Es wird viel darüber diskutiert, warum die 49ers auch dieses Jahr nicht mit Blick auf ihre Baustellen gedraftet haben, sondern offenbar nach Potenzial. Nun deutet der Blick auf die letzten beiden Drafts aber darauf hin, dass die 49ers genau das, Draft nach Needs, durchaus tun - nur mit einem Jahr Vorlauf. Dies bestätigte indirekt auch Owner Jed York. Er sagte, General Manager Trent Baalke drafte auch deshalb so, weil er sicher davon ausgehe, noch über Jahre hinweg fürs Team verantwortlich zu sein.
Im Rückblick nimmt die letztjährige Draft die Entwicklungen dieser Offseason vorweg. Die 49ers holten mit Dontae Johnson, Keath Reaser und Kenneth Acker drei Cornerbacks. Ein Jahr später liessen sie ihre beiden Starter auf Cornerbacks ziehen, weil sie nicht in einen Bidding War eintreten wollten - angesichts der Höhe der Verträge für Culliver und Cox verständlich. Unter Umständen passt auch der First Round Pick Jimmy Ward in dieses Muster.
Mit Quinton Patton und Bruce Ellington kamen zwei Midround-Receiver, weil die 49ers vorhersahen, dass man Michael Crabtree wohl nicht halten können würde. Der ist heute in Oakland. Dieselbe Situation bei Mike Iupati - auf seiner Guard-Position kam mit Brandon Thomas ein Rookie, bei dem klar war, dass er frühestens 2016 würde spielen können. Und mit Carlos Hyde kam der Nachfolger für Frank Gore, der ja dann auch prompt abwanderte - wobei sich das wohl gegenseitig bedingte.
Und mit Chris Borland kam bereits der Nachfolger von Patrick Willis. Dass jetzt beide auf einmal weg sind, war nicht vorhersehbar.
In diesem Licht könnte man die diesjährige Draft so deuten:
Arik Armstead kommt, aufgrund der Unsicherheit um Justin Smith. Auch falls der DLiner noch ein Jahr dran hängen sollte, 2016 wird er garantiert nicht mehr spielen. Und auch der Vertrag von NT Ian Williams läuft dann aus.
Safety Jacquiski Tart wird bsi 2016 fit gemacht. Craig Dahls Vertrag ist im letzten Jahr (sofern er es überhaupt ins Team schafft), Antoine Betheas Vertrag wird nächstes Jahr fünf Millionen Dollar teuer, und übernächstes 5,75 Millionen.
Outside Linebacker Eli Harold ist die Rückversicherung, sofern Aldon Smith und Ahmad Brooks gehen. Auch Smith ist im letzten Vertragsjahr. Und bei Brooks könnte der Vertrag mit knapp fünf Millionen schon dieses Jahr ein Grund zum Cutten sein. Nächstes Jahr wird er nochmals teurer.
Auf TE ist Vernon Davis ebenfalls im letzten Vertragsjahr, und er hat die schlechteste Saison seiner Karriere hinter sich. Vance McDonalds war bislang eine Enttäuschung. Daher Blake Bell und Busta Anderson.
Auf RB ist Hyde bis 2017 unter Vertrag, aber seine Backups Kendall Hunter und Reggie Bush haben nur Ein-Jahres-Verträge. Daher Mike Davis, der zu Hydes primären Backup werden könnte.
Bei den WR kommt mit DeAndre Smelter ein weiterer Mann dazu, falls sich die Karriere von Anquan Boldin dem Ende zuneigt. Auch Smelter ist eher erst 2016 ein Faktor.
OL Ian Silberman und Trent Brown sind nur Late Round-Projekte. Aber immerhin könnten sie eine Lösung werden, weil sich schon jetzt der Abgang des permanent unzufriedenen OLiners Alex Boone nach dieser Saison andeutet.
