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49ers Aktuell

Commentary: Michael Silver (Yahoo Sports): Die 49ers gehören zu den Super Bowl-Aspiranten (15. Nov. 2011)

Michael Silver von Yahoo Sports traut den 49ers jetzt eine Menge zu. Und auch zweien der Smiths im Team.

Das in Sachen Standortbestimmung wichtigste Matchup seit fast neun Jahren begann für die 49ers, indem die Coaches dem Arm des einen Smith vertrauten und es endete, indem der Arm des anderen Smith Eli Mannings Last-Minute-Comeback-Versuch abwehrte. Und anschliessend hatte jeder Spieler im Locker Room der Niners sich das Recht verdient, Ansprüche zu stellen. Denn die 49ers hatten das Spiel gewonnen, das zeigen musste, wie ernst man sie nehmen kann - die New York Giants wurden mit 27-20 geschlagen.

Damit steht man ein halbes Spiel hinter dem ungeschlagenen Super-Bowl-Champion Green Bay Packers und darf sogar auf den Home-Field-Advantage in den Playoffs schielen.

Wenn man diesen Satz Anfang September gelesen hätte, dann wäre man der Meinung gewesen, man liest die "Titanic". Aber es ist Mitte November und die 49ers stehen bei 8-1 - gelenkt von einem Rookie-Coach, der sich nicht mal vom Lockout draussbringen liess und von einem Quarterback, der sechs Jahre lang der Punching Bag für die Fans der Niners und für seine Gegner gewesen ist. Jetzt blicken beide auf einen Serie von sieben Siegen und auf eine Fünf-Punkte-Führung in der NFC West bei noch sieben ausstehenden Spieltagen.

Weiterhin man eine gewisse Dreistigkeit vorzuweisen, auch wenn der Coach und seine Spieler ihr Bestes geben, bescheiden aufzutreten. Zum Beispiel ignorierten Harbaugh und seine Assistenten einfach die allgemeine Ansicht, dass Smith nur fähig ist, der Manager in einer konservativen Run-orientierten Offense zu sein  - und entwarfen einen aggressiven Gameplan gegen ein Spitzenteam. Dass das den besten Pass Rush der Liga besitzt, interessierte sie dabei nicht.

"Die ganze Woche lang sprachen sie davon, dass wir attackieren werden", erzählt Alex Smith, "sie wussten, was man über uns sagt. Das war ein wichtiges Spiel, und sie wollten  mit ihm was beweisen. Sie verlangten, mach uns das möglich!". Smiths Statistiken waren nicht überwältigend - 19 von 30 Pässen für 242 Yards, ein TD, eine INT - aber das war diesmal keine QB-Leistung der Kategorie "Versau' es bloss nicht". Man sah von Smith starke Würfe downfield, und nicht nur die übliche Vorstellung von Pässen, die ziemlich sicher ankommen und schnellen Rollout-Throws.

Oh, und dabei hatte das Herz der Niners-Offensive-Attack, RB Frank Gore einen Tag, an dem seine Serie aus fünf 100-Yards-Spielen riss - er blieb exakt 100 Yards drunter, weil er in sechs Versuchen auf NADA kam, bevor ihn eine kleinere Knieverletzung an die Sideline zwang.

Alex Smith schaffte 27 der 77 Rushing Yards an diesem Tag. Er war es, der die Offense trug. Ihm gelang sein viertes Fourth-Quarter-Comeback, denn die Niners lagen nach dem dritten Quarter 13-12 hinten. Die Grundlage dafür war der 31-Yards-Catch von Vernon Davis im Opening Drive des letzten Quarters, mit dem die Defender der Giants auf dem falschen Fuss erwischt wurden.

Aber die vielleicht überraschendste Zahl des Spiel ist folgende: Smith wurde nur zweimal gesackt - obwohl die 49ers auch in der zweiten Hälfte bei ihren Pässen downfield blieben. "Wir haben die ganze Woche über den Passrush gesprochen", erzählt der QB, "bei denen kann jeder den Passer rushen, das ist verrückt. Aber unsere Frontleute waren toll, sie blockten wie irre und gaben mir die Zeit, zu werfen".

