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In-Depth: Warum Viertrundenpick Joe Williams 2016 kurzzeitig zurück trat

Begonnen von MoRe99, So, 30. Apr. ’17, 12:41

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MoRe99

Im September 2016, nach dem zweiten Spiel der Collegesaison, trat Running Back Joe Williams zurück und ließ sein Team, die Utah Utes, im Stich. So könnte man meinen, aber hinter diesem Rücktritt steht viel mehr als mangelnde Liebe zum Football. Williams kehrte wenige Wochen später zurück, als mehrere Running Backs verletzt ausfielen und das Team dringend Hilfe brauchte. Williams verzeichnete in den neun Spielen nach seiner Rückkehr insgesamt 1407 Yards (6,7 Yards pro Lauf) und erzielte dabei 10 Touchdowns. In seinem letzten Spiel, einem Sieg gegen Indiana im Foster Farms Bowl - übrigens im Levi's Stadium - kam er bei 26 Läufen auf 222 Yards. Diese Leistung wurde mit dem MVP-Titel belohnt. Dass Williams ein talentierter Running Back ist bezweifelte vor dem Draft niemand. Sein zeitweiliger Rücktritt ließ aber etliche Teams von ihm Abstand nehmen, zumal es nicht die einzige rote Flagge für ihn war.

Williams schloss im Frühjahr 2011 die Emmaus High School (pa.) ab. Den Herbst 2011 verbrachte er an der Fork Union (Va.) Military Academy. Im Jahr 2012 ging er dann zur University of Connecticut (UConn), wo er aber nur sporadisch zum Einsatz kam. In 9 Spielen bekam er lediglich drei Mal den Ball und erlief nur sechs Yards, alle im Spiel gegen Temple. Für Williams war es schwer, ohne die klare Struktur auskommen zu müssen, die er im Herbst zuvor an der Militärakademie kennen gelernt hatte, und er fühlte sich dadurch verloren. Williams nutzte die Kreditkarte eines Teamkameraden ohne dessen Wissen. Wegen Kreditkartendiebstahls wurde er verhaftet und musste UConn verlassen.

2013 hatte er kein Team, ging aber 2014 dann zum ASA College in Brooklyn, N.Y., wo er als Sophomore ins Second-Team NJCAA All-American gewählt wurde. Außerdem wurde er ins First-Team All-Northeast Football Conference Team gewählt. Williams führte die Northeast Football Conference im Rushing an und war mit seinem 156,1 Yards pro Spiel landesweit der viertbeste Running Back. Insgesamt erzielte er 2014 in sieben Spielen bei 163 Läufen 1093 Yards (6,7 Yards pro Lauf) und fing 16 Pässe für 237 Yards. In der Conference war er mit 199 Yards/Spiel Bester in Sachen All-Purpose Yards.

Nach der Saison 2014 wechselte er zur University of Utah, für die er noch zwei Jahre spielberechtigt war. Seine Chance kam erst, als sich Utahs Starting Running Back Devontae Booker, der letztes Jahr von den denver Broncos in der vierten Runde gedraftet wurde, verletzte. Seine neue Rolle als Starting Running Back füllte er hervorragend aus und erzielte teilweise spektakuläre Ergebnisse. So erlief er mit 322 Yards im Spiel gegen UCLA einen Schulrekord. Sein Rücktritt nach dem zweiten Spiel der Saison 2016 ließ aber Zweifel an seiner Liebe zum Football aufkommen, zumal es zunächst hieß, er würde mit dem mentalen Aspekt des Footballspiels nicht klar kommen. Doch hinter seinem Rücktritt steckt viel mehr.

Kylee, die siebenjährige kleine Schwester von Joe Williams, die an einem Wochenende im Juni 2007 immer wieder kurzzeitig im Krankenhaus war, starb in seinen Armen, nachdem sie aus ihrem Bett gefallen war. Ein Herzproblem, wohl eine Folge des Sturzes, war nicht rechtzeitig diagnostiziert worden. Nachdem die Autopsie ergab, dass Notfallmaßnahmen ihren Tod hätten verhindern können, nahm Williams, der damals 13 Jahre alt war, die Schuld auf sich, denn er machte sich Vorwürfe, nicht schnell genug reagiert zu haben. "Es war die Schuld und die Scham, die ich auf mich nahm, weil ich nicht schnell genug gehandelt hatte, oder meine Eltern nicht geweckt hatte, oder den Notruf nicht gewählt hatte," sagte Williams. "Ich dachte immer, es wäre meine Schuld gewesen. Während meiner Zeit an der High School und am College bekam ich psychologische Betreuung, aber ich versuchte immer, das System zu manipulieren."

"Weil es schwer war einem damals Heranwachsenden zu sagen, dass dass seine kleine Schwester starb und er daran keine Schuld trägt. Ich wollte den Rat nicht wirklich annehmen und auf die Weise trauern, wie ich sollte. Daher kamen viele Gefühle hoch, als es in die letzte Saison bei Utah ging und ich versuchte, mit diesen in der mir bestmöglichen Weise umzugehen."

