Ein grausames Spiel, aber gleichzeitig finde ich es auch merkwürdig, dass man nach einem Spiel den bisherigen Saisonverlauf vergisst und alles und jeden hinterfragt.
Man kann "callen", was man möchte, wenn ein CB wegen Übermut oder was auch immer, statt einem normalen 5 yards Spielzug, 90 yards zulässt. Andererseits kann ich Clements jetzt nicht für die komplette Saison niederbügeln, weil er einen großen Bock geschossen hat, bis zu diesem Spiel aber eine sehr gute Saison hatte.
Genauso ist es meiner Meinung wenig sinnvoll, wenn man sich über Coaching-Entscheidungen aufregt, weil eine Strafe abgelehnt wurde und statt "2 and 14" ein "3 and 9" gespielt wurde. So wie Atlanta bei diesem Spiel in einem Spielzug "15 yards+" per Pass relativ leicht erreicht hat, fand ich diese Entscheidung sogar richtig. Notwendige Timeouts (wegen einer zweifelhaften Entscheidung der Schiedsrichter) sind uns auch ausgegangen, weil ein Glen Coffee eine Kaffeepause an der Seitenlinie einlegte.
Es war aber kurz vor der Kaffeepause auch schon arg verwirrend, als Josh Morgan nach einem eigentlich schönen Big Play, einen Gang rausgenommen hat und sich schon gefühlt in der Endzone befand, bevor er dann von den Beinen geholt wurde. Bly wollte Morgan nach einer Interception wohl noch übertreffen und jubelte schon weit vor der Endzone, was in ein Fumble plus Ballbesitz für die Falcons endete.
Schlimm finde ich es auch, wenn aus einer durch Turnover gewonnenen FG-Position wegen eines Sacks letztendlich ein Punt wird. Einen Punt hat man andererseits aber auch verhindert, indem man entgegen des konservativen Rufes einen vierten Versuch erfolgreich (sogar mit einem Pass) ausspielen ließ. Konfus wurde das Play Calling erst, als man wegen eben solcher, oben beschriebener, unverzeihlicher Fehler uneinholbar in Rückstand geraten ist. Dann musste man nämlich alles forcieren und dazu fehlt uns schlichtweg die offensive Qualität.
Ich bin auch der Meinung, dass in erster Linie die Schwache Defense dieses Mal der Unterschied war, aber nach einem desolaten bzw. verschlafenen Start, kämpfte man sich zunächst zurück und dann ging es aufgrund diverser Fehler endgültig bergab. Geradezu amüsant finde ich es allerdings, weshalb man wegen EINEM SPIEL, wie man vereinzelt liest, den Offense bzw. Defense Coordinator hinterfragt. Atlanta zeigt uns, laut der Meinung mancher, plötzlich auch die defensiven Grenzen deutlich auf, aber die Vikings, Seahawks und Cardinals haben auch schon gegen andere Gegner weit mehr Punkte als gegen uns erzielt. Es geht immer noch um EIN SPIEL und deshalb alles zu hinterfragen, halte ich wegen der bisherigen Leistungen für wenig sinnvoll.
Wahrscheinlicher ist es, dass wir einen üblen Tag hatten, als dass unsere bisherigen Gegner gegen uns stets den schlechten Tag hatten. Man sollte nicht vergessen, dass unser bester Offense-Spieler verletzt ist und niemand zaubern kann. Wir sind sicherlich keine Top-Offense, deshalb agiert man auch sinnvoll verhalten bzw. konservativer. Raye weiß wenigstens, wie man einen Vernon Davis in der Endzone einsetzen kann und generell habe ich den Eindruck, dass er, in entscheidenden Situationen, auch gute Ideen hat. Hill ist nicht Brady, das ist kein Geheimnis, aber bisher zeigt er durchaus, dass man mit ihm Spiele gewinnen kann (sein Rating ist beispielsweise ja auch immer noch nicht so schlecht). Einen Pass, wie Favre gegen uns zum spielentscheidenden Score warf, wird man von ihm aber wohl nie derart sehen. Mit Hilfe einer starken Defense kann man auch so die Playoffs erreichen. Wir können offensiv aber nichts forcieren, dazu fehlt uns noch die Qualität. Mit Gore ist unser offensiv bester Spieler verletzt und er ist wohl der Einzige, den die Gegner wirklich fürchten. Vernon Davis ist auf einem guten Weg und Crabtree hat auch das Zeug, um den Fokus auf sich zu ziehen, aber das ist Zukunftsmusik - immerhin, denn ich bin froh, dass er im Team ist. Man braucht Waffen, die Respekt erzeugen und neue Möglichkeiten schaffen. Außerdem finde ich die Crabtree-Verpflichtung auch deshalb gut, weil Isaac Bruce leider immer mehr den Eindruck erweckt, dass er "shot" ist. QBs haben mitunter bevorzugte Ziele, aber Hill fand Bruce letztes Jahr auch oft und zuletzt sind eher Davis und Morgan die frequentierten Anspielstationen.
Wirklich besorgniserregend, weil der Trend von Anfang an anhält, ist die Leistung von unseren Guards. Baas ist, gemäß den Erwartungen, die man wegen seiner College-Leistungen hatte, ohnehin eher eine Enttäuschung, aber diese Saison tut er noch weniger, um sich für eine Vertragsverlängerung bzw. die Free Agency zu empfehlen. Rachal war letztes Jahr noch ein Lichtblick als Rookie, aber diese Saison lässt er sich wie ein Schuljunge rumschubsen. Unsere Guards sehen momentan wie unbewegliche Betonpfeiler aus, die man mit einer Bewegung leicht austanzen kann. Umso trauriger wiegt da ein ganz schwerer Fehler der letzten Jahre, nämlich Justin Smiley, der bei den Dolphins groß aufspielt, aber wir investieren ja nicht groß in Guards

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Am meisten sorge ich mich trotz der bitteren und demütigenden Niederlage übrigens um SS Michael Lewis, der innerhalb kürzester Zeit wieder einmal eine Gerhinerschütterung hat. Das ist medizinisch nicht unproblematisch und meiner Meinung vergisst man ihn immer wieder gerne, wenn es um die Lorbeeren für gute Defense-Leistungen geht.
Es ist jetzt jedenfalls die Zeit gekommen, um Arschtritte zu verteilen, weil individuelle Fehler uns noch mehr in den ohnehin miesen Tag geritten haben. Unser HC weiß ja sowieso bestens, was der richtige Einsatz von Hinterteilen bewirken kann

. Ernsthaft, ich bin sehr froh, dass ein Mike Singletary nach so einer Leistung das Kommando hat und an die Ehre der Spieler appelliert. Ich finde es schon begrüßenswert, dass ein Bly nach seiner Aktion und vor allem nach den Aussagen danach, sich heute dafür öffentlich in den Mist setzt bzw. setzen muss.