Nur bei Punter Bradley Pinion dürfte die Konstellation etwas anders sein: Mit Andy Lee könnte man wohl noch Jahre leben - aber falls Pinion sich durchsetzt, wäre er die deutlich billigere Alternative.
Quellen: Vor allem Matt Maiocco, CSN BayArea Blog.
Danke für den sehr interessanten Artikel.
Die einzige Frage, die sich jetzt stellt und erst in ein paar Jahren beantwortet werden kann: ist diese Strategie nun besonders clever (York, Baalke) oder eher dämlich (vorherrschende Boardmeinung)?
Zitat von: owl49er am Fr, 8. Mai. ’15, 07:28
Danke für den sehr interessanten Artikel.
Die einzige Frage, die sich jetzt stellt und erst in ein paar Jahren beantwortet werden kann: ist diese Strategie nun besonders clever (York, Baalke) oder eher dämlich (vorherrschende Boardmeinung)?
Ich finde es eigentlich nicht grundsätzlich dämlich, weil die verletzten oder auszubildenden Perspektivespieler natürlich billiger zu kriegen sind. Mir stellen sich nur zwei Fragen: Muss Perspektive schon in der ersten Draftrunde sein? Und warum hat man nicht auch bei ILB vorausgedacht? Wheeler als FA ist vermutlich nicht die Lösung.
Sehe ich ähnlich.
Irgendwie lese ich nur Ersatz, Ersatz, Ersatz, evtl. mal Ersatz, Ersatz......
Wirklicher input oder gar upgrade scheint nicht gewollt?
Zitat von: snoopy am Fr, 8. Mai. ’15, 07:39
Sehe ich ähnlich.
Irgendwie lese ich nur Ersatz, Ersatz, Ersatz, evtl. mal Ersatz, Ersatz......
Wirklicher input oder gar upgrade scheint nicht gewollt?
Na gut, Ersatz heisst in dem Fall ja nicht Ersatzbank. Das kann ja auch gut zum Upgrade werden. Verstehe Deinen Punkt schon. Aber wenn Brandon Thomas z.B. einschlagen sollte, falls Baalkes dreiköpfiges RB-Monster funktionieren sollte, dann ist es eben nicht nur Verschlechterungs-Ersatz. Falls, falls, falls.
Aber bei Boone oder Jean-Francois hat erstmal auch keiner was erwartet.
Zitat von: stig49 am Fr, 8. Mai. ’15, 07:36
warum hat man nicht auch bei ILB vorausgedacht?
Man hat letztes Jahr Borland in Runde 3 geholt und damit für Bowman vorausgedacht.
Zitat von: stig49 am Fr, 8. Mai. ’15, 07:36
Zitat von: owl49er am Fr, 8. Mai. ’15, 07:28
Danke für den sehr interessanten Artikel.
Die einzige Frage, die sich jetzt stellt und erst in ein paar Jahren beantwortet werden kann: ist diese Strategie nun besonders clever (York, Baalke) oder eher dämlich (vorherrschende Boardmeinung)?
Ich finde es eigentlich nicht grundsätzlich dämlich, weil die verletzten oder auszubildenden Perspektivespieler natürlich billiger zu kriegen sind. Mir stellen sich nur zwei Fragen: Muss Perspektive schon in der ersten Draftrunde sein? Und warum hat man nicht auch bei ILB vorausgedacht? Wheeler als FA ist vermutlich nicht die Lösung.
Auf ILB war das wohl mit Borland geplant, aber der hat da nicht ganz mitgespielt...
Das Problem mit dem Ansatz ist, dass man halt ein günstiges produktives Jahr verliert. Und die Taktik nun ja nicht durchgehend von Erfolg gekrönt ist. Die miserable 12er Draft schmerzt definitiv.
Natürlich ist die Frage zu schwarz/weiß gestellt und wir haben gestern im Webradio ja selbst den fehlenden Impact bemängelt.
