Die 49ers und ihr nicht mehr existierende Passspiel. Es gibt viele Meinungen zu diesem Thema, die sich vor allem mit dem Coaching der Niners-Verantwortlichen beschäftigen und dieses als Wurzel allen Übels erkannt zu haben glauben. Matt Maiocco hat sich in dieser Woche an einer ganzheitlichen Analyse versucht und dabei weder den Quarterback, das Spielsystem, das Spiel der O-Line noch die Passempfänger verschont. Im Folgenden nun das, was seiner Meinung nach verbessert werden muss:
Es gibt einige Dinge, die nicht vergessen werden sollten, wenn man sich mit dem auf Platz 32 rangierenden Passspiel der Niners auseinandersetzt. Zunächst haben die 49ers eine Spielsystem, dass sich auf ein funktionierendes Laufspiel stützt. Personal und Spielphilosophie sind dementsprechend ausgerichtet. Wenn die 49ers ein Spiel verlieren, fragen die Leute zuerst: ,,Warum ist Frank Gore nicht häufiger gelaufen?"
GM Trent Baalke glaubt, der beste Weg erfolgreich zu sein und es zu bleiben bestünde darin, mit dem Ball zu laufen (auch wenn der Gegner weiß, dass man laufen wird) und den Lauf zu stoppen. Dies scheint ein vernünftiger Ansatz zu sein. Schließlich waren die Niners in den beiden vergangenen Jahren unter den vier letzten Teams und scheiterten jeweils an Mannschaften mit ähnlichen Philosophien. Außerdem stehen sie mit 6:3-Siegen da und sind in einer guten Position, sich erneut zu qualifizieren.
Trotzdem rücken nun nach der 9:10-Niederlage gegen die Panthers verständlicherweise die Probleme im Passpiel in den Fokus der Öffentlichkeit: a)weil sie das Spiel verloren, ohne einen Touchdown zu erzielen und b) weil Quarterback Colin Kaepernick für gerade einmal 91 Yards passte (schlechtester Wert seiner Karriere) und die gesamte Offense im Passpiel auf erbärmliche 46 Yards kam (Anmerkung: hier ist der Raumverlust bei den Sacks eingerechnet). Ya, die Panthers haben eine sehr gute Verteidigung. Sie sind auf Platz 2 in der NFL. Trotzdem sind diese Nummern ,,nicht akzeptabel", um es mit den Worten von Wide Receiver Anquan Boldin zu sagen.
Wenn man durch die Reihen geht, gibt es viel zu kritisieren – natürlich. Schauen wir uns also mal an, was gegen die Panthers falsch gelaufen und wessen Schuld es ist:
Colin Kaepernick
Er hat das meiste abbekommen, weil nun mal alles mit dem Quarterback beginnt und auch mit ihm endet. Kaepernick hat den Ruf eines Franchise Quarterbacks und er befindet sich immer noch in der Warteschlange für einen großen Vertrag am Ende der Saison. Also liegt es in seiner Verantwortung, aus dem, was ihm zur Verfügung steht, etwas zu machen. Es gibt keinen Zweifel, dass ein Spieler mit solch phänomenalen physischen Fähigkeiten das auch kann.
Letztes Jahr war er in erster Linie ein ,,One-Read"-Quarterback. Aber meistens, war dieser erste Read Michael Crabtree, mit dem er viel Vertrauen aufbaute. Kaepernick fand seinen Rhythmus und traute sich, Crabtree die Gelegenheit zu geben, das Play zu machen. Oft wurde er von Crabtree belohnt, indem dieser den Ball fing, Yards und Touchdowns erzielte.
Dieses Jahr fehlt ihm Crabtree als bevorzugter Passempfänger. Als er Mittwoch diese Saison mit der vergangenen verglich, wies er offensichtlich auf dieses fehlende Element im Passspiel hin: ,,Ich glaube nicht, dass man es wirklich vergleichen kann. Dieses Jahr sind die Komponenten anders. Es ist, als wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht." Am Sonntag ging er seine ,Progressions' nicht ruhig durch. Außerdem wählte er seinen ersten Read oft nicht spielzugentscheidend genug aus:
Ein gutes Beispiel war der zweite Versuch bei noch sieben Yards an der 27 Yardslinie der Gäste (nach der Brock-Interception). Mario Manningham war der erste Receiver und indem Moment frei, als er seine Richtung wechselte. Die Pocket stand sicher. Aber Kaepernick hielt den Ball zu lange und warf schließlich spät aus dem Lauf heraus, so dass Manningham den Ball nicht mehr an der Seitenlinie fangen konnte. Dadurch wurde der Spielzug wesentlich schwieriger, als er hätte sein müssen. Anstatt eines First Downs erzielten die 49ers ihr zweites Field Goal an diesem Abend.
Greg Roman / Jim Harbaugh
Offensive Coordinator Greg Roman und Head Coach Jim Harbaugh müssen ihrem Quarterback einfachere zweite Reads geben, wenn er den Ball nicht zum ersten Receiver wirft. Im ersten Viertel war Anquan Boldin gegen einen Cornerback nach einer Post Pattern ganz offen. Doch ein Linebacker rutschte in die Zone und schloss so das Fenster. Kaepernick zog nicht ab. Er sah hinüber zu Manningham auf der anderen Seite. Dieser war ebenso völlig frei, mit seiner Route aber noch nicht so weit, dass er hätte werfen können. Es gab keinen einfachen Plan B und Kaepernick wurde schließlich gesackt.
