Vor 30 Jahren Joe Montana zu Dwight Clark. Vor 13 Jahren Steve Young zu Terrell Owens. Und diesmal Alex Smith zu Vernon Davis. Ist "The Catch" nun eine Trilogie?
Nicht, wenn es nach Davis geht: "Man sollte es 'The Grab' nennen. Wir lagen hinten. Ich musste es ermöglichen, um meine Teamkameraden dahin zu bringen, wo wir hin wollen."
Die Rede ist von Smith's 14-yd Touchdown Pass zu Davis, mit dem die San Francisco 49ers neun Sekunden vor Schluss einen nicht mehr für möglich gehaltenen 36-32 Sieg gegen die New Orleans Saints landeten.
Es war ein wahrhaft denkwürdiges Spiel auf angemessener Bühne, handelte es sich doch um das erste Playoff-Spiel der 49ers seit neun Jahren.
"Dies ist eine große Sache für uns.", so Davis. "Es ist Geschichte. Es ist Legende."
Smith, der No. 1 Pick von 2005, der in seinen ersten sechs Saisons so oft ausgebuht wurde, fand Davis im ersten Quarter für einen 49-yd Touchdown Pass und dann Michael Crabtree für einen 4-yd Touchdown. Kurz darauf profitierten die 49ers von einem gefumbleten Punt Return und erhöhten durch ein Field Goal von David Akers auf 17-0.
Die 49ers schienen das Momentum komplett auf ihrer Seite zu haben, doch dann holten die Saints auf. Brees warf einen 14-yd Touchdown Pass zu Jimmy Graham und einen 25-Yarder zu Marques Colston, und so stand es zur Halbzeit nur 17-14, obwohl die 49ers zu diesem Zeitpunkt bereits vier ihrer fünf Turnovers forciert hatten.
Auch im dritten Quarter stotterte der Offensiv-Motor der 49ers bedenklich. Aber die Defense hielt, wenn es darauf ankam, und so blieb David Akers' Field Goal zum 20-14 der einzige Score des dritten Quarters.
Im vierten Quarter verwandelte John Kasey ein Field Goal für die Saints, bevor Akers den 6-Punkte-Abstand wiederherstellte.
4:02 Minuten vor Schluss gingen die Saints erstmals in Führung. Drew Brees warf einen 44-yd Touchdown Pass zu Darren Sproles - einer von Sproles' 15 Catches für 119 yds - und es stand 24-23 für die Saints.
Da die 49ers Offense zweieinhalb Quarters fast nichts mehr zustande gebracht hatten, sprach nun vieles für die Saints. Doch Frank Gore gab den 49ers genau das, was sie brauchten, nämlich ein Big Play, mit dem er die 49ers in Field-Goal Range brachte. Doch 2:11 vor Schluss lief Alex Smith bei 3rd-and-8 von der 28 einen Bootleg der linken Sideline entlang in die Endzone.
Die Two-Point Conversion, mit der man den Vorsprung auf sieben Punkte hätte ausbauen können, schlug fehl, und so blieb es beim 29-24. Und Drew Brees und seine Saints hatten noch Zeit, um zurückzuschlagen.
Viel Zeit brauchten sie allerdings nicht. Mit dem vierten Play nach dem Kickoff warf Brees einen Pass zu Graham, und dieser setzte sich im Defensive Backfield durch und lief für 66 yds in die Endzone. Auch die Two-Point Conversion glückte, und so führten die Saints 1:37 vor Schluss mit 32-29.
Nun sprach alles für die Saints. Kyle Williams konnte den Kickoff nur bis an die eigene 15-yd-Linie returnieren. Die 49ers würden doch sicher nicht die Offensiv-Feuerkraft haben, um jetzt wenigstens mit einem Field Goal die Overtime zu forcieren?
Weit gefehlt, denn als nächstes passierte folgendes:
* * *
1st-and-10 von der eigenen 15 (1:32):
Aus der Shotgun wirft Smith einen Screen Pass zu Gore, der für 7 yds Raumgewinn die 22-yd-Linie erreicht und in-bounds bleibt.
2nd-and-3 von der eigenen 22 (1:07):
Die 49ers gehen No-Huddle, aus der Shotgun wirft Smith einen weiteren kurzen Pass zu Gore, der für 11 yds und ein neues First Down die 33-yd-Linie erreicht und in-bounds bleibt.
1st-and-10 von der eigenen 33 (0:44):
Smith wirft einen tiefen Pass zu Brett Swain, der den Ball mit den Fingerspitzen berührt, aber nicht fangen kann.
2nd-and-10 von der eigenen 33 (0:40):
Aus der Shotgun wirft Smith tief auf die linke Seite zu Vernon Davis, der den Ball an der gegnerischen 45 fängt und an der 20-yd-Linie out-of-bounds geht.
1st-and-10 von der 20 (0:31):
Aus der Shotgun wirft Smith einen kurzen Pass zu Gore, der für 6 yds die 14-yd-Linie erreicht.
2nd-and-4 von der 14 (0:20):
Smith spiket den Ball, um die Uhr anzuhalten.
1st-and-10 von der 14 (0:14):
Smith wirft über die Mitte zu Davis, der den Ball auf der Goal Line fängt - TOUCHDOWN!
* * *
Wie weiland Terrell Owens, weinte Davis nach seinem entscheidenden Touchdown vor Freude an der Sideline, während er von Coach Jim Harbaugh umarmt wurde. Aber anders als Owens damals, hatte Davis zuvor nicht mit Drops, sondern mit produktiven Catches geglänzt - insgesamt fing er sieben Pässe für 180 yds und zwei Touchdowns.
Smith beendete das Spiel mit 24-von-42 für 299 yds und einem Rating von 103,2.
"Die Jungs waren so zuversichtlich.", so Smith nach dem Spiel. "So lange wir noch Zeit hatten, hatten wir noch eine Chance."
"Es zeigt, dass er zu einem Elite-Quarterback wird.", so Linebacker Patrick Willis über Smith' Leistung. "Ich bin froh, dass die Welt sehen konnte, was er heute getan hat."
Über weite Strecken des Spiels waren es aber Willis und seine Defense-Teamkameraden sowie die Special Teams, die für die 49ers das Spiel machten.
Zwar konnte Brees 40 seiner 63 Pässe für 462 yds und vier Touchdowns anbringen, aber er wurde auch dreimal gesackt und warf zwei Interceptions. Dashon Goldson und Tarell Brown fingen Brees' erste beiden Postseason-Interceptions seit fünf Jahren. Aldon Smith, Ahmad Brooks und Justin Smith verzeichneten die Sacks.
David Akers verwandelte Field Goals aus 25, 41 und 37 yds. Andy Lee erreichte mit seinen acht Punts einen Netto-Durchschnitt von 43,4 yds und platzierte deren vier in der gegnerischen Red Zone. Die Kickoffs wurden zuverlässig gut gecovered, und Brian Costanzo und Madieu Williams forcierten Fumbles.
Die Saints erhielten keine einzige Strafe während des Spiels. Sie outgainten die 49ers mit 472-407 yds, verzeichneten 26-17 First Downs und hatten 31:20 Minuten lang Ballbesitz.
Aber am Ende feierten 69.732 Zuschauer (also nach Adam Riese unser Board-Mitglied sfHawk plus 69.731) bei sonnigem Wetter im Candlestick Park den Einzug von Jim Harbaugh's 49ers ins NFC Championship Game.
In ihrem ersten Conference-Finale seit 14 Jahren werden die 49ers entweder im Lambeau Field bei den Green Bay Packers antreten oder daheim gegen die New York Giants.
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