publikum bei den Schwarzen Rittern finden wird.
Salzburg Bulls @ Vienna Vikings II
Am Sonntag gab's dann ein Highlight in der Division I, wo die Vikings II die Salzburger Bulls, einen Mitanwärter auf die Silver Bowl empfingen. Anfangs lief es auch recht gut für die Bulls, die Partie versprach (bei deutlich weniger familiärer Kulisse als bei den Knights) eine spannende zu werden. Dem TD der Vikings (PAT daneben) folgte eine schöne Angriffsserie der Bulls, die erst mit einer verfehlten Fourth Down Conversion zu Ende ging. Hätte man sich hier für das in Reichweite liegende Field Goal entschieden, dann wäre man mit dem folgenden Angriff noch einmal auf Gleichstand herangekommen.
Hat man aber nicht, und das Spiel begann leider wie auf einer schiefen Ebene zu laufen. Recht schnell war den Vikings klar geworden, dass die Bulls mehr oder weniger ausschließlich auf den Pass setzten, was der Defense das Leben nicht unbedingt erschwerte. Vielleicht wäre es hier doch anzuraten, den Gameplan etwas variabler zu gestalten, auch wenn man den echten Power-RB nicht im Team hat. Zu leicht war es für den Geger, den nächsten Spielzug zu erraten, was dann im Endeffekt auch zu vier Interceptions geführt hat.
Die Bulls haben Potential, das Passspiel ist sehenswert, aber wenn man kein Laufspiel zustande bringt, dann wird es wohl auch gegen die Invaders sehr schwer werden. Das Endergebnis für dieses Spiel bin ich noch schuldig: Mit 33:3 ein - wenn auch nicht in dieser Höhe - verdienter Sieg für die Vikings II.