Was ich aber grundsätzlich erst einmal richtig finde: Baalke ist sich treu geblieben und hat nicht nach irgendwelchen Needs gedraftet sondern verfolgt eine langfristige Strategie. Dieser langfristige Ansatz gefällt mir prinzipiell besser, dennoch wird sich noch zeigen müssen, ob es sich am Ende auszahlt.
Es mag dafür vielleicht auch noch einen anderen Grund geben: er könnte für sich zu der Einsicht gekommen sein, dass die Suche nach schnellem Impact zu risikoreich ist (s. A.J. Jenkins, LaMichael James), es sich mittelfristig aber auszahlt, solide Spieler aufzubauen (s. NaVorro Bowman, Ahmad Brooks, Colin Kaepernick, Tramaine Brock). Gerade auf Wide Receiver und Cornerback mag dies ja auch durchaus zutreffen.
Es gibt auf der anderen Seite aber auch genug Spieler auf dem Roster, die sofort Impact hatten und immer noch dabei sein (Joe Staley, Vernon Davis, Anquan Boldin, Eric Reid...).
Es ist auf jeden Fall ein Strategie, ob es die richtige ist - wird meiner Meinung nach erst die Zeit zeigen.
Ich halte es eher für risikoreich. Für mich ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ein früher Pick einschlägt, als ein Mid- oder Laterounder.
Was die ILB-Position betrifft: hier scheint man sich dann doch sehr sicher zu sein, dass Bowman zu alter Stärke zurückfindet bzw. auf Wilhoite und Moody (?) zu setzen.
Zitat von: snoopy am Fr, 8. Mai. ’15, 07:39
Wirklicher input oder gar upgrade scheint nicht gewollt?
Besonders in den ersten Runden sollte es doch möglich sein, Spieler zu holen, welchw mir gleich und nicht erst in 1 - 2 Jahren (eventuell) ein Upgrade geben. Denn gerade uns "erfahrenen" CB Acker und Reaser haben genau noch gar nichts gezeigt. - Von woher will da Baalke wissen, dass die einschlagen, bzw. gleichwertiger Ersatz für die abgewanderten Spieler sind. - High-Risk!
Zitat von: Cordovan am Fr, 8. Mai. ’15, 09:19
Zitat von: snoopy am Fr, 8. Mai. ’15, 07:39
Wirklicher input oder gar upgrade scheint nicht gewollt?
Besonders in den ersten Runden sollte es doch möglich sein, Spieler zu holen, welchw mir gleich und nicht erst in 1 - 2 Jahren (eventuell) ein Upgrade geben. Denn gerade uns "erfahrenen" CB Acker und Reaser haben genau noch gar nichts gezeigt. - Von woher will da Baalke wissen, dass die einschlagen, bzw. gleichwertiger Ersatz für die abgewanderten Spieler sind. - High-Risk!
Das klingt so als ob die ersten beiden Runden risikofrei wären. Jenkins? Woods? Balmer? coffee? Klar ist da das Risiko kleiner. Aber es gab nicht wenige busts unter den Top 10 und zwar die QBs mal weggelassen.
Klar, busts gibt es immer. Irgendein "Risikotod" muss man ja auch mal sterben.
Ich sehe es eher wire Cordovan.
Mal sehen, ob man ansonsten auch noch auf FA setzt. Da einen guten/sicheren CB, WR, ILB (OL?) und ich nehme alles zurück.
Zitat von: stig49 am Fr, 8. Mai. ’15, 09:38
Zitat von: Cordovan am Fr, 8. Mai. ’15, 09:19
Zitat von: snoopy am Fr, 8. Mai. ’15, 07:39
Wirklicher input oder gar upgrade scheint nicht gewollt?
