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49ers FanZone => 49ers News Zone => Thema gestartet von: frontmode am Di, 30. Apr. ’13, 16:52

Titel: In-Depth: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: frontmode am Di, 30. Apr. ’13, 16:52
Die dritte Draft in der Ägide von Baalke und Harbaugh ist unter Dach und Fach und es lohnt sich, einen Blick auf die Draft-Strategie der 49ers zu werfen.

Dabei ist es weniger relevant, ob sich die einzelnen Spieler am Ende durchsetzen und zu wichtigen Stützen des Teams werden oder nach den ersten Cuts das Team wieder verlassen müssen. Ob eine Draft-Klasse nun gut oder schlecht ist, lässt sich sowieso erst in 3-4 Jahren wirklich beurteilen. Ob uns als ,,Arm-Chair-GMs" die individuelle Wahl eines Spielers gefällt oder nicht, ist darüber hinaus höchst subjektiv, durch zu wenig Football-Sachverstand sowie größtenteils ,,Scouting auf dem Papier" geprägt.

Interessant sind jedoch die Herangehensweise des Teams sowie die adressierten Positionen. Natürlich gibt es auch hier viele Unbekannte, da sich die Draftboards der Teams auch durch die Draft der anderen verändert. So sagte Harbaugh auf Nachfrage von Journalisten, warum man erst mit dem letzten Pick einen Cornerback auswählte, dass man im Laufe der Draft mehrfach eigentlich diese Position adressieren wollte, es am Ende aber eben anders gekommen sei.

Zunächst einmal die nackten Zahlen: die 49ers gingen mit 13 Picks in die Draft und kamen mit 11 Spielern sowie einem Drittrunder im Jahr 2014 wieder heraus.
Das alleine erscheint zunächst einmal ungewöhnlich, da allgemein angenommen wurde, dass die 49ers viel weniger Spieler auswählen würden – sie benötigen schlicht nicht so viele Nachwuchskräfte. Auch wurde mit einer stärkeren Aufmunitionierung für das Jahr 2014 gerechnet, die so dann doch nicht eingetreten ist. Harbaugh sagte dazu: ,,it takes two to tango".

Aber wie kam es zu dieser Entwicklung?

Die Draft begann für das Team gleich mit einem Paukenschlag, als man zu einem sehr guten Preis einen Uptrade in die Mitte der ersten Runde machen konnte. Es wäre vermutlich kein Problem gewesen, sogar weiter hoch zu traden, um dann Kenny Vacarro zu bekommen. Aber so wie es aussieht, war Eric Reid von Beginn an der Wunschkandidat der 49ers als Nachfolger für Dashon Golston auf der Free Safety Position.

Nachdem der vermeintlich beste Safety der Draft aber aus dem Rennen war, mussten die 49ers handeln, um diesen Wunschkandidaten zu bekommen. Es erfolgte ein Uptrade, mit dem viele gerechnet haben - wenn auch vermutlich in der Erwartung eines anderen Picks. Dieses Vorgehen legt die Vermutung nahe, dass andere Safeties wie Elam und Cyprien auf dem Draftboard der 49ers deutlich hinter Reid gewesen sein müssen, da man ansonsten auch hätte weiter abwarten können. Statt danach noch einmal in die erste Runde hoch zu traden, beendeten die 49ers nach diesem Pick ihren ersten Drafttag.

Genau umgedreht verlief der Pick in Runde 2. Auch hier wurde von Beginn an mit einem Trade - in diesem Fall nach unten – gerechnet. Die meisten der sogenannten Draftexperten vermuteten, dass jetzt der Run auf die Quarterbacks beginnen würde. Diese blieb zwar aus, dennoch fanden die 49ers einen Tradepartner. Das Ziel Tank Carradine wurde bereits vor der Draft mit den 49ers in Verbindung gebracht und die 49ers haben wohl fest damit gerechnet, dass die Verletzung von Carradine andere Teams davon abhalten würde, diesen zu nehmen. Vielleicht hatte man einfach nur Glück, vielleicht ging aber auch in der Zeit ein Spieler vom Board, der das eigentliche Ziel war. Am Ende hatte man aber einen weiteren Pick für die Draft  2014 eingesammelt und einen Spieler mit viel Potential.

Das die 49ers hier nicht noch mal in Richtung der ersten Runde aktiv wurden und sogar nach unten gegangen sind zeigt ein weiteres Mal, dass diese Draft sehr ausgeglichen (positiv ausgedrückt) bzw. qualitativ nicht so hochwertig war. Eigentlich waren die 49ers gut genug aufgestellt, noch einen Pick in der ersten Runde zu tätigen, aber scheinbar fehlte der Value dort. Es gab wohl Teams, die insgesamt nur 19 Erstrunder auf ihrem Draftboard hatten.....

