Weiter geht es mit unserer kleinen Serie von Artikeln zur Draft 1986. Wer es noch nicht gelesen hat: hier geht es zu Teil I (http://49ersfanzone.net/fanzone/49ers-in-depth-zone/das-genie-bei-der-arbeit-die-%2786er-draft-von-bill-walsh-(teil-i)/).
Walsh lernte die ,,Drafttechnik"von Paul Brown in Cincinnati, wo Walsh acht Jahre lang als Assistent gearbeitet hatte, und von Al Davis in Oakland, wo er 1966 Assistent war. Der Schlüssel, so hatte Walsh gelernt, war, dass es nur eine Person geben durfte, die der unangefochtene Chef ist und die abschließende Entscheidung trifft, ungeachtet dessen, dass diese Person Verantwortung auch delegiert und auf Ratschläge hört. Für die 49ers war Walsh diese Person. John McVay, der General Manager der 49ers, besetzte die Telefone im Draft Hauptquartier des Teams. Draftet eine Gruppe von Personen für ein Team, so glaubte McVay, so ist dies der Hauptgrund dafür, dass sich das Team in der Draft nicht verbessert. ,,Viele Teams sind praktisch nicht in der Lage, einen Trade zu machen," sagte McVay. ,,Sie haben so viel Zeit und so viel Geld in die Draft investiert, dass sie keine Bauchentscheidung treffen wollen. Sie müssen alle ihre Bemühungen rechtfertigen. Wenn sie traden könnte das ein Fehler sein – und deshalb traden sie nicht, auch wenn es das Richtige wäre. Und es gibt andere Faktoren. Einige Teambesitzer mischen sich in die Draft ein. Einige Mitarbeiter bekommen viel Geld und müssen deshalb gehört werden. Man kann davon benommen werden, Dinge auf diese Art und Weise zu handhaben.".
Der Draft Day 1986 begann ruhig in den früheren 49ers-Büros, die 30 Minuten südlich vom Candlestick Park lagen. Walsh saß an einem langen Holztisch im vorderen Teil eines großen Konferenzraums, mit dem Rücken zu einer mehr als fünf Meter breiten Tafel. Zu seiner Linken, über die gesamte Länge der Wand, waren die Offense Draft Charts, sortiert nach Positionen. Zu seiner Rechten waren die Defensive Draft Charts. Auf der gegenüberliegenden Wand war Platz für eine Team-by-Team Draftliste. Vor dieser Wand saßen 11 Assistensztrainer.
Vor und rechts von Walsh saßen sechs Scouts des Teams. An der linken Seite saßen McVay und die Personalchefs Tony Razzano und Allan Webb. In der Mitte des Raums war ein Telefon, verbunden mit der Drafthauptquartier in New York City, sowie ein Computer, der alle Spieler- und Draftinformationen hatte, verbunden mit Edward DeBartolos Firmenhauptsitz in Youngstown, Ohio. In einer Ecke stand ein Lautsprecher, der den ganzen Tag übertrug, was im Büro in Youngstown gesagt wurde. Dillman saß still am Schreibtisch neben demjenigen, der den Computer bediente.
Nach zehn Picks in der ersten Runde bat Walsh seinen Scout Mike Lombardi, zur Tafel hinter ihm zu gehen und die Namen der drei Spieler aufzuschreiben, aus denen die 49ers gerne ihren ersten Pick auswählen würden. Lombardi nahm die Kreide und schrieb auf:
John L. Williams, FB, Florida
Ronnie Harmon, RB, Iowa
Gerald Robinson, DE, Auburn
Alle drei Spieler warne noch verfügbar als sich die Minnesota Vikings sich darauf vorbereiteten, den 14. Pick der ersten Runde zu machen; es schien wahrscheinlich, dass Walsh mindestens einen der drei zur Verfügung haben würde. Minnesota nahm Robinson,. Das nächste Team, die Seahawks, wählte Williams. Die Buffalo Bills machten den Sweep perfekt, indem sie Harmon mit dem 16. Pick nahmen. ,,Wir waren wie ein NBA-Team, das spät im Spiel, bei 15 Punkten Vorsprung, sicher war, zu gewinnen," sagte Lombardi. ,,Dann machen die in einer Minuten 10 Punkte am Stück, und das Spiel ist wieder offen."
