Autor Thema: Commentary: Es ist nicht alles Gould was glänzt - Teil 1  (Gelesen 1037 mal)

Offline owl49er

  • Redakteur
  • MVP
  • ****
  • Beiträge: 4.137
173 – 153 – 93. Dies ist keine Aufgabe im Wonderlic Test sondern der RGB-Code mit dem die Helme der 49ers besprüht sind. Aber werden die Niners in diesen Wochen überhaupt ihrer Teamfarbe gerecht? Wie kann ein in vielen Ebenen so fehlerbehaftetes Team am Sonntag um die achte NFC Championship spielen und damit ausgerechnet mit America’s Team gleichziehen wollen?

Fangen wir zunächst mit dem Offensichtlichen an - was Beobachter des Teams seit Monaten (zu glauben) wissen:
1.   Das Front-Office hat keinen Plan…
a.   Spieler, von denen John Lynch überzeugt ist, werden überbezahlt, wodurch sich die Niners im Gegensatz zu den Divisionsrivalen keine Top-Stars auf dem Markt leisten können.
b.   In der Draft wird für Spieler unnötig hoch getradet und es finden sich in den ersten Runden signifikant häufige Busts.
c.   Außerdem werden die falschen Positionen adressiert.
d.   Anstatt die richtigen Spieler zu behalten, wird mit zweitrangigen Alternativen verlängert.
2.   Der Head Coach…
a.   Ist stur, nicht lernwillig und lenkt gerne von seiner eigenen Unfähigkeit ab.
b.   Außerdem hat er Lieblinge im Team und gibt anderen Spielern keine Chance.
c.   Ach ja… und „Eier“ hat er auch nicht – weder im Playcalling noch in seinen Ansagen.
3.   Und nun wirklich nicht übersehbar, ist der Quarterback eher ein „Klotz am Bein“ – um es freundlich auszudrücken. Spielerisch limitiert und mit seinem offensichtlichen Nachfolger bereits an Board nicht mehr als eine „Lame Duck“.
4.   Die Offensive Line ist mit Ausnahme eines All-Pro-Left-Tackles ein Schweizer Käse.
5.   Das Defensive Backfield ist die große Schwachstelle des Teams und muss nur ordentlich attackiert werden.
6.   Und mindestens bis zur Saisonmitte war es Konsens, dass die D-Line deutlich überbezahlt ist.
7.   Das Team ist falsch (zu brav) zusammengestellt.
8.   Dies alles kumulierte in teils slapstickhaften Spielen u.a. gegen die Colts, Cardinals und Seahawks , in denen die 49ers genug Wege fanden, Spiele zu verlieren.

In der Summe scheint hier von einer Franchise die Rede zu sein, die in einer brutal schweren Division am Scheideweg steht und über Jahre hinaus den Anschluss an die Rams und Cardinals verpasst hat.

Versteht es nicht falsch – viele dieser Aspekte hatten und haben auch immer noch ihre Berechtigung und sollten hinterfragt werden. Getreu dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“ können sich auch die Niners in vielen Facetten steigern - wie jede Organisation ein großes Interesse haben sollte, sich stetig zu verbessern. Daher geht es im Folgenden auch nicht darum, irgendwelchen Usern hier auf dem Board einen Spiegel vorzuhalten und besserwisserisch abzurechnen.

Um nun aber die Frage zu beantworten, wie die 49ers es trotzdem ins insgesamt 17. Conference-Finale geschafft haben, muss eine ebenso wichtige Frage gestellt werden: was haben sie richtig gemacht, dass zuletzt nacheinander Siege gegen die amtierenden Champions der NFC West, NFC East und NFC North (!) eingefahren wurden? (wenn wir einmal davon ausgehen, dass diese nicht nur glücklich aufgrund der Überheblichkeit der Rams, Regelunkenntnis der Cowboys und eines geblockten Punts gegen die Packers zu Stande gekommen sind)

Getreu einem Sprichwort aus der Normandie: Wenn Du einmal Erfolg hast, kann es Zufall sein. Wenn Du zweimal Erfolg hast, kann es Glück sein. Wenn Du dreimal Erfolg hast, so ist es Fleiß und Tüchtigkeit.

Fangen wir doch einfach mal im Front Office an. Bei den Niners herrschen zunächst einmal zwei Grundvoraussetzungen für Erfolg: Kontinuität und (aus der Ferne betrachtet) absolutes Vertrauen. Auch bei uns auf dem Board wurden in meinen Augen zu Recht z.B. die Steelers, Ravens und Patriots als Franchises genannt, deren dauerhafter Erfolg anzustreben sei. Was zeichnet diese Teams aus? Eine fast schon einmalige Kontinuität auf den entscheidenden Positionen. Die Steelers z.B. kommen mit Mike Tomlin, Bill Cowher und Chuck Noll auf drei Head Coach in den letzten 53 Jahren (31 Playoffteilnahmen). Ähnlich stabil sieht es auf den General-Manager-Positionen aus, wo mit Ausnahme des zurückgetretenen Ozzie Newsome (Ravens) noch dieselben Macher wie zu Beginn dieses Jahrtausends am Werk sind.

In San Francisco sind nun John Lynch und Kyle Shanahan seit fast genau fünf Jahren am Werk. Nach den unsteten Jahren 2015/16 Zeit genug, eine Philosophie zu entwickeln, die möglicherweise den Grundstock für eine echte Ära bildet. Mit Sicherheit ist die Spielweise der Niners (noch) nicht so sexy wie die Highlight-Shows in Kansas City oder Buffalo. Das Spiel der Niners ist eher auf knochenharte Arbeit – insbesondere zwischen den Trenches (s.u.) – ausgelegt. Das Playdesign in der Offense lebt von hart umkämpften Yards after Catch und wer nach einer gewissen Lernphase nicht mitzieht, findet sich schnell an der Außenlinie wieder (Brandon Aiyuk) bzw. wird aussortiert (Dante Pettis, Akhello Whitherspoon).

(to be continued)
« Letzte Änderung: 28. Jan. 22, 07:58 von owl49er »
Was soll ich weiter erzählen? Die wahre Trauer liebt die Worte nicht! Käme doch bald die Zeit, in der man solche blutige Geschichten nur noch als alte Sagen kennt!

Tags: Samuel Shanahan Kittle