Mit den vielen ,,überschüssigen" Picks in den hinteren Runden machten dann die 49ers noch zwei kleinere Uptrades. Ob diese am Ende wirklich notwendig waren, werden wir nie erfahren. Es ging aber hier um Spieler, die das Team augenscheinlich unbedingt wollte – und Angst hatte, dass sie ihnen vor der Nase weggeschnappt werden. Daher kann man diese Trades durchaus als sinnvolle Investition bezeichnen – vor allem, wenn ihnen vielleicht zu Beginn der Runde 2 ein Wunschspieler vor der Nase weggeschnappt wurde.... Das Gros der Picks haben sich die 49ers aber bis zum Schluss erhalten und es gab keine weiteren Trades am dritten Tag der Draft (ich erinnere an den Tango).

Welche Positionen haben die 49ers adressiert?

Die ersten vier Picks hatten das klare Ziel, die durch die Free Agency entstandenen Lücken zu füllen und zwar mit einer klaren Priorität:

- füllen der größten Lücke in der Starting Line-Up der Defense
- stärken der Rotation in der Defense-Line
- adressieren der entstandenen Lücke in der erweiterten First-Team-Offense

Hier ging es nicht (notwendiger Weise) um den besten verfügbaren Spieler, sondern um den besten passenden Spieler. Alle vier Spieler werden es sicher auf das Roster schaffen und sollen sofort positiven Einfluss haben. Reid ist eigentlich bereits der Starting Free Safety und es bleibt abzuwarten, wer es hinter ihm ins Team schafft.

Was aber darüber hinaus ersichtlich wird ist, wie die 49ers ihre Defense weiterentwickeln wollen: Pass-Rush durch die Front-Seven sowie Defensive-Backs, die Man-to-Man verteidigen können. Ein klassischer 3-4 Nose-Tackle ist nicht mehr vorhanden, dafür scheint es Spieler zu geben, die speziell für Running Downs eingesetzt werden sollen. Nach der personellen Kontinuität in der letzten Saison und der Weiterentwicklung der Defense zum Ende der Saison kommt es nun bei beiden Aspekten zu Veränderungen, was auch notwendig ist. Die Antwort der 49ers auf Spread- und Multi-Receiver-Formationen scheint aber mehr Pass-Rush statt mehr Defensive-Backs zu sein. Die Insider Linebacker werde daher voraussichtlich noch mehr Aufgaben in der Passverteidigung bekommen.

Es wird sehr spannend sein zu beobachten, mit welchen Fronten die 49ers im dritten Jahr unter Vic Fangio agieren werden – bei seinen bisherigen Stationen begannen die Probleme seiner der Defense meist um das dritte Jahr herum.

Runde vier war eine Runde mit viel Potential – das sich aber erst einmal materialisieren muss.  Viele sehen in Patton bereits einen Steal, aber die Coaches müssen es schaffen, dass er seine sportlichen Möglichkeiten auch wirklich ausnutzt. Er muss körperlich robuster und mental stärker werden. Gelingt dies jedoch, sollten die 49ers einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Wide-Receiver Position getan haben. Vielleicht kann er schon diese Saison die Nummer Drei auf der Depth Chart werden.

Interessant ist, dass die 49ers scheinbar keinen großen Bedarf gesehen haben, um die Position früher oder durch einen weiteren Uptrade zu adressieren. Da man damit rechnen muss, dass A.J. Jenkins vielleicht schon in dieser Off-Season keinen Platz mehr auf dem Roster erkämpfen kann, hat man vermutlich Pläne mit Crabtree und/oder Boldin in der Schublade, die es erlauben, die Position nicht mit mehr Nachdruck zu verstärken.

Darüber hinaus müssen die 49ers davon überzeugt sein, dass Gore noch mindestens ein gutes Jahr vor sich hat, James sich weiter steigert und Hunter bis Saisonbeginn wieder vollständig genesen wird. Lattimore hat das Potential zum Superstar – wenn er wieder fit wird. Aber dieses geschieht ganz sicher nicht im Jahr 2013. Sollten sich die Coaches hier vertan haben, wird es eine schwierige Saison.