Wenn die Coaches vor dem Spiel etwas dünnhäutig waren, weil Smith als reiner Spielmanager geschmäht wurde, so waren es seine Mitspieler, die ihn nach dem Spiel in Schutz nahmen. "Er gewinnt Spiele", sagte Braylon Edwards über Smith, "Du kannst sagen, was Du willst, aber er gewinnt. Punkt. Er macht die Plays, wenn sie gemacht werden müssen, und das lässt ein Team erfolgreich sein. Nicht jeder hat einen Aaron Rodgers, der Siege im Orkanstil einfährt. Wir machen es auf unsere Art".

Und auch das muss man sich mal klarmachen: Rodgers und Drew Brees sind die klaren Favoriten für den Trip zum Pro Bowl - aber auch Smith ist eindeutig mit im Rennen - zusammen mit Eli Manning, Tony Romo, Jay Cutler, Matt Ryan, Matthew Stafford und Rookie Cam Newton. Allerdings hofft Smith wohl noch, dass er zwar eingeladen wird, aber dann absagen muss. Mit eineinhalb Spielen Vorsprung auf die Saints und zwei auf die Giants beim Kampf um den First-Round-Bye ist es keine Hybris mehr, die Niners als Conference Champions zu sehen - und dann ist selbst ein Trip zum Super Bowl nicht mehr ausgeschlossen.

Der Hype ist jedenfalls da - und Harbaugh feuerte ihn weiter an, als er nach dem Spiel sagte, Defensive End Justin Smith "sollte ein MVP-Kandidat sein". Mal langsam - Justin Smith hat keine Chance, und alle wissen es. Und nicht mal der realistischere Titel, Defensive Player of the Year, ist in Reichweite - wenn schon, bekommt den Inside Linebacker Patrick Willis. Aber das verdriesst Justin Smith nicht. "Ich brauche sowas nicht", sagte er am Sonntag, nachdem er den Sieg gesichert hatte bei Mannings Fourth-and-2-Passversuch, den er mit einem Sprung zu Boden schlug. "Vielleicht 15 Zentimeter weit hab ich es geschafft", scherzte Smith danach, "ich wusste echt nicht, was kommt, ich war zufällig an der richtigen Stelle und bin gesprungen. Vielleicht ist es ja wichtiger, Glück zu haben als gut zu sein".

Wenn es so wäre, dann hätte Smith wohl Lou Gehrig jetzt wohl abgelöst, der sich einst als der "glücklichste Mann auf der Welt" bezeichnet hatte. Denn Smith hatte ja auch das ungemeine Glück, in Philadelphia den knappen Sieg der Niners sicherzustellen, als er zufällig den schnellen Wideout Jeremy Maclin einholte und ihm den Ball aus der Hand schlug - womit die Eagles ihre letzte Chance verspielt hatten.

"Er ist ein Monster", sagt Alex Smith über seinen Namensvetter. "Jetzt hat er das zweite Spiel für uns gewonnen, und er spielt immer stark. Ich finde, er ist einer der unterschätzesten Spieler in der NFL".

Justin Smith ist kein Leisetreter, aber seine Talente drängen sich dem Durchschnitts-Zuseher nicht immer auf. Noch nie kam er auf zweistellige Sackzahlen in einer Saison, aber er tut die kleinen Dinge, die Coaches lieben. Und wie so viele andere 49ers gibt er den Entscheidugen von Ex-Generalmanager Scot McCloughan jetzt mehr Glanz - ganz besonders, seit der neue Coach da ist; ein grosser Unterschied zu den Alten, Mike Singletary und Mike Nolan.

"Mann, gewinnen macht soviel Spass", sagt Smith, er in seiner 11-Jahres-Karriere bislang auf ein einziges Playoff-Spiel kommt. "Ich sag den anderen permanent, arbeitet weiter, aber geniesst es bitte! Es ist schwer, die Vergangenheit zu vergessen. Aber wir glauben an uns. Wir sind ein konzentriertes Team, das nicht aus der Ruhe zu bringen ist".