Der Gameplan der 49ers sollte auch ein paar Swing- oder Screenpässen enthalten, mit denen Kaepernick den Ball schnell loswerden kann. Sie müssen mehr mischen, auch mal designte schnelle Pässe bei frühen Downs werfen. Während des Trainingscamps hat Kaepernick bewiesen, dass er diese Pässe beherrscht und gefühlvolle sowie exakte Screens auf Frank Gore und LaMichael James geworfen. Seine Stärke ist es, den Ball tief zu werfen. Diese Plays würden besser funktionieren, wenn hier und da auch mal kurze Pässe angesagt würden, um die gegnerische Defense aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Pass Protection
Obwohl sie sechs Sacks für insgesamt 45 Yards Raumverlust zuließen war das Pass Blocking der 49ers gegen die Panthers meistens gut. Gewöhnlich war Kaepernick in der Lage, seinen ,Drop' zu beenden und den Ball los zu werden. Die Probleme fingen an, wenn er den Ball hielt oder sich unnötigerweise aus der Pocket bewegte. Es gab ein paar Spielzüge, in denen Right Tackle Anthony Davis geschlagen wurde und Kaepernick keine Chance hatte. Im letzten Viertel ließ Left Guard Mike Iupati Druck zu und der Spielzug brach zusammen. Aber bei zwei Gelegenheiten konnten die Panthers ihn sacken, als sie ungeblockt mit verzögertem Blitz durchkamen. Die Offensive Line tat sich zwar im Laufspiel hervor, bot aber auch Kaepernick genug Schutz, um einen guten Tag zu haben.
Wide Receiver / Tight Ends
Die am meisten überschätzte Story bezüglich der Probleme im Passpiel ist die vermeintliche Unfähigkeit der Receiver, sich freizulaufen. Wenn man sich den All-22 Film (Kameraperspektive, bei der alle 22 Spieler zu sehen sind) anschaut, scheint dies kein besonderes Problem zu sein. Die Receiver laufen sich frei – was dennoch nicht zum gewünschten Erfolg führt.
Das ,Big Play', mit dem die Panthers am Sonntag davonkamen war Tight End Vance McDonalds Unfähigkeit, einen perfekt geworfenen Pass von Kaepernick festzuhalten. Dies wäre ein Raumgewinn von ca. 40 Yards tief in der Hälfte der Panthers gewesen. Es ist sicher, dass die 49ers zumindest ein Field Goal erzielt hätten. McDonald hatte beide Hände am Ball, aber Carolinas Linebacker Luke Kuechly ergriff im richtigen Moment McDonalds linken Arm, und der Pass blieb schließlich unvollständig. Dies ist ein Ball, den McDonald hätte fangen sollen.
Es zeigt außerdem, wie alles funktionieren muss, damit ein Spielzug gelingt. Kaepernick erledigte seinen Job mit seinem Read und warf den Ball. Die Coaches entwarfen einen guten Spielzug und sagten diesen zu einem günstigen Zeitpunkt an. Außerdem gab die Pass Protection Kaepernick die Zeit, die er benötigte.
Und wenn der Pass angekommen wäre, hätten die 49ers wahrscheinlich das Spiel gewonnen und es gäbe nicht diese Aufregung um das auf Platz 32 rangierende Passspiel des Teams.
Quelle:
Matt Maiocco, csnbnayarea.com, 14. November.
Schön zusammen gefasst! Danke dafür.
Zitat von: owl49er am So, 17. Nov. ’13, 15:17
Und wenn der Pass angekommen wäre, hätten die 49ers wahrscheinlich das Spiel gewonnen und es gäbe nicht diese Aufregung um das auf Platz 32 rangierende Passspiel des Teams.
Wenn aber nur dieser Pass angekommen wäre würden die 49ers aber noch immer auf Platz 32 rangieren . . .
Richtig
Stört einen aber nicht so, wenn man 7-3 steht mit (fast) sicherem PO-Platz.
Ich finde dieses Zusamenfassung sehr gut und sie bestätigt auch viele unserer Kommentare.
Jetzt stellt sich die Frage: und wer kann was (und wie) verbessern ?
Die Coaches !
Zitat von: owl49er am So, 17. Nov. ’13, 15:17
Wide Receiver / Tight Ends
Die am meisten überschätzte Story bezüglich der Probleme im Passpiel ist die vermeintliche Unfähigkeit der Receiver, sich freizulaufen. Wenn man sich den All-22 Film (Kameraperspektive, bei der alle 22 Spieler zu sehen sind) anschaut, scheint dies kein besonderes Problem zu sein. Die Receiver laufen sich frei – was dennoch nicht zum gewünschten Erfolg führt.
AUTSCH! Eine Breitseite gegen CK! Meine Rede - auch ein Hr. Crabtree wird nicht viel dran ändern, es sei denn, CK spielt dann wieder mit mehr Selbstvertrauen. Aber dass kann ja auch nicht sein, dass sobald der #1-WR weg ist, nichts mehr im Pass-Spiel geht. Crabtree ist ja nicht erst im August ausgefallen (so wie Harvin), sonder schon im Mai. Daher hatte man hier genug Zeit um entsprechend zu reagieren...
Hast du mit allen Aussagen (wohl) recht.
Wenn tatsächlich durch Crabbies Rückkehr auch CKs Selbstvertrauen zurückkehrt, soll es mir aber erst einmal recht sein.
Zitat von: snoopy am Mi, 20. Nov. ’13, 09:23
Hast du mit allen Aussagen (wohl) recht.
Wenn tatsächlich durch Crabbies Rückkehr auch CKs Selbstvertrauen zurückkehrt, soll es mir aber erst einmal recht sein.
Kurzfristig gesehen ist das wohl gut, aber trotzdem mach ich mir dann bei CK um den Bereich zwischen den Ohren dann schon Sorgen.
Wie gesagt, könntest du wohl recht haben.
Deshalb schrieb ich "erst einmal".