Williams ist mittlerweile 23 Jahre als und verheiratet. Er hat ein Tattoo mit dem Schriftzug "My Sister's Keeper", zusammen mit ihrem Namen und den Daten ihres Geburt- und ihres Todestags auf seinem linken Arm. Sein Rücktritt im September 2016 tat Williams seiner eigenen Aussage zufolge viel mehr für die Verarbeitung des tragischen Unglücks seiner kleinen Schwester als in den zehn Jahren zuvor zusammen. Er bekam psychiatrische Hilfe, um sein Leben endlich wieder in Ordnung zu bekommen, denn es war "ein heilloses Durcheinander". In dieser Zeit ließ er sich auch das Tattoo stechen, das ihm bei der Bewältigung half. Williams sagt, dass er sich nach 10 Jahren schließlich selbst vergeben konnte.

Williams sagt, dass er aus seinen Fehlern gelernt hat und versichert den 49ers-Fans, dass er "eine komplett neue Person" ist. Er bestätigte, dass die Scouts der 49ers deswegen tief in seinem Charakter gegraben haben.

"Football ist, was ich trinke und atme," sagte Williams. "Football ist, wofür ich morgens aufwache und womit ich für meine Familie sorgen möchte."

"Sie war alles, und sie ist immer noch alles. Sie ist nun nicht mehr da. Sie ist der Chip auf meiner Schulter, den ich jeden Tag nutze. Er bringt mich aus dem Bett, er bringt mich dazu, mich auf die Dinge zu fokussieren, auf die ich achten muss. In den nächsten Tagen wird er mir die Starthilfe für meine NFL-Karriere geben, um der bestmögliche Running Back zu werden, der ich sein kann."

Quellen: Eric Branch, ninersnation.com, utahutes.com u.a.
"Fear can hold you prisoner. Hope can set you free." (Stephen King)

zugschef

#1
Danke für die Mühe!

Ich bin sogar eher positiv gestimmt durch diese Geschichte. Meiner Meinung nach war das eine sehr reife und vernünftige Entscheidung.

reagan - The Left Hand

"Geld spielt keine Rolle. Unser Ziel ist der Gewinn des Super Bowls" so York.

MoRe99

Zitat von: zugschef am So, 30. Apr. ’17, 12:54
Danke für die Mühe!

Kein Ding! Das Thema hat mich selber sehr interessiert.

Zitat
Ich bin sogar eher positiv gestimmt, durch diese Geschichte. Meiner Meinung nach war das eine sehr reife und vernünftige Entscheidung.

Absolut! Wenn das tatsächlich gewirkt hat könnte sich dieser Pick, der teilweise mit "F" bewertet wurde, als Monster-Steal heraus stellen. Ich würde mich darüber freuen, zum einen für die Niners, zum anderen aber auch und besonders für Williams.
"Fear can hold you prisoner. Hope can set you free." (Stephen King)

Runner-King

#4
Er scheint so etwas wie eine Wundertüte zu sein. So lange er gespielt hat, wäre er seinen Leistungen zufolge wohl ein Firstrounder gewesen. UCLA ist ja nun wirklich keine Laufkundschaft und gegen die erläufst du nicht 322 yards, wenn du eine Niete bist. Er könnte sowohl an seinen Problemen scheitern, oder den 49ers noch große Freude bereiten. Natürlich wünsche ich ihm letzteres persönlich und auch dem Team

sf49er

Aber es ist doch auch geil, wieviel Mühe sich die Scouts der Niners geben, bei diesem Fall so ins Detail zu gehen.


Flames1848

Gut das er die Kurve bekommen hat und hoffe es geht weiter bergauf für ihn...
Some guys practice like all-Americans but they can't play! - Joe Montana

Runner-King

Zitat von: sf49er am So, 30. Apr. ’17, 13:31
Aber es ist doch auch geil, wieviel Mühe sich die Scouts der Niners geben, bei diesem Fall so ins Detail zu gehen.
Dafür werden sie bezahlt!

Klaus

Es ist sekundär was dabei rauskommt, die Chance hat er verdient! Jetzt liegts an ihm, uns viel Freude zu bereiten!

rene1511

Ui echt schwer... Ich kann mir bei der Geschichte nicht vorstellen das er das was er in seiner Kindheit erlebt hatte überwunden hat... Das wird ihm leider immer Verfolgen... Nur hoffe ich für ihn das er es packt... Als Mensch klar zu kommen... und wenn er dann noch bei uns die Leistung abrufen kann....

vorschi

Zitat von: Runner-King am So, 30. Apr. ’17, 13:58
Zitat von: sf49er am So, 30. Apr. ’17, 13:31
Aber es ist doch auch geil, wieviel Mühe sich die Scouts der Niners geben, bei diesem Fall so ins Detail zu gehen.
Dafür werden sie bezahlt!
Ganz so einfach ist das nicht. Es melden sich hunderte Spieler zum Draft an, weshalb es auch praktisch unmöglich ist von jedem Prospect den genauen Hintergrund zu prüfen, besonders bei Late Roundern. Da passiert es eben dass jemand wie Williams schon früh vom Board genommen wird, einfach weil die Ressourcen fehlen alle Spieler genau durchzuchecken.

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