..auf den Tag genau 30 Jahre ist es her, dass die 49ers im nahe gelegenen Stanford Stadium ihren zweiten Super-Bowl-Triumph feierten: drei Jahre nach der Premiere gegen die Cincinnatti Bengals wurden die Miami Dolphins mit 38:16 (7:10, 21:6, 10:0, 0:0) geschlagen. MVP des Super Bowl XIX wurde Joe Montana, der 24 von 35 Pässen für 331 Yards und drei Touchdowns an den Mann brachte. Außerdem erlief er 59 Yards und einen weiteren Touchdown.
Running Back Roger Craig schrieb sich ebenfalls in die Geschichtsbücher ein. Er erlief zwar nur 58 Yards (ein Touchdown), fing dafür aber auch für 77 Yards und zwei weitere Touchdowns. Dem hatte auf der Gegenseite Dan Marino, MVP der Saison, nicht viel entgegenzusetzen: 29 von 50 Pässen für 318 Yards und einen Touchdown bei zwei Interceptions.
Aufgrund der Protagonisten auf den Quarterbackpositionen wurde das Spiel im ganzen Land mit großer Spannung erwartet. Letztlich wurde es eine einseitige Angelegenheit, da die leicht favorisierten 49ers (3,5 Punkte) mit allen drei Teams ihren Gegner dominierten und Bill Walsh als Head Coach seinen zweiten von drei Super-Bowl-Erfolgen feiern konnte.
Zunächst erwischten der AFC-Champion aber den besseren Start: nachdem 49ers Rookie Kick Returner Derrick Harmon beim Kickoff den Ball zu nah an der Außenlinie fing und bereits nach sechs Yards ins Aus lief, übernahmen die Dolphins den Ball nach einem 9-Yard-Puntreturn an der eigenen 36 Yardlinie. Mit dem ersten Spielzug fand Marino Tony Nathan für 25 Yards und Miami marscheirte bis zur 23 Yardlinie der 49ers, wo Cornerback Eric Wright einen dritten Versuch zwei Yards vor dem First Down stoppen konnte. Mit einem Fieldgoal aus 37 Yards gingen die Dolphins mit 3:0 in Führung.
Die Führung sollte nicht lange halten, mit acht Spielzügen überquerten die Niners 78 Yards und Reserverunningback Carl Monroe konnte einen Pass für 33 Yards von Montana zur erstmaligen Führung veredeln. Doch Miami errang im folgenden Drive die Führung zurück. Nach einem Lauf für fünf Yards von Nathan wechselten die Dolphins die Strategie: mit einer No-Huddle-Offense hinderte man die 49ers daran, das Personal zu wechseln und die Laufverteidigung der Kalifornier war dem Wurffeuerwerk des MVPs hilflos ausgeliefert: nach Pässen für 18, 11, 13 und 21 Yards fand Marino schließlich Dan Johnson für 2 Yards zur 10:7-Führung nach dem ersten Viertel.
Im zweiten Viertel folgte ein Meisterstück von Defensive Coordinator George Seifert: er stellte die Defense gegen den Pass auf eine 4-1-6-Formation um (Dime). Keena Turner fungierte fortan als einziger Linebacker, Miami versuchte zu Laufen – aber ohne Erfolg. Die Dolphins bekamen zwar zunächst den Ball tief in der eigenen Hälfte zurück, mussten dann aber selbst von der eigenen 10 Yardlinie punten und Cool Joe übernahm mit seiner Offense das Leder an der 47 des Gegners. Vier Spielzüge später wechselte die Führung ein letztes Mal: 19 Yards nach einem improvisierten Lauf von Montana, 16 Yards per Pass auf Dwight Clark, vier Yards durch einen Lauf von Wendell Tyler und ein Touchdownpass für acht Yards auf Craig und die 49ers gingen mit 14:10 in Führung.
Nachdem die Dolphins ein weiteres Mal punten mussten returnierte Dana McLemore den Ball bis zur eigenen 45. Die Offensive der 49ers war nun in der Spur – wie Montana später zu Protokoll gab – und fand sich fünf Spielzüge später sechs Yards entfernt von der Endzone wieder. Von hier erlief der beste Quarterback aller Zeiten die 21:10-Führung.
Nach einem weiteren 3&out der Dolphins folgte eine kontroverse Szene, die den Super Bowl letztlich vorentschied: 49ers Receiver Freddie Solomon fing einen Pass von Montana, machte einen Schritt und verlor dann nach einem harten Hit von Safety Lyle Blackwood den Ball. Dieser returnierte den Ball in die Endzone der 49ers, doch Field Judge Bob Lewis pfiff den Spielzug ab und entschied auf unvollständigen Pass. Side Judge Bill Quinby, am nähesten an der Szene postiert, fällte keine Entscheidung. Fünf Spielzüge später marschierte Craig aus zwei Yards zum 28:10 in die Endzone. Während der tragische Held Blackwood anschließend ob dieses ,,14-Punkte-Schwenks" von einer spielentscheidenden Szene sprach, wollte Coach Don Shula dies nicht überbewerten: ,,Wir wurden so sehr dominiert, das ein Spielzug nicht den Unterschied ausmacht. Wir wollten Montana in Schach halten und haben dabei fürchterlich versagt."
Trotzdem wurde es zunächst noch einmal spannend: Miami marschierte bis zur 12 Yardlinie San Franciscos, wo die Verteidigung ein weiteres First Down verhinderte und damit die Gäste bei 28:13 hielt. Es waren nur noch zwölf Sekunden in der ersten Hälfte zu spielen und trotzdem konnten die Dolphins noch einmal punkten: den fälligen Kickoff nahm Lineman Guy McIntyre auf, der eigentlich abknien wollte. Irgendjemand soll ihm allerdings ,,Steh auf! Steht auf!" zugerufen haben, weshalb er mit dem Ball dann dummerweise doch los lief. Es kam wie es kommen musste: nach einem Hit verlor er den Ball und Jim Jensen eroberte den Ball erneut an der 12 Yardlinie der 49ers zurück. Miamis Kicker markierte sein drittes Field Goal an diesem Tag und damit konnte das Team auf 28:16 verkürzen.