Der Pick selber ist aber von vielen Draftnicks vorhergesagt und von vielen 49ers Fans ersehnt worden. Selbst wenn er nur eine Chance von 25% hat, so ist dieses nicht schlechter als die Chance irgendeines anderen Picks, der quasi in der fünften Runde gedraftet wurde. Die 49ers können sich diesen Luxus leisten und vermutlich wird er das erste Jahr auf IR verbringen, um dann 2014 vielleicht der Nachfolger von Gore zu werden. Nur wer Risiken eingeht, kann gewinnen und dieses Risiko ist überschaubar – und vor allem ist es wert, eingegangen zu werden.

In den Runden 5-7 wurden wieder Spieler geholt, die ein bestimmtes Potential haben oder möglicher Weise für einen begrenzten Zeitraum eine zugewiesene Rolle übernehmen können. Daniels könnte auf der Practice Squad landen, um eine optimale Vorbereitung auf die Spiele gegen Seattle, Washington und Carolina zu ermöglichen. Mit Bykowski hat man wieder ein Projekt in der Offense-Line, ähnlich wie es Alex Boone vor ein paar Jahren war. Aber alle fünf Spieler müssen kämpfen, um es überhaupt nur auf die Practice Squad oder gar ins Team zu schaffen. Sie werden sich vor allem mit der Draftklasse von 2012 messen müssen, die ja auch noch zeigen muss, was sie wirklich kann.

Rückblickend kann man die Draft in 3 Phasen einteilen:

- Runde 1-3: Spieler mit sofortigen Starter-Potential und Rotationsspieler auf Need-Positionen

- Runde 4: Spieler mit unglaublichem Potential, die sehr sicher im Team (bzw. auf IR) sein werden, deren Impact aber vielleicht erst ab 2014 wirklich sichtbar sein wird

- Runden 5-7: Spieler mit bestimmten Fähigkeiten und Potentialen, die über den Weg der Practice Squad ihren Beitrag leisten können

Auf dem Papier eine sehr gute Draft, jetzt müssen die Spieler nur das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen, gesunden oder uns alle überraschen.
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: igor am Di, 30. Apr. ’13, 16:59
Ein ausgezeichneter Artikel, vielen Dank!
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: Duke am Di, 30. Apr. ’13, 17:06
da ist aber auch viel wunschdenken dabei. hoffen wir, dass es aufgeht :)
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: frontmode am Di, 30. Apr. ’13, 17:08
Zitat von: Duke am Di, 30. Apr. ’13, 17:06
da ist aber auch viel wunschdenken dabei. hoffen wir, dass es aufgeht :)

Das Erste ist die Strategie, das Zweite sind die Spieler, die man letztendlich bekommt und das Dritte natürlich der sich daraus resultierende Erfolg.

Bei Strategien gibt es immer die Optionen, dass sie schlecht war - oder man sie schlecht umgesetzt hat. Aber eine Strategie ist es deshalb trotzdem ;)
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: wizard49er am Di, 30. Apr. ’13, 21:13
Sehr langer aber guter Bericht :thumbup:
Hoffentlich entwickeln sich vorallem Reid und Carradine schnell zu guten startern.
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: stig49 am Mi, 1. Mai. ’13, 00:29
Zitat von: Duke am Di, 30. Apr. ’13, 17:06
da ist aber auch viel wunschdenken dabei. hoffen wir, dass es aufgeht :)
alter Schwarzmaler! das ist doch das Prinzip jeder Draft ;)
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: owl49er am Mi, 1. Mai. ’13, 07:58
 :10:

Super Artikel - dem es zumindest von mir auch nichts mehr hinzuzufügen gibt.

:thanx:
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: GermanSpirit am Mi, 1. Mai. ’13, 09:30
Wow, ein toller Artikel - das hat Spaß gemacht :thumbup:
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: Touchdownmaker am Mi, 1. Mai. ’13, 11:54
Super Info! Danke  für diesen tollen Überblicküber unser Vorgehen in der Draft.
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: JimH am Mi, 1. Mai. ’13, 13:53
Sehr schöne review! Ganz nach meinem geschmack. Nicht nur weil ich zu denen gehöre, die das wort faithful wörtlich nehmen. :)
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: silentsound am Do, 2. Mai. ’13, 10:32
Zitat von: igor am Di, 30. Apr. ’13, 16:59
Ein ausgezeichneter Artikel, vielen Dank!
meine rede ;) :thanx:
Titel: Re: Ein Blick auf die Draft-Strategie der 49ers
Beitrag von: sf49er am Do, 2. Mai. ’13, 10:47
Toller Bericht!
Ich hoffe die Jungs schlagen ein!