Besonders in den ersten Runden sollte es doch möglich sein, Spieler zu holen, welchw mir gleich und nicht erst in 1 - 2 Jahren (eventuell) ein Upgrade geben. Denn gerade uns "erfahrenen" CB Acker und Reaser haben genau noch gar nichts gezeigt. - Von woher will da Baalke wissen, dass die einschlagen, bzw. gleichwertiger Ersatz für die abgewanderten Spieler sind. - High-Risk!
Das klingt so als ob die ersten beiden Runden risikofrei wären. Jenkins? Woods? Balmer? coffee? Klar ist da das Risiko kleiner. Aber es gab nicht wenige busts unter den Top 10 und zwar die QBs mal weggelassen.
Risikofrei ist nichts, jedoch ist die Chance hier sofortigen Input zu finden wesentlich größer als später.
Ich glaube in den Top Runden ist das Bustpotenzial halt da, weil man den nächsten Hall of Famer sucht und die Spieler dann mit besseren Gegnern doch nicht das leisten können, was sie am College dominiert haben. Man erwartet dann auch, dass einer so produziert und das gelingt dann halt nicht immer.
eines stört mich hier gewaltig. es macht doch den eindruck, als ob baalke fast ausschließlich davon ausgeht, dass unsere free agents den verein verlassen. kann man denn nicht mal mit dem ein oder anderen verlängern?!?
a.smith
v.davis
a.boldin
a.boone
i.williams
r.bush
dürften demnach alle 2016 gehen :-\
Alles (u.a.) eine Frage der Kosten. Die Spieler werden weder jünger noch billiger.
jünger natürlich nicht, billiger auch nicht. Gut sind sie doch aber trotzdem! Boone ist 28, Smith 25 und Williams auch. Zumindest bei denen würde ich doch eine Verlängerung anstreben. Das man bei Boldin, bei Bush, Bethea oder Brooks anders denkt, ist augrund des Alters und des Preises verständlich. Aber man kann doch bitte auch mal mit jüngeren Spielern verlängern, auch wenn die etwas mehr kosten.
Woraus liest du, dass die Niners das nicht machen werden? ??? Es ist halt lediglich so, dass Baalke wohl jeder Position einen Wert beimisst, s. z.B. Left Guard. Iupati hätte zu dem Preis, den sich die Niners vorstellen, nicht unterschrieben, also lässt man ihn gehen.
genau das meine ich. baalke hat seinen preis und hat vorgesorgt. bedeutet für mich sozusagen, dass baalke über dieses limit nicht hinaus gehen wird. was ich für ziemlich fragwürdig halte.
Zitat von: Saalefreund am Fr, 8. Mai. ’15, 17:39
genau das meine ich. baalke hat seinen preis und hat vorgesorgt. bedeutet für mich sozusagen, dass baalke über dieses limit nicht hinaus gehen wird. was ich für ziemlich fragwürdig halte.
Wer an einer Stelle über sein Limit raus geht muss an anderer Stelle Abstriche machen.
Zitat von: Saalefreund am Fr, 8. Mai. ’15, 16:08
jünger natürlich nicht, billiger auch nicht. Gut sind sie doch aber trotzdem! Boone ist 28, Smith 25 und Williams auch. Zumindest bei denen würde ich doch eine Verlängerung anstreben.
Man muss aber auch bedenken, dass Boone z.B. nicht gerade den Eindruck vermittelt bleiben zu wollen.
Und bei Smith muss man auch ganz einfach einplanen, dass er sein Privatleben vielleicht nicht auf die Reihe kriegt und dass das jetzt schon starken Einfluss auf seine Leistungen hatte. Da jemanden zu holen, der ähnliche Qualitäten mitbringt ist doch logisch, besonders wenn man dann noch mit Brooks einen weiteren Kandidaten hat, bei dem nicht klar ist wie lang er noch da ist.
Auf jeden Fall heißt das wieder ordentlich Pre-Season schauen. Da deuten manche Rookies durchaus an, was sie drauf haben. Borland war da ein gutes Beispiel.
Momentan ist das Team ne Überraschungstüte.