Nach dem Sieg über die Giants sind die Niners auch ein Team, dass zu den legitimen Super Bowl-Aspiranten zählt. "Sie sind gut", sagte Manning, "sie haben jede Menge Talent. Die Defense ist stark, die Offense spielt gut, und sie machen einfach keine Fehler. Sie spielen schlau, sie sind gefestigt und sie gewinnen". Und Defensive End Osi Umenyiora: "Oh ja, das ist ein Spitzenteam. Wir werden sie nochmal zu sehen bekommen".

In diesem Fall sollte niemand damit rechnen, dass Harbaugh und sein Quarterback ihre Chance nicht fest in die Hände nehmen. So wie am Sonntag, als sie furchtlos in ein Spiel stürmten, das der wohl grösste Test war, seit die beiden Franchises im Oktober 2003 aufeinandertrafen. Damals gelang den 49ers ein unwahrscheinlicher 39-38-Comeback-Sieg.

Das war das letzte Mal, dass San Francisco Postseason-Luft atmete. Wideout Edwards, der selbst zwei AFC-Championship-Games mit den Jets erreicht hat, glaubt, dass die Niners am Sonntag ihre Härteprobe bestanden haben: "Das war unsere erste echte Herausforderung auf der ganz grossen Bühne. Wir haben sie bestanden, denke ich. Wir würden gerne einiges anders machen rückblickend, aber das Ergebnis rechtfertigt alles".

Seit Sonntag kann auch keiner mehr über den QB lästern. Nennt ihn einen überbewerteten Handoff-Spezialisten, nennt ihn einen Scharfschützen. Es ist egal. Smith liefert genau das ab, was die 49ers von ihm jeweils bekommen wollen. Das zählt.

Quelle: Michael Silver, Yahoo Sports, 14.11.

Kommentare

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  1. stig49 (15. Nov. 2011)

    Ziemlich dick, Silvers rosa Brille - aber man liest es ja trotzdem ganz gerne...
  2. jerryrice80 (15. Nov. 2011)

    Das geht runter wie Öl !  8)

    Mittlerweile hab' ich bzgl PO nur noch die Frage, ob die Nerven der Spieler halten, denn alles andere macht schon unser Coachingstaff.
  3. wizard49er (17. Nov. 2011)

    Zitat von: jerryrice80 am Di, 15. Nov. ’11, 00:35
    Das geht runter wie Öl !  8)

    Mittlerweile hab' ich bzgl PO nur noch die Frage, ob die Nerven der Spieler halten, denn alles andere macht schon unser Coachingstaff.

    Ja, viel PO Erfahrung ham unsere Spieler ja nicht.
  4. snoopy (17. Nov. 2011)

    Gebe ich nicht so viel drauf.
    Ausser, dass man nicht mehr gegen Loser-Teams spielt, wird in den POs das Spielfeld genauso lang und breit sein.
    Motiviert ist eh' jeder einzelne Spieler bis in die Haarspitzen.
    Wenn überhaupt, ist bei unserem Team der Druck etwas geringer, da die Teilnahme dieses Jahr schon ein toller Erfolg ist. Die Grün-gelben werden ja schon fast zum siegen verdammt.

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Team W L T Streak
49ers 0 0 0
Cardinals 0 0 0
Rams 0 0 0
Seahawks 0 0 0

Spielplan

Datum Gegner Erg
Regular Season
11.09. @ Rams
20.09. Dolphins
27.09. Cardinals
04.10. Broncos
11.10. @ Seahawks
20.10. Commanders
25.10. @ Falcons
08.11. Raiders
15.11. @ Cowboys
23.11. Vikings
29.11. Seahawks
06.12. @ Giants
13.12. Rams
18.12. @ Chargers
27.12. @ Chiefs
04.01. Eagles
TBD @ Cardinals

Draft Picks

Rd Pick Name Pos
2 33 De'Zhaun-Ryan D. Stribling WR
3 70 Romello Height DE
3 90 Kaelon Black RB
4 107 Gracen Halton DT
4 127 Carver Willis OT
4 139 Ephesians Prysock CB
5 154 Jaden Dugger LB
5 179 Enrique Cruz OT