Es sollten die letzten Punkt der Dolphins bleiben. Die Defense der 49ers agierte in der teilweise nebelverhangenen zweiten Halbzeit bärenstark. Mit dem ersten Spielzug gelang ein Tackle an Running Back Nathan ein Yard hinter der Line of Scrimmage. Nach einem unvollständigen Pass sackte Dwaine Board Marino für einen Verlust von neun Yards. San Francisco übernahm den Ball an der eigenen 47 Yardlinie und Ray Wershing erhöhte wenig später aus 27 Yards auf 31:16.
Im folgenden Drive wurde Marino zweimal gesackt und die Dolphins mussten erneut punten. Montana zog noch mal alle Register, fand erst Tyler für 40 Yards und anschließend Francis für 14. Drei Spielzüge später markierte Craig nach einem Pass für 16 Yards den 38:16-Endstand. Fortan dominierten die Verteidigungsreihen das Geschehen, wobei sich vor allem die Defense der 49ers mit zwei Interceptions auszeichnen konnte. Die erste gelang Wright im folgenden Drive an der eigenen 1 Yardlinie, die zweite Carlton Williamson im darauffolgenden in der eigenen Endzone.
Die 49ers stellten in diesem Spiel einige Super-Bowl-Rekorde auf: sowohl ihre 553 Yards in der Offensive als auch die 25 Yards, die Miami am Boden erlaubt wurden, waren für die damalige Zeit Spitze. Überhaupt versuchten die Dolphins nur neun Läufe – ein Rekord, der heute noch seine Gültigkeit besitzt. Mit den 38 erzielten Punkten und 288 Yards in der ersten Halbzeit egalisierten sie die Bestmarken der Bay-Area-Rivalen. Craig war zudem der erste Spieler, dem in einem Super Bowl drei Touchdowns gelangen. 49ers Rookie Offensive Tackle Michael Carter erzielte ein weiteres Novum: nachdem er bei den Olympischen Spielen im Kugelstoßen die Silbermedaille errang, gelang es ihm als einzigem Spieler der NFL Geschichte im selben Jahr auch noch einen Super-Bowl-Ring zu ergattern.
Diese Partie war übrigens das letzte NFL-Spiel von Uwe Detlef Walter von Schamann (http://en.wikipedia.org/wiki/Uwe_von_Schamann) – sein Sohn Duke ist momentan Pitcher im System der Cleveland Indians (Minor Leagues).
Das Starting Lineup der 49ers vom 20. Januar 1985:
QB Joe Montana
RB Wendell Tyler
FB Roger Craig
WR Dwight Clark
WR Freddie Solomon
TE Russ Francis
LT Bubba Paris
LG John Ayers
C Fred Quillan
RG Randy Cross
RT Keith Fahnhorst
LDE Lawrence Pillers
NT Manu Tuiasosopo
RDE Dwaine Board
LOLB Dan Bunz
LILB Riki Ellison
RILB Jack Reynolds
ROLB Keena Turner
LCB Ronnie Lott
RCB Eric Wright
SS Carlton Williamson
FS Dwight Hicks
Die Coaches:
Head Coach – Bill Walsh
Quarterbacks/Receivers – Paul Hackett
Running Backs – Sherman Lewis
Offensive Line – Bobb McKittrick
Assistant Offensive Line/Tight Ends – Fred von Appen
Defensive Coordinator – George Seifert
Defensive Line – Bill McPherson
Linebackers – Norb Hecker
Defensive Backs – Ray Rhodes
Defensive Assistant – Tommy Hart
Special Teams – Fred von Appen
Quellen:
Matt Maiocco, Wikipedia, eigene Recherchen.
Hier ein Highlight-Video von diesem Tag:
http://www.nfl.com/videos/nfl-videos/09000d5d82629362/This-Day-in-Football-Super-Bowl-XIX
Herrlich anzuschauen ;)
Lang, lang ist es her. Ob wir so etwas noch mal erleben dürfen???
Entweder wir werden jetzt überrascht und holen in den nächsten 2 Jahren den Titel, oder es werden lange Jahre.
Gabs keinen OC damals?
Gute Frage. Ich habe die Liste von wikipedia. Dort ist in der Bill-Walsh-Ära grundsätzlich kein OC angegeben. Daher denke ich mal, dass er es selbst übernommen hat.
Zitat von: wizard49er am Mi, 21. Jan. ’15, 00:44
Entweder wir werden jetzt überrascht und holen in den nächsten 2 Jahren den Titel, oder es werden lange Jahre.
Mein Gefühl sagt eher letzteres. Ich glaube, das das was 2011-2013 war, in nächster Zeit nicht annähernd erreicht wird. Ich frage mich wie es die Patriots oder die Steelers machen (die letzten 15 Jahre mal gesehen)?
Zitat von: goldbüchi am Mi, 21. Jan. ’15, 17:01
Mein Gefühl sagt eher letzteres. Ich glaube, das das was 2011-2013 war, in nächster Zeit nicht annähernd erreicht wird. Ich frage mich wie es die Patriots oder die Steelers machen (die letzten 15 Jahre mal gesehen)?
Konstanz auf der Position des Head Coach.
Es war net ganz ernst gemeint. Ich bin der Meinung das alles drinne ist und wir es erst wissen wenn es schon passiert ist. Also können wir nur raten und spekulieren.