Mehrere Minuten vergingen. Ein Team hatte in der ersten Runde 15 Minuten Zeit, seinen Pick zu machen (in den folgenden Runden jeweils nur 5 Minuten). Das Telefon auf McVays Schreibtisch klingelte. Es war Gil Brandt von den Dallas Cowboys. Brandt wollte den Pick der 49ers nutzen, um Wide Receiver Mike Sherrard von UCLA zu draften. Dallas war an Nr. 20 dran und fürchtete, die New York Giants könnten Sherrard an Nr. 19 nehmen. Brandt bot McVay den Erstrundenpick der Cowboys und deren Fünftrundenpick an. ,,Annehmen," sagte Walsh zu McVay. Er kaufte sich damit Zeit. Der nächste verfügbare Spieler, den die Niners wollten, war Roberts, aber Walsh wollte keinen Erstrundenpick für einen Teilzeitstarter verschwenden.
Dallas wählte Sherrard. Die 49ers hatten den Erstrundenpick der Cowboys für 27 Minuten, als das telefon erneut klingelte. McVay nahm ab und die Buffalo Bills waren am anderen Ende der Leitung. Die Bills wollten unbedingt Tackle Will Wolford von Vanderbilt, und so handelten die Bills und McVay, nach Rücksprache mit Walsh, einen weiteren Deal aus. Die 49ers tradeten ihren Pick, den sie gerade erst von Dallas bekommen hatten, nach Buffalo, zusammen mit einem Zehntrundenpick 1987 für den Zweit- und Drittrundenpick der Bills.
Nun hatte San Francisco zwei Picks in jeder der nächsten beiden Runden – inklusive, von Buffalo, des zweiten Picks der 2. Runde (damals der 29. Overall). Immer noch zu hoch für Roberts, dachte Walsh. Er wollte weiterhin traden. Gegen Ende der ersten Runde verblieben drei wünschenswerte Runningbacks auf dem Board: Reggie Dupart von SMU, Neal Anderson von Florida und Garry James von LSU. Mit dem 26. Pick nahmen die New England Patriots Dupard. Mit dem 27. Pick – damals dem letzten Pick der ersten Runde, da die Browns ihren Erstrundenpick in der Supplementary Draft für Quarterback Bernie Kosar genutzt hatten – wählten die Chicago Bears Anderson.
Es war 9 Uhr früh in Redwood, als die Telefone klingelten. Fünf Teams wollten Garry James haben. Das beste Angebot kam von den Detroit Lions: deren Zweit- und Drittrundenpick für den ersten Zweitrundenpick der 49ers – den, den sie gerade von den Bills bekommen hatten. ,,Annehmen," sagte Walsh zu McVay.
Das Telefon klingelte erneut, und DeBartolo war am Telefon. ,,Hey," sagte der Besitzer des Teams, wann werdet ihr jemanden draften? Gebt mir einen Namen! Meine Telefonrechnungen werden höher als unsere Signing Bonuses!"
Walsh kicherte und sagte DeBartolo, dass die 49ers kurz davor seien, ein Schnäppchen zu bekommen. Der Typ, den sie in der ersten Runde hätten nehmen können, also Roberts, war der Typ, den sie in der zweiten Runde draften würden. DeBartolo gefiel das; der Unterschied zwischen einem Erstrunden- und einem Zweitrundenpick betrug damals, was den Signing Bonus angeht, rund $ 350.000. Die 49ers holten Roberts dann mit dem 12. Pick der zweiten Runde, dem 39. Pick insgesamt – mit dem Pick, den sie von Detroit erhalten hatten.
Weiter geht es am kommenden Montag mit Teil III. Unsere kleine Serie endet am kommenden Mittwoch mit Teil IV.
Kannst Du die anderen beiden Teile nicht bitte heute schon reinstellen ;D
Ich liebe solch schön geschriebene sporthistorische Geschichten :thumbup:
cooler Einblick in die Draftwelt...vielen Dank, freu mich auf die Fortsetzung :D
Ein schöner Einblick in die Draft-Welt. Ich dachte mir schon immer, dass es recht kompliziert sein könnte, aber jetzt hab ich vor meinem "geistigen" Auge den Konferenzraum, die Leute, die Schautafeln gesehen. Cool! Wie ein Spionage-Krimi...
Heute vor 36 Jahren wurde Bill Walsh zum HC und GM ernannt.
Wäre doch ein gutes Datum um den neuen HC zu verkünden.
Wo bleibt Teil III?? ;D ;D
Zitat von: 49erflo am Di, 20. Jan. ’15, 15:46
Wo bleibt Teil III?? ;D ;D
Sorry, ging im Trubel hier bei mir unter. Kommt aber gleich! ::)