Ich hatte mich schon die ganze Woche auf dieses Spiel gefreut, und meine Erwartungen wurden noch übertroffen. Ich kann mich nicht erinnern, wann die 49ers zuletzt Proponenten einer derart hochklassigen – im Sinne von Top-of-the-League – Partie waren. Wie Plummer50 bereits angemerkt hat: das Spiel hatte durch und durch Playoff-Charakter. Es war wirklich toll anzusehen, und selbst wenn das Spiel noch verloren gegangen wäre, hätte es mir nicht mehr viel ausgemacht. Alleine schon die Tatsache, nach all den bitteren Jahren in einem Spiel gegen ein absolutes Top-Team bis zum Schluß auf Nadeln sitzen
zu dürfen, ist Grund zur Freude.
Ganz ehrlich: ich hatte durchwegs das Gefühl, daß die Giants am Ende ganz knapp gewinnen würden. Vor allem an der Line of Scrimmage hatten die Giants aus meiner Sicht auf beiden Seiten des Balles einen leichten Vorteil, und gerade solch engen Partien werden oft dort entschieden. Auch insgesamt kamen sie mir um einen kleinen Tick stärker vor als die 49ers; wie sie den Ball in der Offense bewegt haben war streckenweise wirklich eindrucksvoll. Mehr First Downs, mehr Yards, mehr Time of Possession und eine bessere Third-Down-Rate sprechen eigentlich für sich.
Mir kam auch unsere Defense phasenweise zu überaggressiv vor. In den ersten Spielen zu Saisonbeginn hätte ich es gerne öfter gesehen, daß mehr als vier Leute den Quarterback rushen – gestern war es genau andersrum. Besonders der Blitz beim letzten TD-Pass der Giants war von vornherein zum Scheitern verurteilt, und auch sonst hat man für meinen Geschmack teilweise zu viel gegambled. Mit Ausnahme seiner ersten Interception war Manning wirklich gut und hat unsere Lücken ordentlich genutzt. Ich hätte mir ab und zu gewünscht, nur einen konventionellen Rush zu schicken und ihm dafür eine Lücke weniger zu lassen.
Der Unterschied: die entscheidenden Momente, die »Clutch«-Momente, gehören diese Saison einfach uns. Es ist schon fast erschreckend, wie effizient wir immer wieder unsere Chancen nutzen.
- Aus den zwei Interceptions machen wir zehn Punkte.
- Aus dem mißratenen Punt der Giants wird ein Touchdown samt Two Point Conversion.
- Justin Smith macht bereits zum zweiten Mal (!) in dieser Saison den Sack endgültig zu.
- David Akers ist eine Maschine, und der erfolgreiche Onside Kick, der letztlich drei Punkte bringt, ist der Zuckerguß auf seiner Leistung.
»Finding Ways to Win« ist heuer unser Motto, und wir sind wirklich gut darin. =)
Auch Alex Smith hat ein richtig starkes Spiel geliefert. Vor der Pause hat er das Team, bei dem das Laufspiel ein Totalausfall war, ganz alleine getragen und dabei wirklich gut ausgesehen. Es waren wieder zwei mehr als ärgerliche Drops dabei und obendrauf noch die dämliche Interception. Ohne diese Receiver-Fehler wäre mehr möglich gewesen als die drei Field Goals. Wie schon letzte Woche geschrieben: Smiths Entwicklung ist beeindruckend – vor allem, wie er sich inzwischen in der Pocket bewegt und dadurch Plays verlängert. Was habe ich früher geflucht, wenn er jedesmal wie ein Hydrant auf den Sack gewartet hatte. In dieser Hinsicht ist er nicht mehr wiederzuerkennen. Bonuspunkt: endlich hat Alex es einmal geschafft, ein Free Play zu erkennen und dann einfach nur auf gut Glück tief zu werfen.
Ein Dankeschön gebürt übrigens auch Tom Coughlin. Erst das Timeout, das er durch seine unnötige Challenge verbraten hat, hat es uns ermöglicht, am Ende abknien zu können. Ansonsten hätten wir noch ein First Down benötigt bzw. die Giants hätten nochmal den Ball bekommen – und bei nur einem Score Differenz ist ja bekannterweise immer viel möglich.
Ansonsten bleibt noch die Erkenntnis, daß es momentan kein Team in der Liga gibt, vor dem wir uns verstecken müßten. Es ist unglaublich, aber wir können unsere Ziele während der Saison laufend hochschrauben. Angesichts unserer Leistungen, unseres Records und der restlichen Schedule muß das neue Ziel eigentlich lauten, das First-Round-Bye sicherzustellen. Sollten wir es schaffen, in der Division unbesiegt zu bleiben, wäre das fix, und auch sonst stehen die Chancen dafür nicht schlecht.